Leerverkaufsverbot: Symptombekämpfung ohne nachhaltige Wirkung
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Börse
vom 12. August 2011, 14:30 Uhr
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vier europäische Länder verbieten ab heute Leerverkäufe von Aktien - zumindest teilweise. Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde Esma erklärte gestern Abend gegenüber der Presse, dass Frankreich, Italien, Spanien und Belgien sich zu diesem Schritt entschlossen hätten, um gegen "falsche Gerüchte" vorzugehen - so werden Leerverkäufe, die auf Marktgerüchte aufspringen, gerne bezeichnet, lösen sie doch zumeist einen Kursrutsch aus, ohne das ein tatsächlich ein Anlass gegeben ist.
Bei Leerverkäufen setzen Investoren auf fallende Kurse von Wertpapieren, die sie eigentlich gar nicht besitzen. Sie verkaufen Wertpapiere, die sie sich zuvor von anderen Anlegern gegen eine Gebühr geliehen haben, zu einem fest vereinbarten Kurs. Fällt der Preis bis zum Lieferdatum, können sie sich billiger wieder eindecken und die geliehenen Papiere zurückgeben. Die Differenz zwischen dem niedrigeren Kurs und dem höheren Verkaufspreis abzüglich der Gebühr streichen die Investoren als Gewinn ein.
Diesen "miesen aber legalen Spielchen" will die Börsenaufsicht nun entgegenwirken, tragen sie doch nach deren Einschätzung einen nicht unerheblichen Anteil an den jüngsten Börsenturbulenzen. Die vier Euro-Mitglieds-Staaten Frankreich, Italien, Spanien und Belgien untersagten ab dem heutigen Freitag bestimmte Leerverkäufe. Betroffen von dem Verbot sind zunächst nur Finanztitel.
Börsen im Erholungsmodus - Volatilität bleibt hoch
Die französische Börsenaufsicht kündigte ein 15-tägiges Verbot von Leerverkäufen für die Aktien von elf Banken und Versicherern an. Dazu zählt unter anderem die Societe Generale, deren Aktien nach Gerüchten über angebliche Zahlungsschwierigkeiten am Mittwoch teilweise um mehr als 20% abstürzten. Nach dem Verbot hat sich der Kurs heute etwas stabilisiert. In Spanien sollen 16 Finanztitel über 15 Tage geschützt werden. Belgien will Leerverkäufe von vier Finanzwerten für eine unbegrenzte Periode unterbinden. In Italien werden zunächst alle Leerverkäufe von Finanzwerten ab sofort untersagt. 29 Banken und Versicherungen sind davon betroffen. Auch hier gilt das Verbot für 15 Tage.
Die Aktiemärkte reagierten heute mit Erleichterung auf den Beschluss. Nicht nur in Paris ging es mit den Kursen nach oben. Auch in Frankfurt, Madrid und Mailand verzeichneten die Börsen bis zum Mittag ein leichtes Plus. Dennoch bleibt es nach wie vor bei der hohen Volatilität. "Ein Pflaster auf eine Wunde zu kleben, die mit mehreren Stichen genäht werden müsste, löst das Problem nicht", sagte Pedro de Noronha, Partner beim Hedgefonds Noster Capital als Reaktion auf die Beschlüsse gegenüber der Presse. Und er steht mit dieser Ansicht nicht allein. Viele Börsenakteure glauben nicht, dass mit dem 15-tägigen Leerverkaufs-Verbot eine Fortsetzung des Ausverkaufs wirklich verhindert werden kann, zumal dieses nicht europaweit gilt. Wer leer verkaufen wolle, würde dann eben auf andere Länder ausweichen.
Fakt ist: Mit dieser Maßnahme wird mal wieder nur ein Symptom bekämpft, statt die Ursache anzugehen. Deshalb dürfte die positive Reaktion der Märkte darauf ohne nachhaltige Wirkung bleiben.
Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende.
Ihre
Cindy Bach
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Dr Klaus Landfried (12.08. 2011 20:09 Uhr):
Ja, ja, dieses Verbot kann und wird die erwünschte Wirkung (und gegen die traut sich ja immerhin kaum einer zu argumentieren) nicht ganz erreichen. Es ist aber nicht prinzipiell falsch, sondern nur nicht weitgehend genug. Mehr Länder müssen und werden folgen. Und mehr Arten von Leerverkäufen müssen und werden verboten werden. Bei den Zockern, die damit und mit dem Gerüchte-Streuen im Vorfeld Geld machen, handelt es sich n i c h t um Investoren, sondern eben um Spieler, genauer: um Falschspieler, also um Betrüger. Daher si nd auch harte Sanktionen bei Verstößen angebracht. Nur wenn es gelingt, diese Art von sozial und wirtschaftlich unverantwortlichem Verhalten zu beenden, wird unser Wirtschaftssystem überleben. Andernfalls wird esin ein paar Jahren einfach einstürzen über dem Missverhältnis von Aufwand und Leistung, von Kredit und Besicherung.
Antworten - Kommentar von Albert Karl (14.08. 2011 18:49 Uhr):
Sehr geehrte Frau Bach, von meiner Auslandsreise zurück, lese ich gerade diesen interessanten Artikel. Also, für mein Verständnis kann eine solche Aktion nur dann greifen, wenn sich alle Marktteilnehmer aus Europa, Asien und den USA daran beteiligen, was aber ein Wunschdenken bleibt. Ich wundere mich allerdings schon, dass sich unser Land nicht auch den genannten vier Ländern mit angeschlossen hat. Morgen für Sie einen guten Wochenanfang. Ihr aufmerksamer Leser Albert Karl
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