Lebenszyklusfonds: Sinnvoll?
Alexander Hahn in Investoren Wissen zum Thema Fonds
vom 18. Januar 2010, 16:00 Uhr
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um stets auf dem Laufenden zu sein, was in den Küchen der Finanzindustrie gekocht wird, habe ich mich schon vor längerer Zeit bei zahlreichen Fondsvertrieben und Banken auf den Werbeverteiler gesetzt.
Besonders häufig erhalte ich hierbei (wohl altersbedingt) Werbung für sog. Lebenszyklusfonds.
Bei einem Lebenszyklusfonds handelt es sich um eine Art Dachfonds, welcher Aktien, Renten und Geldmarktfonds dem Alter des Sparers entsprechend gewichtet.
Solange der Anleger jung ist, investiert der Fonds komplett in Aktien und schichtet mit zunehmendem Alter um in Renten und in Geldmarktsfonds. Klingt doch eigentlich ganz kreativ, oder?
In der Tat wuchs die Angebotspalette derartiger Fonds in den letzten Jahren durchaus, obwohl die meisten Banken den Vertrieb derartiger Produkte nicht wirklich forcierten, da sich hier nur die Bestandsprovison kassieren lässt und keine Provisionen durch häufiges Umschichten im Kundendepot verdient werden können.
Doch reicht dies schon, um Lebenszyklusfonds zu einem vernünftigen Investment zu machen?
Vor- und Nachteile von Lebenszyklusfonds
Ein Vorteil von Lebenszyklusfonds ist sicherlich, dass in Richtung Renteneintrittsalter die Aktienquote heruntergefahren wird. Dies trägt zur Schwankungsreduzierung des Portfolios bei und ist an sich eine ganz nette Idee, die einen ganz guten Übergang in den Ruhestand ermöglichen sollte. Auch erscheint mir begrüßenswert, dass die Umschichterei (und damit mögliche Spesenschindung durch Banken) nicht vorgesehen ist.
Doch das alleine macht solche Fondsmodelle in meinen Augen noch nicht zu einem guten Investment. Im Gegenteil, mich überzeugen derartige Fonds nicht wirklich und mir stellen sich zahlreiche Fragen, wie z.B. die folgenden Punkte:
Wer sagt denn, dass es immer gut ist, in den genannten Anlageklassen investiert zu sein? Nehmen wir z.B. die aktuelle Lage: Ich würde momentan keine Anleihen als Investor kaufen wollen, da ich allgemein von einem steigenden Zinslevel und vielerorts steigenden Ausfallrisiken die nächsten Jahre ausgehe. Natürlich kann es hier auch die ein oder andere versteckte Perle geben. Doch angesichts der Tatsache, dass Studien zufolge weit über 60% der Fondsmanager keinen Mehrwert bringen, sondern gar gute Rendite sogar verhindern (Gebühren, Fehlentscheidungen etc.), wie sicher können Sie sich sein, dass gerade Ihr Fondsmanager seine (bei solch einem Fonds sicherlich nicht gerade wirklich günstigen) jährlichen Gebühren wert ist?
Es erscheint es mir also fragwürdig, Assetklassen-Entscheidungen primär am Alter auszurichten. Auch bleibt das Problem der hohen Volatilität von 100%-Aktienfonds. Wenn Sie sich an meine Artikel zum Thema Zinseszins erinnern, so wissen Sie sicherlich noch, dass hohe Verlustausschläge Gift für den Zinseszinseffekt sind. Jedoch diesen möchte man bei einer Ansparung auf Lebenszeit ja gerade nutzen (und somit wären wir hier wieder beim Thema Fondssparplan...).
Insgesamt vermag mich also die Idee bzw. das Konzept von Lebenszyklusfonds nicht sonderlich zu begeistern. Wohl jeder Anleger kann seine Aktienquote 10 Jahre und dann nochmals 5 Jahre vor Renteneintrittsalter auch selbst drosseln. Hierin sehe ich keinen allzu großen Mehrwert.
Ich bleibe somit bei der vorletzten Donnerstag und Freitag vorgestellten Fondssparstrategie, die ich für erfolgsversprechender halte, und werde Ihnen morgen drei m.E. ganz interessante Fonds aus diesem Bereich (d.h. welche Teile solch eines Depots sein könnten) endgültig kurz vorstellen.
Beste Grüße und einen guten Start in die Woche