Lebensversicherer - Alles andere als sicher (Teil 2)
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 17. Februar 2010, 16:00 Uhr
ENL5462
über kurz oder lang werden die Notenbanker auf die Liquiditätsbremse treten und die Leitzinsen erhöhen müssen. Wenn wie zur Zeit in Großbritannien die Inflation stark ansteigt, werden sie gar keine andere Wahl haben, als die Zinssätze stark anzuheben.
Wie Sie erkennen können, wann Zinserhöhungen bei der US-Notenbank FED anstehen, hat Ihnen in der gestrigen Ausgabe mein US-Kollege Louis Basenese erklärt.
Doch was für Auswirkungen werden höhere Zinsen auf die Versicherer haben? Das Szenario einer langanhaltenden Niedrigzinsphase habe ich in diesem Artikel für Sie „durchgespielt“. Das Ergebnis ist m.E. alarmierend...
Sind dann eventuell höhere Zinsen für die Versicherungsunternehmen von Vorteil? Leider auch nicht...
Lesen Sie selbst, warum höhere Zinsen das Aus für zahlreiche Versicherer bedeuten dürften...
Die Last der steigenden Zinsen
1. Steigende Zinsen machen Lebensversicherungen für Anleger unattraktiv
Höhere Zinssätze bedeuten gleichzeitig fallende Anleihenkurse. Wenn diese jedoch fallen, müssen die Versicherer die Anleihen bis zum Laufzeitende halten, um Verluste zu vermeiden.
Zur Zeit befinden sich in den Versicherungsportfolios eher niedrig verzinste Anleihen. Wenn am Geldmarkt die Zinsen jedoch ansteigen, haben die Unternehmen kaum Möglichkeiten daran zu partizipieren. Die Verzinsung der aktuell gehaltenen Papiere der Versicherer ist gering, und diese können aufgrund der Kursverluste nicht vorzeitig verkauft werden. Gleichzeitig können nur nach und nach höher verzinste Papiere nachgekauft werden.
Während kurzlaufende Bundesanleihen in einer „Zinserhöhungsphase“ eine ordentliche Rendite aufweisen dürften, hinken die Versicherer mit ihrer „Altzinslast“ hinterher.
Die Folge: Zahlreiche Anleger werden ihre Versicherung kündigen und ihr Geld lieber in höher verzinste Anlageformen stecken. Der Analyst Manfred Poweleit vom Branchendienst "map-report" hält sogar für möglich, dass dieses Szenario ganze Unternehmen in Schieflage bringen könnte (Focus Nr. 47 vom 16.11.09, S.106).
Ich persönlich denke jedoch, dass dieses mit Sicherheit früher oder später eintretende Szenario nichts im Vergleich zum Problem Nr. 2 ist:
2. Steigende Zinsen bringen die Zahlungsfähigkeit zahlreicher Unternehmen und Staaten in Gefahr
„Bernie“ L. Madhoff bezeichnete sein eigenes "Ponzi Scheme" (eine Art Schneeballsystem) als klein im Hinblick auf das größte Ponzi Scheme der Welt: die Staatsfinanzen der Vereinigten Staaten.
Im Prinzip ist die Verschuldung von Staaten und Unternehmen nichts anderes, als das größte Schneeball-, oder nennen wir es lieber „Umlageverfahren“ aller Zeiten. Bis auf die manch einen "Experten" weiß inzwischen scheinbar jeder rational denkende Bürger, dass die hohen Schuldenberge nie wieder zurückgezahlt werden können (es sei denn, man greift zu drastischen Mitteln, wie etwa eine neue Weltwährung namens z.B. „Weimar“ und macht B52-"Bomber-Ben" oder seine Vorbilder wie Herrn Gono aus Simbabwe zum „Hüter der Währungsstabiltät“).
Die Zinszahlungen der meisten Industriestaaten und zahlreicher Großunternehmen steigen seit Jahrzehnten. Bisher ohne größere nennenswerte Folgen. Doch wie schnell die Solvenz eines ganzen Staates in Frage gestellt werten kann, zeigt das aktuelle Beispiel um Griechenland. Die Griechen zahlen schon jetzt auf ihre 10-jährigen Staatsanleihen einen Aufschlag von über 2.70% gegenüber vergleichbaren Anleihen der BRD (BUND).
Was meinen Sie, was passiert, wenn die Notenbanken die Leitzinsen (z.B. aufgrund stark steigender Inflationserwartungen) nach oben schrauben? Richtig, die Zinslast für alle Schuldner nimmt stark zu. Schon jetzt kämpfen Staaten wie Griechenland, Spanien oder Italien um ihre Kreditratings. Doch wie sollen diese Länder steigende Zinslasten auf ihren Schulden verkraften, wo sie doch heute schon mit den Beinen strampeln, um über Wasser zu bleiben?
Steigende Zinsen werden auch zu zahlreichen Insolvenzen von vielen hoch verschuldeten Großunternehmen führen. Doch gerade Unternehmensanleihen erfreuen sich bei den „Versicherungsprofis“ einer regen Nachfrage. So sagt eder Chef der Allianz Lebensversicherung, Dr. Maximilian Zimmerer, im Focus Interview vom 16.11.09 (Focus Nr. 47 vom 16.11.09, S.108) z.B.:
„Ausweiten wollen wir den Anteil an Firmenanleihen. Ich kann mir 15 bis 20 Prozent [gemessen am Gesamtportfolio, Anm. d. R.] vorstellen, also 20 bis 25 Milliarden.“
Doch was wird ein Herr Zimmerer o.ä. tun, wenn auch nur ein kleiner Teil dieser Anleihen ausfällt? Vertraut man den Ratingagenturen wirklich so sehr, dass man offenbar meint, ein solches Szenario ausschließen zu können? (Es hat natürlich einen guten Grund, dass die meisten Unternehmensanleihen höher verzinst sind, als beispielsweise Staatsanleihen...).
Macht es Sinn, in einer Niedrigzinsphase, in der trotz aller staatlichen Interventionen die Realwirtschaft sich bisher kaum erholt hat, auf Unternehmensanleihen zu setzen? Der griechische Finanzminister würde sicherlich sagen: „Nai“... (auf Deutsch „Ja“)
Zimmerer fügt im späteren Verlauf des Interviews (Auf die Frage „Was kaufen Sie dann?“) noch hinzu:
„Im Zweifel Bundesanleihen oder andere Euro-Staatsanleihen. Da ist man auf der sicheren Seite.“
Selbstverständlich. Staatsanleihen sind absolut sicher. Wie könnte es auch anders sein?
Vor allem die von Griechenland bei einem Staatsdefizit von 12,7%, welches bei richtiger Kalkulation wahrscheinlich bei über 20% liegen dürfte. Und andere Euro-Staatsanleihen? Da bieten sich Irland, Spanien Portugal und Italien sicher ganz besonders an.
Und selbstverständlich ist auch die Zahlungsfähigkeit der USA, Großbritanniens, Japans, Italiens, Spaniens und Deutschlands auf absehbare Zeit sicher nicht gefährdet. Nichts als Verschwörungstheorien... Das nächste "Wirtschaftswunder" wird uns schon „rausreiten“. Denn es kann ja bekanntlich nicht sein, was nicht sein darf, richtig?
Wen man den Kopf in den Sand steckt wie manch "sachkundige Experten" es offenbar bei den Versicherungen tun , dann sieht man wenigsten den Zug nicht, welcher mit 300km/h auf einen zufährt. „Schuldenkrise kann Versicherer Millionen kosten?“ So ein Quatsch... Im Notfall "bailt" "Angie" die Branche wie im Oktober 2008 ja auf Kosten der Massen sicher schon wieder raus (ob die Sorglosigkeit daher kommt?)
Und Harald Benzig, Vorstand der Versicherungskammer Bayern, macht sogar allen "verunsicherten" versicherten Kunden Mut:
„Man kann als Unternehmensführung nicht immer nur das schlimmste Szenario annehmen. Da müssten Sie das Geld unter das Kopfkissen legen.“ (Focus Nr. 47 vom 16.11.09, S.107)
Genau. Szenarien, die nicht in den Plan passen, am besten verwerfen. Sehr gut.
Wenn Sie (wie ich) einen großen Bogen um Lebensversicherer machen, dann achten Sie bitte darauf, dass Sie, wenn Sie es tatsächlich mit dem Kopfkissen halten möchten (halte ich für etwas extrem im Moment, aber einen Basisvorrat an physischem Gold und Silber sollte m.E. ja jeder Anleger haben), richtiges Geld als nächtliche Nackenstützte nutzen und keine bedruckten Euro-Scheinchen ohne jeglichen inneren Wert, außer dem Vertrauen in die abgedroschene Phrase „dass es schon nicht so schlimm kommen wird.“
Beste Grüße
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Bernd Fischer (18.02. 2010 09:43 Uhr):
hallo, herr hahn, "fiskalisch-mathemaisch haben sie evtl. recht, aber bedenken sie, dass eine lv im grunde kein instrument der geldanlage, sondern eben der versicherung insb.für angehörige im pers. ernstfall ist. in diesem ist die "rendite" dann so hoch, wie sie das mit einer anlage wohl nicht erreichen werden. ich habe nach wie vor eine lv, fühle mich wohl dabei und würde den teufel tun, diese in eine andere anlege einzutauschen. dies sollten auch andere bedenken. gruss bernd fischer
Antworten - Kommentar von Alexander Hahn (18.02. 2010 13:13 Uhr):
Hallo Herr Fischer, eine LV kann nur so gut sein wie die Solvenz des Versicherers. Geht dieser den Bach runter, nützt die LV auch nichts. Es steht natürlich jedem frei, hier eigene Entscheidungen zu treffen, aber die Versicherungswirtschaft wird die nächsten Jahre sicher noch vor Probleme gestellt werden, die manch einen treuen Versicherungsnehmer ziemlich alt aussehen lassen werden, weil es einige Versicherer dann zerlegt. Ob man angesichts solcher Dinge trotzdem einbezahlen möchte oder nicht, steht natürlich jedem selbst frei. Und die persönliche Situation spielt hierbei natürlich auch mit, wie Sie ja auch völlig korrekt schreiben. Ich bleibe aber gegenüber solchen Dingen nach wie vor sehr kritisch für meinen Teil... Beste Grüße Alexander Hahn
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