Laufzeitverlängerung
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 15. Juni 2011, 08:30 Uhr
ENL5454
im Ringen um weitere Milliardenhilfen für Griechenland wird nach Einschätzung von EU-Währungskommissar Olli Rehn eine Beteiligung privater Gläubiger „auf freiwilliger Basis" (Sie hören mich im Hintergrund lachen) wahrscheinlicher. Nach Angaben des Währungskommissars bereitet die EU eine Vereinbarung nach dem Vorbild der Wiener Initiative vor, wonach Banken ihre griechischen Anleihen länger behalten sollen. Dies brächte Griechenland einen Zahlungsaufschub, bis der Haushalt wieder besser dasteht.
Damit werden voraussichtlich nun auch jene Banken, Versicherungen und Pensionsfonds an den Kosten einer „Griechenlandrettung" beteiligt, die im Vorfeld auch den Nutzen der überdurchschnittlich hohen Renditen dieser riskanten Anleihen hatten. Und die EU kommt langsam ein wenig davon weg, den Babysitter für Großanleger zu spielen, die nicht in der Lage waren, ihre eingegangenen Risiken adäquat zu managen. Risiko heißt eben in manchen Fällen „Verlust" und nicht „Garantiegewinn". Die bisher immer wieder aufgelegten Rettungspakete auf Steuerzahlerkosten - bezahlt mit Ihren Steuern - erinnerten bereits zu sehr an einen Sozialismus nur für Banken. Damit ist jetzt auch nicht Schluss, aber es wird zukünftig nicht mehr ganz so dreist in Ihre Taschen gegriffen. Zumindest vorerst nicht mehr. Bei weiteren Pleitewellen kann das auch wieder anders aussehen.
Bundesbankpräsident Jens Weidmann zweifelt unterdessen erneut am Sinn einer Beteiligung privater Gläubiger an den Kosten der Griechenlandkrise. Es stelle sich angesichts der Risiken die Frage nach dem Sinn einer Beteiligung privater Gläubiger. "Denn weil schon umfangreiche staatliche Hilfen geleistet wurden, sind die Bestände an griechischen Staatsanleihen im privaten Besitz - mit Ausnahme griechischer Banken - längst nicht mehr so hoch wie oft vermutet." Daher wäre die faktische Kostenbeteiligung des privaten Sektors wohl überschaubar.
Der Devisenmarkt scheint die Idee aber ganz toll zu finden - seit Wochen steigt der Euro nämlich. Und auch der Aktienmarkt gab gestern erstmals wieder ein Lebenszeichen von sich - jetzt, wo sich ein Aufschub der griechischen Staatspleite abzeichnet. Ob das schon für eine kleine Sommerrally reicht?
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Christian Förster (15.06. 2011 10:10 Uhr):
Sehr geehrter Herr Voigt, hier verwechseln Sie wohl etwas: Nicht der Euro steigt, sondern der US$ fällt! Sehen Sie sich das Verhältnis zu den übrigen Währungen an, vom CHF ganz zu schweigen.
Antworten - Kommentar von Werner Bläser (15.06. 2011 10:17 Uhr):
Sozialismus nur für Banken trifft es ziemlich genau. Bald können sich die Chefs "Generalsekretäre" statt "CEOs" nennen. (Wenn übrigens Weidmann recht hat und die Bestände an Griechenmüll in den Banken schon sehr ausgedünnt sind, dann entfiele doch ein quid pro quo der ganzen Rettungsfarce. Und ein Belastungsfaktor für die Märkte.) Freundschaft, Genossen!
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