Lauffeuer, globales Bevölkerungswachstum und Lebensmittelversorgung
Matthew Weinschenk (US Korrespondent) in Investoren Wissen
vom 17. August 2010, 16:00 Uhr
ENL5462
Russische Lauffeuer, globales Bevölkerungswachstum und Lebensmittelversorgung
„Und ein großes Feuer frisst das Land auf. Die Ernte ist hinüber. Viele Morgen werden noch folgen und Hunger wird sich verbreiten.“
Das ist keine „2012 - das Ende der Welt“ Prophezeiung. Das ist die momentane Situation in Russland. Das Land sieht sich einer Krise biblischen Ausmaßes gegenüber.
Als Folge der hohen Temperaturen und der Dürre wüten gerade Lauffeuer über einer Fläche von 1000 Quadratmeilen. Mindestens 50 Menschen sind gestorben.
Das Unglück ereignet sich zu einer denkbar schlechten Zeit. Kanada hat aufgrund von Überflutungen schätzungsweise schon Ernteausfälle in Höhe von $3 Milliarden zu verbuchen, während Australien eine Heuschreckenplage erwartet.
Und für Russlands Landwirtschaftssektor bedeuten die Feuer Ernteausfälle bei Weizen in Höhe von 80% der gesamten Jahresproduktion. Um die Lebensmittelversorgung des Landes zu sichern, hat Premierminister Putin deshalb bis zum Ende des Jahres alle russischen Getreideexporte verboten. Und das führt zu einem ernsthaften globalen Problem, da Russland der drittgrößte Weizenexporteur ist.
Die Weizenpreise sind seit Juni um 55% auf ein 22-Monatshoch gestiegen,. Das ist der größte Anstieg in 37 Jahren. Die Preise für Mais und Sojabohnen sind in Folge dessen ebenfalls um 16% und 14% gestiegen.
Dieses Unglück ist nur der Bestandteil eines größeren Trends: eine globale Krise, in der es uns nicht möglich ist, die wachsende Bevölkerung mit genügend Essen zu versorgen.
Das riesige Problem wird gravierende Folgen auf die globale Wirtschaft und die Investmentwelt haben. Lassen Sie mich erklären, was ich meine und wie Sie sich selbst entsprechend positionieren können.
Die globale Bevölkerungsexplosion und die malthusianische Falle
Während der ersten 200.000 Jahre der menschlichen Existenz blieb die Höhe globale Bevölkerung relativ konstant, genauso wie der Lebensstandard.
Dieser Fakt bezieht sich auf eine wirtschaftliche Theorie namens die malthusianische Falle (auch "Bevölkerungsfalle" genannt, Anm. d. Ü.), welche Gregory Clark in dem Buch „A Farewell to Alms“ beschreibt.
Die Bevölkerungsfalle
Immer wenn der Mensch einen technologische Durchbruch, wie z.B. die Erfindung des Rads, Feuer, landwirtschaftliche Innovationen usw. hatte, folgte diesem ein Dominoeffekt im Sinne von mehr verfügbaren Ressourcen. Das wiederum führte zu mehr Kindern was bedeutete, dass diese Ressourcen unter der großen Anzahl an Leuten aufgeteilt werden mussten. Das hielt unsere Lebensstandard auf Existenzniveau.
Der Mensch überwand diese Falle schließlich mit der industriellen Revolution, welche größere Effizienz und eine höhere Herstellungsgeschwindigkeit mit sich brachte. Die Technologie schritt so schnell voran, dass das Bevölkerungswachstum gar nicht mithalten konnte.

Aber mit der industriellen Revolution stiegen die Zahlen ab 1600 mit einer größeren Geschwindigkeit. Zum Beispiel...
- dauerte es 123 Jahre bis sich die Menschheit von einer auf zwei Milliarden verdoppelte (dies wurde 1930 erreicht).
- dauerte es nur 12 Jahre für den Bevölkerungsanstieg von fünf auf sechs Milliarden Menschen (1999)
- wird erwartet, dass bis 2050 die globale Bevölkerung bis auf neun Milliarden Menschen wächst.
Der folgende Chart illustriert die globale Bevölkerungsexplosion...

Das Bevölkerungswachstum hat zur Folge, dass wir in den nächsten 50 Jahren mehr Essen als in den gesamten vorangegangenen 10.000 Jahren produzieren müssen.
Dies wäre leicht möglich, wenn wir auch tatsächlich mehr Essen produzieren könnten. Aber es gibt da ein Problem...
Lösen Landbegrenzungen eine globale Lebensmittelknappheit aus?
Heute hat uns die moderne Wissenschaft soweit gebracht, wie sie nur konnte. Zum Beispiel könnte ein Maisfeld, welches jedes Photon der Sonne einfängt und es in Energie verwandelt, rein theoretisch 23.200 Pfund Mais pro Morgen produzieren.
Der Gewinner des National Corn Yield Contest des Jahres 2009 hat seine Maisernte schon auf 19.376 Pfund pro Morgen gepusht. Wie Sie sehen können, gibt es nicht viel Platz für Verbesserungen.
Suchen Sie auch nicht nach neuem Land, welches noch nie bepflanzt wurde. Ca. 81,98% der gesamten Erdfläche eignen sich nicht für den Anbau von Lebensmitteln, während 4,71% tatsächlich schon Ernte einbringen.
Tatsächlich gelten nur 13,31% als anbaufähig. Aber selbst diese Zahl ist optimistisch, da 40% aufgrund von als Überdüngung, Erosion und dem Klimawandel kaum mehr nutzbar sind.
Wie sieht folglich die Lösung für das Problem aus?
(Teil 2 folgt morgen bei Investoren Wissen)
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