Lassen Sie sich Träume bezahlen!
Von Georg Pröbstl in Investoren Wissen
vom 19. Januar 2006 16:00 Uhr
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9,5 % Gewinn im Seitwärtsmarkt – ohne zusätzlichen Kapitaleinsatz! Klingt phantastisch! Wie ich Ihnen aber in der letzten Ausgabe der Investoren Akademie gezeigt habe, ist das durchaus möglich. Heute möchte ich die kleine Serie über Stillhalterstrategien mit einer weiteren attraktiven Strategie beenden.
4) Die Abstauber Strategie
Bei dieser Strategie bekommen Sie Geld wahrscheinlich für Nichts, oder vielmehr dafür, dass Sie an jemanden einen Traum verkaufen. Nämlich den Traum, dass eine Aktie stark steigt.
Sehen wir uns wieder die BASF Aktie und die jeweiligen Call Optionen an.
BASF notiert aktuell bei 62,50 €.
Wie können Sie nun die Optionsprämie abstauben? Ganz einfach: Angenommen, Sie haben BASF Aktien im Depot. Die Firma ist gut. Sie trauen der Aktie auch ein Kursplus zu.
Sie sind Realist und rechnen mit maximal 20 % Gewinn bis Ende 2007, also einem Anstieg auf 75 €. Mehr aber auch nicht. Was darüber geht, wäre ja auch schon ziemlich verwegen. Denn 20 % Kursanstieg in knapp 2 Jahren ist nicht schlecht. Dazu kommen dann noch einmal 2 Dividendenzahlungen: Für 2005 und 2006, zusammen etwa 4 €.
Abstauben können Sie jetzt ganz einfach: Verkaufen Sie doch einen Call mit einer hohen Basis, beispielsweise 82 € und einer langen Laufzeit, zum Beispiel Dezember 2007.
Berücksichtigt man die Dividendenzahlungen, müsste BASF in knapp 2 Jahren schon fast 40 % steigen, damit die Option am Ende der Laufzeit noch etwas wert ist und nicht verfällt. Ich halte das vom jetzigen Kursniveau aus gesehen für ziemlich unrealistisch. Und Sie?
Die möglichen Dividendenzahlungen sind übrigens beim Kurs der Option schon berücksichtigt, also eingepreist.
Für den genannten Call bekommen Sie aktuell 1,90 € ausgezahlt.
Folgende Szenarien sind denkbar:
1) BASF steigt wie von Ihnen geschätzt bis Ende 2007 auf 75 €. Sie machen ein Kursplus von 20 %, bekommen etwa 4 € Dividende und kassieren obendrein 1,90 € Optionsprämie. Insgesamt machen Sie 31 % Profit. Durch den Verkauf des Call mit einer sehr hohen Basis, machen Sie 3 % mehr Gewinn, als mit der Aktie allein.
Sie denken jetzt vielleicht: 3 % in 2 Jahren oder 1,5 % pro Jahr extra Rendite – ach was soll's? Denken Sie an den Zinseszinseffekt! In 20 Jahren steigt Ihr Vermögen nämlich bei einer zusätzlichen Rendite von 1,5 % im Jahr zusätzlich um etwa 30 %! Und das ist doch richtig Geld!
2) BASF notiert entgegen Ihrer Erwartung nach wie vor bei 62,50 €. In dem Fall haben Sie wenigstens noch die Optionsprämie, also rund 1,5 % im Jahr verdient.
3) BASF steigt über 82 €. Sie müssen die Aktie zu 82 € liefern. Aber was soll's! Mit 82 € haben Sie ja sowieso nie gerechnet. Sie freuen sich und haben sogar noch 1,90 € Optionsprämie kassiert.
4) BASF fällt unter 62,50 €. Mit der Optionsprämie haben Sie wenigstens noch einen Sicherheitspuffer von rund 3 %.
Ich habe Ihnen jetzt in den letzten Ausgaben 4 Strategien für Stillhalter mit Call Optionen vorgestellt. Sie können je nach eigener Einschätzung natürlich ganz flexibel agieren und sich so quasi Ihre eigenen Discountzertifikate zusammenbasteln. Aber ohne extra Kapitaleinsatz! An der EUREX werden übrigens Optionen auf 42 Firmen gehandelt. An den US-Börsen wie der Nasdaq gibt es hunderte, wenn nicht tausende Möglichkeiten.
Tipp:
1) Vor allem bei US-Techaktien können Sie oft deutlich mehr abstauben, als bei deutschen Standardwerten. Beispiel Juniper Networks. Bei einem Aktienkurs von 22,31 $ bringt ein Call Basis 30 $ und Laufzeit Januar 2008 eine Prämie von 2,05 $. Das sind knapp 10 % extra Geld, falls Juniper in 2 Jahren weniger als 34 % steigt.
Wer der Aktie so viel zutraut, kann auch einen 35 $ Call verkaufen. Der bringt immerhin noch 1,15 $ bzw. 5,2 % extra Geld. Oder einen 40 $ Call für 0,55 $ ...
2) Kein Wunder, dass rund 80 % der Optionen wertlos verfallen!
3) Nicht vergessen: Aus Sicherheitsgründen nur gedeckte Call Optionen verkaufen!