Lassen Sie die Finger von Zahlen-Zockerei! - Teil 2
Georg Pröbstl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 08. Dezember 2006 17:00 Uhr
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Jetzt aber gemächlichere Töne. Vielleicht sieht Notenbanker Trichet die Konjunktur und das soziale Wohlbefinden durch zu hohe Zinsen gefährdet. Vielleicht hat der Banker den Armenbericht in Deutschland gelesen. Laut Statistischem Bundesamt sind in Deutschland 13 Prozent der Bürger von Armut bedroht. Das sind alle Menschen, die im Monat mit weniger als 856 Euro leben müssen. Vor allem Rentner werden schwer gebeutelt. Erst Nullrunden, dann voller Beitrag zur Krankversicherung für Betriebsrentner, dann voller Pflegeversicherungsbeitrag und zuletzt als Krönung noch die durch das Bundesverfassungsgericht legalisierte Besteuerung der gesetzlich Rentenversicherten. Kein Wunder, dass den Rentnern das Geld ausgeht. Jeder siebte Ruheständler zählt schon zu den „Armen“.
Aber auch die Schaffenden haben wenig zu lachen. Die Löhne kommen seit Jahren kaum vom Fleck. Wie das Statistische Bundesamt meldet, stiegen die Kosten pro Arbeitsstunde in Deutschland von Anfang 2000 bis zum zweiten Quartal 2006 um 9,8 Prozent. Im EU-Durchschnitt waren es 22,3 Prozent.
Und während die deutsche Mittelschicht ins Armenhaus abrutscht, vergnügt sich ein deutscher EU-Industrie-Kommissar Günter Verheugen mit seiner Kabinettschefin im Baltikum im „Bade-Urlaub“. Und eine Kanzlerin Merkel geriert sich weltmännisch und drängt sich dann sogar noch unserer Fußball-Nationalelf auf, etwa am Mittwoch im Fernsehen in „Deutschland. Ein Sommermärchen“. Wie peinlich!
Gegen Politik von EZB und Co. können Sie wenig machen. Man weiß noch nicht einmal, wie der Markt auf gute oder schlechte Zahlen reagieren wird. Bei Ihrer Geldanlagestrategie haben aber Sie das Sagen. Sie sollten auf jeden Fall nicht auf gute oder schlechte Zahlen zocken. So wie heute Nachmittag bei den US-Arbeitsmarktzahlen geht der Schuss nämlich oft daneben. Legen Sie sich lieber eine Strategie zurecht, die Sie mittel- oder noch besser langfristig durchziehen. Nehmen Sie sich dabei die fundamentalen Kennzahlen eines Unternehmens vor. Zum Beispiel das gute alte Kurs-Gewinn-Verhältnis KGV, die Dividendenrendite oder das Kurs-Buchwert-Verhältnis KBV einer Aktie. Dann kann es Ihnen völlig wurst sein, ob der DAX heute Kapriolen schlägt.
Ihr
Georg Pröbstl