Las Vegas, Diskussionen und die Freiheit
Investors Daily
vom 18. Mai 2004 18:00 Uhr
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*** Es wäre leicht, Las Vegas zu kritisieren. Das wäre ziemlich leicht. Deshalb tue ich das jetzt auch.
Ich habe gehört, dass die Selbstmordrate in Las Vegas ungewöhnlich hoch ist.
Der Lärm, der Tumult und die niemals endende billige und geschmacklose Vulgarität von Las Vegas müssen für empfindliche Gemüter zu viel sein. Selbst ein Leben der Sünde ist da kein Hindernis mehr für einen Selbstmord; denn es muss sogar in der Hölle einige Flecken geben, die anziehender sind.
Die Stadt scheint in zwei Gruppen von Menschen geteilt zu sein. Es gibt die übergewichtigen Leute von außerhalb. Und es gibt die schönen weiblichen und männlichen Dirnen, die in den Bars, Hotels und Kasinos der Stadt arbeiten. Die Touristen sehen so gut und die Prostituierten so schlecht – da wundert es, dass nicht mehr von den Ersteren tot umfallen, wenn sie zusammentreffen.
Es ist fast überraschend, zu sehen, dass in Las Vegas überhaupt noch jemand lebt.
*** Das Wort "Freedom" – Freiheit – ist in der amerikanischen öffentlichen Diskussion so populär geworden, dass ich direkt skeptisch geworden bin.
Ich war ja letzte Woche Teilnehmer auf der "FreedomFest"-Konferenz in Las Vegas. In den Vorträgen entwickelte sich eine Art Zweikampf zwischen Dinesh D'Souza, der die neokonservativen Ansichten über eine Verbreitung von Freiheit weltweit vertrat, und Harry Browne, einem Liberalen.
"Freiheit ist nicht nur ein amerikanischer Wert", begann D'Souza. "Sie ist ein universeller Wert."
"Wir haben Japan und Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg die Freiheit gebracht. Wir wissen nicht, ob wir im Irak oder sonst wo erfolgreich sein werden, aber zumindest versuchen wir es", erklärte er.
Dann betrat Harry Browne das Podium. Er vertrat die Ansicht, dass die Freiheit so wichtig sei, dass wir sie nicht nur predigen, sondern praktizieren sollten.
"Wenn Sie in den Irak gehen wollen, um dort zu kämpfen, dann sollten Sie frei sein, das zu tun", bot er seinem Kontrahenten an. "Aber lassen Sie uns doch zuerst Amerika befreien; lassen Sie uns nicht andere dazu zwingen, für Ihre dummen Kriege zu bezahlen."
Beide Männer schienen direkt von Beginn an keine Gemeinsamkeiten zu finden. Jeder hatte seine eigene Idee davon, was Freiheit bedeutet ... und jeder vertrat den Begriff so, als ob er den höchsten Wert überhaupt darstellen würde.
Aber die Leute allgemein – Amerikaner einbegriffen – kümmern sich nicht sehr stark um Freiheit. Ein Lautsprecher auf dem Flughafen Houston teilte uns mehrmals mit, dass "unangemessene Bemerkungen" strafrechtlich verfolgt würden.
Beim Einchecken stellte ich mich wie jeder an, und ich zog meine Schuhe wie angeordnet aus. Uns wurde mitgeteilt, dass dies zu unserer eigenen Sicherheit sei, aber ich wusste, dass das eine Lüge war; ich wusste nämlich ganz genau, dass meine Schuhe nicht explodieren würden.
Ich erinnere mich daran, dass mein französischer Freund einmal gesagt hat: "Sklaverei war die Regel, nicht die Freiheit. Das wurde von den Griechen und Römern als Fakt akzeptiert."
Die Iraker haben sich Saddam Hussein ungefähr genauso unterworfen, wie sie sich jetzt der US-Armee unterwerfen. Im ersten Fall könnte man sagen, dass sie sich der Sklaverei von Saddam unterworfen haben. Im zweiten Fall könnte man sagen, dass sie jetzt Sklaven des Freiheitskonzepts der Bush-Administration sind.
*** "Ich weiß, dass die Welt sich um jeden von uns dreht", erklärt Lucian Boia in seinem neuen Buch. "Jedes Individuum und jede Gemeinschaft sieht das Zentrum des Universums genau da, wo sie sich selbst befinden."
Jede dominierende Zivilisation meint, dass sie der Mittelpunkt von allem sei ... und dass ihre Werte universal seien. Griechenland, Rom, Frankreich, Großbritannien, China (das sich selbst das "Reich der Mitte" nennt) – alle dachten, dass ihre Zivilisation den anderen überlegen war. Ihr Essen war besser ... ihr Klima ... ihre Einstellung, ihre Bewohner, ihre Gesetze ... alles war nicht nur relativ überlegen, sondern absolut das Beste, was es sein konnte – das Beste, was es jemals sein könnte.
*** "Im Namen der Freiheit sind mehr Verbrechen begangen worden, als die Tyrannei jemals produziert hat", sagte ein französischer Aristokrat über die Französische Revolution. Wir hier vom Investor's Daily wissen, dass wir es nicht mögen, wenn uns jemand vorschreiben will, was wir tun sollen. Und wir revanchieren uns gerne, indem wir niemandem etwas vorschreiben wollen.
Im Irakkrieg sind schon Tausende getötet worden, die meisten unschuldige Soldaten und Zivilisten, die einfach zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Aber D'Souza macht sich keine Sorgen über das Blut, das an seinen Händen klebt; er scheint es kaum zu bemerken. "Ist die Sache der Freiheit das nicht wert?" scheint er zu fragen.
Ich weiß es nicht. Aber wenn ich jemandem das Gehirn wegpusten sollte, dann würde ich schon bessere Gründe dafür haben wollen.