Langfristiges Investieren: Ein paar Grundgedanken
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 20. Mai 2010, 16:00 Uhr
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bisher haben Sie hier bei Investoren Wissen bereits sehr viel zum Thema "Trading" gelesen.
Heute (bzw. in den kommenden Wochen und Monaten in dieser Serie) geht es aber explizit um die langfristige Kapitalanlage.
Bevor wir uns hier die einzelnen Strategien, Tipps, Tricks und Vorgehensweisen ansehen, möchte ich heute einmal ein paar grundsätzliche Überlegungen anstellen, welche für das langfristige Investieren wichtig sind.
Worauf kommt es uns als langfristige Investoren an?
Wie Sie alle wissen, gibt es wohl kaum einen Trader, der ohne Charttechnik arbeitet. Dies hat den ganz einfachen Grund, dass Aktienkurse kurzfristig nur selten den Fundamentaldaten exakt folgen, sondern viel mehr von massenpsychologischen Entwicklungen, Chartmarken, Ordervolumen, die in den Markt kommen, und vielem mehr abhängen.
Anders jedoch sieht die Situation bei der langfristigen Kapitalanlage aus.
Hier zählt nicht, ob etwa der RSI gerade überkauft ist oder ob der MACD ein Verkaufsignal gibt. Dem langfristigen Investor geht es um die fundamentale Seite seiner Anlagen, denn langfristig folgen z.B. Aktien letztlich immer ihrer fundamentalen Situation. Wenn wir also langfristig investieren möchten, bewegen wir uns auf einem komplett neuen Spielfeld, großteils weg von der Charttechnik, hin zur fundamentalen Analyse.
Diese kann sehr viele Ausprägungen haben und auf verschiedenen Ebenen stattfinden. Wir können uns ansehen, was auf Ebene der Weltwirtschaft geschieht, dann auf Länderebene, auf Branchenebene, dann auf Ebene einzelner Firmen (sog. "Top-Down"-Ansatz). Oder wir betrachten direkt Firmen und kommen vom kleinen Umfeld auf das große ("Bottom-Up"-Ansatz).
Wie wir es auch drehen, bei der langfristigen Anlage geht es um Fundamentaldaten.
Ein langfristiger Investor wird also nicht über seinen Charts sitzen, Linien und Kanäle malen oder Indikatoren verfolgen, sondern er wird sicherstellen, dass er die fundamentale Lage seines Investments zu 100% versteht und dass ihm klar ist, welche Faktoren auf sein Investment Auswirkungen haben werden. Seine Positionen hält ein langfristiger Investor so lange, bis die Fundamentaldaten sich negativ eintrüben oder der Ausblick für sein Investment nicht mehr positiv ist.
Undurchsichtige Investments, die er nicht zu 100% versteht, kauft ein Investor nicht.
Langfristiges Investieren und die Inflation
Besonders wichtig ist für den langfristigen Investor natürlich, dass er trotz "Sitzenlassens" seines Kapitals in einem Investment letztlich mit einem Investment mindestens die Inflation geschlagen hat, so dass er am Ende tatsächlich auch etwas verdient hat.
Schafft er dies nicht, hat er über die Zeit, die er sein Investment hält, nicht nur Kaufkraft verloren, sondern auch aufgrund der langen Haltezeit viel wertvolle Zeit, in der er anderweitig hätte mit seinem Geld arbeiten können.
Die genaue Analyse eines Investments, bevor man zugreift, gewinnt also somit nochmals zusätzlich an großer Bedeutung. Und genau deshalb werden wir uns in dieser Serie die nächsten Wochen und Monate auch damit ausführlich befassen.
Braucht man für die fundamentale Analyse heutzutage aber nicht ein ganzes Analystenteam?
Natürlich hat es seinen Grund, dass es ganze Researchfirmen gibt, welche den ganzen Tag nichts anderes tun, als fundamentale Analysen durchzuführen, denn eine ausgiebige fundamentale Analyse bedeutet einiges an Arbeit.
So wie aber auch im Tradingbereich einzelne Anleger mittels Computertechnik durchaus größere Mengen an Aktien verfolgen und filtern können, gibt es auch im fundamentalen Bereich attraktive Möglichkeiten für Einzelanleger.
Wie sollte man also in das Thema einsteigen?
Zunächst ist ein grundsätzliches Verständnis von Wirtschaft und wirtschaftlichen Zusammenhängen nötig
Spätestens hier steigen die meisten Anleger oft entnervt aus, ruft doch über Tradingplattformen und "heißen Hebelprodukten" viel schneller das "große Geld". Ohne etwas Theorie geht es aber nicht, wenn Sie langfristig investieren und Ihre Investments verstehen wollen.
Dies muss jedoch nicht trocken, sondern kann durchaus spannend und faszinierend sein.
Aus diesem Grund werden wir uns ab der nächsten Woche donnerstags einmal mit grundsätzlichen Fragen zum Thema Wirtschaft und wirtschaftlichen Zusammenhängen befassen.
Beste Grüße
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Josef Leitner (21.05. 2010 10:05 Uhr):
Was vielfach speziell bei einer längerfristigen Investition nich ausreichend bedacht wird, ist der Umstand, dass ein Investment in eine Aktie eine Investition in einen Sachwert (Firmenanteil, -substanz) mit vergleichbarer Sicherheit zu einer Immobilie darstellt! Unabhängig von der Entwicklung des Geldes (Inflation, Deflation) wird der Anteil (soferne das Unternehmen nicht im Zuge der Krise untergeht) der Beteiligung immer einen entsprechenden Geldwert darstellen.
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