Langfristiges Anlegen: Wirtschaftliche Erklärungsansätze
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 28. Mai 2010, 16:00 Uhr
ENL5462
im letzten Artikel der Serie "langfristiges Investieren", hatten wir ein paar Grundüberlegungen angestellt, wie sich langfristiges Investieren von der kurzfristigen Geldanlage wie z.B. Trading unterscheidet. Der Artikel endete damit, dass ich ankündigte, dass wir uns in den nächsten Wochen einmal ein paar Gedanken zum Thema wirtschaftliche Zusammenhänge bzw. zum Thema Wirtschaft machen würden.
Bevor wir hierzu kommen, möchte ich ein paar Worte zum heutzutage wohl größten Problem bei der langfristigen Anlage verlieren, nämlich die Frage
Was kann man trotz Krise sich heutzutage überhaupt noch langfristig ins Depot legen?
In den letzten Wochen haben sich sehr viele von Ihnen bei mir gemeldet und haben mir Vorschläge, Wünsche und Feedback zum Thema langfristige Kapitalanlage mitgeteilt. Meist liefen Ihre Nachrichten auf die Frage hinaus: "Herr Hahn, was kann ich heute eigentlich noch kaufen?"
Ich möchte für unsere Betrachtungen hier diese Frage etwas erweitern. Statt "Was kann ich überhaupt noch kaufen?" möchte ich mit Ihnen in den nächsten Wochen zwei Dinge betrachten:
- Was kann ich kaufen?
- Welche alternativen Strategien als einfach nur Kauf/Verkauf kann ich nutzen, um bei Unsicherheiten trotzdem zu investieren?
Für beide Punkte ist jedoch ein grundlegendes Verständnis von Wirtschaft bzw. wirtschaftlichen Zusammenhängen wichtig.
Die nachfolgenden Ausführungen mögen vielleicht ein wenig theoretisch wirken, aber ich möchte Ihnen die nächsten Wochen nicht einfach nur irgendwelche Kauftipps geben, sondern viel mehr die ein oder andere Hilfestellung geben, wie Sie zunehmend selbst die Lage analysieren können und so selbst entsprechende Investmentideen entwickeln können. Es geht mir viel mehr um ein wenig "Investoren-Grundausbildung".
Verschiedene Denkschulen und Ansätze, das wirtschaftliche Geschehen zu erklären
Wie Ihnen wahrscheinlich aus vergangenen Artikeln von Investoren Wissen bekannt sein dürfte, gibt es verschiedene wirtschaftliche Denkschulen bzw. Ansätze, das wirtschaftliche Geschehen zu erklären.
Ich folge in meiner Betrachtung zu einem großen Teil der sog. "österreichischen Schule", was nicht der heutigen "Mainstream-Ökonomie" entspricht, da mich diese in vielen Punkten nicht sonderlich überzeugt (Hierbei handelt es sich jedoch nicht um irgendeine "Geheimwissenschaft": Anhängern der österreichischen Schule gelang es z.B., im Gegenteil zur breiten Masse der Mainstream-Ökonomen und ihren Modellen, mit relativ einfachen Mitteln z.B. die letzte Finanzkrise bereits Jahre vor dem Knall der Immobilienblase akkurat zu prognostizieren. Auch sind die sog. "Austrian economics" in den USA relativ weit verbreitet. Ein bekannter akademischer Think Tank in dieser Richtung ist z.B. das Mises-Institute).
Ein Grundgedanke in diesem Ansatz ist es, stets das gesamte wirtschaftliche Bild und sowohl die kurzfristigen wie auch die langfristigen Folgen wirtschaftlicher Handlungen zu bedenken.
Das mag trivial bzw. eigentlich selbstverständlich klingen, doch werden in vielen Prognosen seitens der heutigen Mainstream-Ökonomen nur zu gerne die folgenden zwei Trugschlüsse geführt:
- Es wird nicht die gesamte Situation betrachtet, sondern nur die Folgen einer wirtschaftlichen Handlung auf eine Teilgruppe
- Es werden nur die kurzfristigen und nicht die langfristigen Folgen einer wirtschaftlichen Handlung gesehen (oder manchmal auch andersherum)
Wenn man also manch einem heutigen Experten aus dem "Mainstream" einen Spiegel vorhalten möchte, so gilt es, die Punkte, die nicht erwähnt werden, zu ergänzen und so aufzuzeigen, dass die jeweils geäußerte "Expertenmeinung" entsprechend unsinnig bzw. lückenhaft ist (Achten Sie einmal darauf, in wie vielen Fällen dieser Fehler gemacht wird. Sie werden höchstwahrscheinlich ziemlich überrascht sein)
Doch was hat das mit langfristiger Kapitalanlage zu tun?
Nun, ich denke, dass ich Ihnen einige wichtige wirtschaftliche Grundprinzipien am besten anhand der heutzutage populärsten Trugschlüsse vieler Mainstream-Ökonomen veranschaulichen kann.
Aus diesem Grund werden wir uns nächsten Donnerstag einmal ein paar "wirtschaftliche Selbstverständlichkeiten" aus einem etwas anderen Blickwinkel ansehen.
Hierzu gehört z.B. warum staatliche Projekte und Aufträge, eine Art "heiliges Krisenrezept" vieler "moderner" Ökonomen, nur in wenigen Ausnahmen überhaupt einen Nutzen haben können.
Beste Grüße und ein angenehmes Wochenende,
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