Langfristige Geldanlage mit Indizes
Tom Firley, Investors Daily vom 20.10.2008 18:00
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Liebe Leser, „In was soll ich anlegen? Klar verständlich, gute Rendite bringend und sicher soll es sein" - das sind die einfachen Forderungen für eine Geldanlage mit Aktien, nach denen ich immer wieder gefragt werde.
Alleine die Fragestellung deutet aber darauf hin, dass der Fragende nicht unbedingt viel Erfahrung mit der Börse hat. Dies ist ja nicht unbedingt ein Makel, aber Sie können sich vorstellen, dass es doch manchmal eine gehörige Portion Geduld bedarf, um seinem Gegenüber zu erklären, dass eine Geldanlage an der Börse immer mit Risiken behaftet ist.
Unser aller Lehrmeister: Erfahrung
Dem Börsenanfänger erkläre ich dann, dass aktuell zwar eine grausame, gefährliche aber auch spannende Börsenphase angebrochen ist. Eine Börsenphase, in der man schon eine gewisse Portion Erfahrung mitbringen sollte, um zu überstehen bzw. keine Löcher in die Ersparnisse zu reißen.
Wenn dann immer noch die Frage kommt: „Und was soll ich JETZT kaufen" dann hilft nur noch eines: Die Hausfragen-Strategie.
Und in der Tat halte ich selbst diese Strategie für klar verständlich und Rendite bringend (Und sicher? Was ist heutzutage schon sicher? Allerdings ist diese Strategie sicherer als auf ohne Stopp-Strategie auf einzelne Pferde zu setzen). Voraussetzung: Sie bringen genug Zeit mit.
Einmal im Jahr den Dax kaufen
Mit dieser Strategie setzen Sie ganz einfach auf einen Index, wie zum Beispiel den Dax - und zwar zu vorher festgelegten Zeitpunkten, wie zum Beispiel einmal pro Jahr. Sie setzen hierbei jedes Jahr dieselbe Summe ein (zum Beispiel 1000 Euro).
Auf diese Art und Weise kaufen Sie sich jedes Jahre ein Stück vom Dax-Kuchen, freilich zu verschiedenen Preisen - mal teurer, mal billiger oder anders ausgedrückt: Für denselben Einsatz erhalten Sie jedes Jahr ein größeres oder kleineres Stück vom Dax.
Ihr Ziel: Wenn Sie sich entschließen Ihre über Jahre eingesammelten Stücke zu verkaufen, sollte der Dax höher stehen als Ihr Durchschnittspreis, den Sie bezahlt haben. Haben Sie zum Beispiel den Dax bei 6000 und 4000 gekauft, dann liegt Ihr Durchschnittspreis bei 5.000.
Mathematisch gesehen liegt es auf der Hand, dass ihr Gesamt-Ergebnis vergleichsweise schlecht aussieht, wenn Sie (im Nachhinein gesehen) diese Strategie genau bei einem Dax-Hoch gestartet haben. Schauen wir uns hierzu ein Beispiel an.
Angenommen Sie hätten sich (ausgerechnet) im März 2000, beim Dax-Höchststand bei etwa 8.000 Punkten, dazu entschlossen, diese Strategie zu starten. Ihre Kaufkurse sähen dann wie folgt aus:
| Kauf | Datum | Dax-Stand |
| 1 | März 00 | 8000 |
| 2 | März 01 | 6000 |
| 3 | März 02 | 5000 |
| 4 | März 03 | 2500 |
| 5 | März 04 | 3900 |
| 6 | März 05 | 4400 |
| 7 | März 06 | 5900 |
| 8 | März 07 | 6700 |
| 9 | März 08 | 6600 |
Insgesamt hätten Sie 9-mal zu je 1.000 Euro eingekauft, der Gesamteinsatz liegt also bei 9.000 Euro. Der Durchschnittspreis, den Sie bezahlt hätten, liegt bei 5.444 Punkten (Summe aller Kaufkurse oder Dax-Stände geteilt durch Anzahl der Käufe, also 49.000 durch 9).
Wie Sie oben im Chart erkennen, habe ich diese 5.444 Punkte mit einer roten Linie gekennzeichnet. Wie Sie weiterhin erkennen, liegt der aktuelle Kurs (ca. 4.900 Dax-Punkte) unter Ihrem Durchschnittspreis - Sie lägen also im Minus. Um genau zu sein: Wenn Sie jetzt verkaufen würden, müssten Sie ein Minus von 10% hinnehmen. Sie kommen in den Gewinnbereich sobald der Dax wie 5.444er Marke überbietet.
Ok. Das war also das Szenario für einen eher schlechten Startzeitpunkt.
Wie sähe es aus, wenn Sie ein Jahr später, 2001 bei einem Dax von 6.000 gestartet hätten? Sie hätten 8 Käufe getätigt und einen Durchschnittpreis von 5125 Punkten (grüne Linie im Chart oben) erzielt. Aktuell ergäbe dies ein Minus von etwa 4,5%. In die Gewinnzone kämen Sie hier, wenn der Dax 5.125 Punkte hinter sich lässt (logisch).
Papier ist geduldig.
So betrachtet sieht die Hausfrauen-Strategie nicht gerade prickelnd aus. Allerdings habe ich ja - wie erwähnt - relativ schlechte Einstiegszeitpunkte gewählt.
Natürlich kann ich das Ergebnis auch besser aussehen lassen. Schauen Sie sich den Dax von 1983 bis heute an.
Hätten Sie im März 1983 mit der Strategie gestartet, läge Ihr Durchschnittspreis aus heutiger Sicht bei 3194 Punkten. Mit einem Einsatz von 26.000 Euro (also 26 Einkäufen) hätten Sie heute ein Ergebnis von 39.882 Euro erzielt, immerhin ein Gewinn von 53%.
Nicht genug?
Ok.
Angenommen Sie wären im März 1983 eingestiegen und hätten dann vorausschauend am Hoch bei 8000 im März 2000 verkauft. Sie hätten so einen Durchschnittspreis von 2003 Punkten erzielt, insgesamt 17.000 Euro eingesetzt und 67.890 Euro erhalten - ein Gewinn von knapp 300%...
Fazit: Wie bei allen Strategien kommt es darauf, wann Sie einsteigen und wann Sie aussteigen. Eines ist klar: Aktuell liegen wir auf keinem absoluten Hochpunkt im Dax. Und ich wette mit Ihnen: Wenn Sie genug Zeit mitbringen, dann werden Sie mit der einfachen Hausfrauen-Strategie eine bessere Rendite erzielen als mit dem sicheren (?) Sparkonto.
Viel Erfolg an der Börse
Ihr
Tom Firley
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