Langfristige Anlage
Tom Firley in Investors Daily
vom 27. September 2010, 18:00 Uhr
ENL5454
letzten Freitag stellte ich Ihnen eine Strategie für eine langfristige Anlage vor. Die dargestellte Vorgehensweise ist recht simpel:
1.) Investieren Sie jedes Jahr in einen festgelegten Aktien-Pool (oder wie im Beispiel vom Freitag in einen Index, z.B. den S&P 500)
2.) Investieren Sie immer den gleichen Betrag (z.B. 1.000 oder 10.000 Euro)
3.) Verfahren Sie etwa 10 bis 15 Jahre auf diese Weise (besser 10...)
Normalerweise würden Sie in der Literatur oder auch im Internet nur eine Darstellung der Vorteile dieser Strategie finden. Allerdings habe ich Ihnen am Freitag den schlechtestmöglichen Zeitpunkt für diese Strategie gezeigt (es war der 9. März 1999). Das Interessante:
Geduld ist der Schlüssel zur Freude
Hätte ein Investor tatsächlich ab dem 9. März jedes Jahr zum selben Zeitpunkt den gleichen Betrag angelegt, dann hätte er - 10 Jahre später - einen Verlust von insgesamt 45% hinnehmen müssen (wenn er alles verkauft hätte). ABER: Nur ein Jahr später lag er schon wieder im Gewinn!
Wie gesagt, das war der schlechteste Fall für diese Strategie in den letzten 60 Jahren. Heute zeige ich Ihnen einmal einen etwas besseren Einstiegszeitpunkt, hier wieder am S&P 500.
Chart S&P 500, Langfristige Anlage
Nehmen wir einmal an, unser Investor hätte diese Strategie am 9. Oktober 1997 begonnen (schwarzer Kreis), also genau 10 Jahre vor dem letzten Allzeithoch im S&P 500 (grüner Kreis) und jährlich einen bestimmten Betrag investiert.
Am Ende (also 2007) hätte er damit zu einem Mittelkurs im S&P 500 von 1122 Punkten investiert. Der damalige Kurs stand bei 1565... immerhin ein Gewinn 39 Prozent. Wohlgemerkt OHNE Dividenden. Nur der Form halber:
Einfache Kapital-Verdopplung
Beim Start im Oktober 1977 gestartet, so hätte sich das Anleger-Kapital bis 1987 mehr als verdoppelt. Der Mittelwert (von 1977 bis 1986) des S&P 500 lag damals bei 144 Punkten und der S&P 500 im Oktober 1987 bei 329 Punkten... ein Gewinn von 128 Prozent (aus 10.000 Dollar wurden 22.831, um genau zu sein). Ich stellte eine ähnliche Frage bereits am Freitag:
Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir Geld verlieren, wenn wir JETZT eine solche Strategie starten und 10 plus etwa ein bis drei Jahre Zeit haben?
Entwickeln Sie Ihre eigene Strategie
Ich wiederhole: Das ist wohl die simpelste Strategie aller Zeiten. Und das Schöne daran: Mit etwas mehr Zeitaufwand (oder einem guten Ratgeber), können Sie diese Strategie verfeinern und noch bessere Ergebnisse erzielen. Zum Beispiel können Sie ihren eigenen Pool aus „First-Class"-Aktien zusammenstellen. Oder Sie verfeinern die Einstiegsstrategie, indem Sie nicht immer zum selben Zeitpunkt einsteigen, sondern einen Gleitenden Durchschnitt zu Rate ziehen.
Ich bin mir sicher, dass Sie auf diese Weise langfristig den Großteil aller Aktien-Fonds schlagen werden. Und da bin ich mir nicht nur ziemlich, sondern sehr sicher.
Viel Erfolg an der Börse
Ihr
Tom Firley
PS: Das Thema „langfristige Anlage" ist mir sehr wichtig. War die Darstellung verständlich? Oder war es zu trocken? Bevor wir wieder zum Tagesgeschäft übergehen (der Oktober naht... und damit wichtige Einstiegs-Überlegungen), würde ich mich über Ihren Kommentar freuen.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Conrad (27.09. 2010 19:18 Uhr):
Tja, Herr Firley, was nu? Die zweite Ihrer eisernen Regeln (die mir nicht so gut gefällt), besagt, immer zum gleichen Zeitpunkt den gleichen Betrag investieren. Bei Ihrer angesprochenen "Verfeinerungstechnik" sprechen sie dann von der wichtigen Auswahl des für die Anlage jeweils richtigen Zeitpunkts. Damit wären wir wieder bei der "normalen" Anlagetechnik, nach der wohl die meisten (glücklichen und unglücklichen) Anleger verfahren. Eine einfache Systematik ist das natürlich dann nicht mehr! Gruß, G. Conrad
Antworten - Kommentar von Stefan Käufer (27.09. 2010 19:41 Uhr):
Hallo Herr Firley, ich finde diesen Artikel sehr interessant und lehrreich, wie übrigens die meisten ihrer Artikel. Leider verstehen die meisten Leute die Ratschläge der Geldanlage nicht richtig. Meiner Meinung nach muß man sich schon etwas länger und zeitintensiver damit auseinandersetzen. Ihre Artikel sind dazu sehr hilfreich und bringen bei entspechender Befolgung der Tipps die man herauslesen kann gleich schöne Erfolgserlebnisse. Vielen Dank dafür von mir für ihre ausgezeichnete Arbeit. Mit den besten Grüßen Stefan Käufer
Antworten - Kommentar von Gerhard Bauer (27.09. 2010 20:11 Uhr):
Sehr geehrter Herr Firley, vielen Dank für Ihre fundierten Überlegungen zur sinnvollen langfristigen Geldanlage hier und auch an anderer Stelle, als sie z.B. Ihren Indikator dargestellt hatten. Sie bieten gute Anregungen zu eigenen Überlegungen. Mit der längerfristigen Geldanlage beschäftige ich mich auch gerade, da ich mich unabhängiger vom "Tagesgeschäft" machen will. Nun zu Ihrem 10+X-Plan: Meiner Meinung nach funktioniert dieser Plan nur in einem Aufwärtstrend. Man muß die richtigen Aktien im Depot haben, die sich in dieser Zeit wieder erholen und sogar vielleicht ihre Tops toppen, also in den letzten 10 Jahren z.B. keine Bankaktien, bei Investitionen in Indizes klappt dies nur, wenn diese ihre Aufwärtstrends wieder aufnehmen, nicht aber, wenn sie in Abwärtstrends verhaftet sind und immer tiefere Tiefpunkte ausbilden. Eine Investition in den japanischen Nikkei nach dem 10+X-Schema wäre in den letzten 20 Jahren wohl nicht sehr erfreulich gewesen. Ich fände deshalb den Einbau eines einfachen trendfolgenden Elements in Ihr Konzept sinnvoll. Etwa in der Art, daß in dem Jahr, in dem der Index sich zum gewählten Zeitpunkt unter der 200Tage-Linie befindet, nicht investiert wird, sondern nur in den Jahren, in denen er darüber liegt. Man würde dann nur "aufwärts" neu investieren, nicht aber "abwärts". Wenn man dann aufwärts zusätzlich das Geld anlegt, das man abwärts nicht angelegt hat, müßte es einigermaßen auch mit der Performance hinkommen. Soweit meine Anmerkungen zu Ihrem Konzept. Mit freundlichen Grüßen Gerhard Bauer
Antworten - Kommentar von S Steinke (27.09. 2010 23:11 Uhr):
Hallo Herr Firley, danke für den sehr hilfreiche, wenn auch einfache Strategie. Der Hacken an der Sache ist, dass es die letzten Jahrzehnte stets bergauf ging, es könnte ja passieren, das es eine jahrzehntelange Korrektur gibt, wo die Strategie, dann nicht mehr greift. Wie ¨würden Sie denn in einen Index investieren, gibt es da ETFs mit Dividendenauschüttung? Leider bin ich mit Indizes nicht so vetraut, denke aber dass dies dann mit ETFs oder über Fonds passieren müsste, da Optionsscheine bzw. Knockout immer eine zeitliche Komponente bzw. ein Limit haben. Vielen Dank.
Antworten - Kommentar von Fred Völkel (28.09. 2010 07:40 Uhr):
Guten Morgen Herr Firley, ich finde Ihre einfachen Darstellungen zur Langfristanlage sehr gut und verständlich. Damit reduziert sich der Blick mal wieder auf das Wesentliche, das langfristige Investieren und nicht das kurzfristige Zocken. Natürlich wird auch der eigene Geist durch die ganz einfache Aussage gefordert, in wie weit man für sich selbst diese Strategie noch verfeinern möchte. Danke für Ihre immer wieder interessanten Beiträge. Fred Völkel
Antworten
- Kommentar von Hartmut Fischer (28.09. 2010 09:34 Uhr):
Lieber Herr Firley, Ihre Vorschläge sind wirklich einfach zu verstehen und anzuwenden ohne die ganze Börsenmystik, die meist nur desinformiert und die Banken reich macht. Kombiniert mit einer Auswahl von Aktien mit solidem Geschäftsmodell und vernünftigen Dividenden kann man eigentlich nur besser abschneiden als mit unserem Bankrott-Papiergeld. Hartmut Fischer
Antworten - Kommentar von Frank (28.09. 2010 10:00 Uhr):
Lieber Herr Firley, was mir fehlt, ist die Berücksichtigung der Inflation, welche übrigens auch von fast allen Fondsanbietern in deren Performancenachweisen vorenthalten wird. Zudem gab es in der Geschichte auch extrem lange Seitwärtsbewegungen mit einer realen, also inflationsbereinigten Negativrendite. Auf der anderen Seite gibt es nicht wirklich tolle Alternativen, weshalb die meisten Berater ja auch zu einer Mischung der Anlageformen raten. Hierzu würde mich Ihre Meinung interessieren, danke und liebe Grüße!
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