Langfristig Aktien anlegen
Tom Firley in Investors Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 13. Oktober 2010, 18:00 Uhr
ENL5454
kürzlich erhielt ich aus Australien(!) folgende Leser-Mail zum Thema „langfristige Anlage"
***Sehr geehrter Herr Firley,
erst einmal vielen Dank für Ihre vielen interessanten Beiträge. Ich
bin ein begeisterter Leser.
Nun mal doch noch eine Frage zum langfristigen Anlegen. Irgendwann
muss man ja mal anfangen. Ich beschäftige mich nun schon seit
geraumer Zeit mit Aktieninvestments und würde gern jedes Jahr ein
paar Aktien von den mir favorisierten Unternehmen erwerben. Aus meinem
bisherigen Versuchen mit Aktien Geld zu verdienen, weiß ich, dass
ein Stopp Loss zur Grundabsicherung eines jeden Aktienkaufs gehört.
Bei der langfristigen Anlage sprechen wir ja nun von 10 + 3 Jahre.
Wie sollte man hier mit einem Stopp Loss umgehen?
Viele Grüsse aus Hobart/ Australien
Marcus P.
***Antwort: Eine sehr gute Frage mit einer ganz klaren und eindeutigen Antwort:
Das kommt darauf an!
Der Leser spricht zwei Dinge an:
1.) Er möchte jedes Jahr in favorisierte Aktien anlegen.
2.) Er möchte wissen, wo da ein Stopp zu setzen sei.
Zu Punkt 1: Favorisierte Aktien
Ich persönlich bin eher der mittelfristige Anleger, der (aus einer großen Auswahl an Aktien) charttechnische Marken beachtet und natürlich auch fundamentale Daten beachtet (wie geht es dem Unternehmen und vor allem: Wie wird es dem Unternehmen vermutlich in näherer Zukunft gehen).
Als langfristiger Anleger, der jedes Jahr einen gewissen Teil investiert und sich ansonsten nicht allzu oft mit der Börse auseinandersetzen möchte, der sollte bei der jährlichen Aktien-Auswahl oder -Aufstockung besonders gewissenhaft sein. Es kommt hier auf das Gesamtdepot an und nicht so sehr auf die Einzeltitel.
Eine Coca-Cola-Aktie zum Beispiel können Sie meines Erachtens „immer" kaufen und auch nachkaufen, wenn Sie sehr langfristig(!) denken. Ähnlich ist es bei McDonalds, Johnson&Johnson oder auch Nestlé. Ich denke, jetzt habe ich Ihnen wirklich keine Geheimnisse verraten (oder doch?).
Um hier den Unterschied zwischen mittelfristiger und langfristiger Denk- Handelsweise zu verdeutlichen, schauen wir uns die Coca-Cola-Aktie an (nebenbei bemerkt hätte ich natürlich auch eine Aktie nehmen können, die wesentlich bessere Ergebnisse liefert... aber an dieser Stelle würden solche „Top-Performer"-Darstellungen nur verwirren). Hier der Chart:
Chart Coca-Cola langfristig
Hier kommen wahrlich gemischte Gefühle auf... der mittelfristige Anleger, der mit Stopps arbeitet, wäre mit der Coca-Cola-Aktie nicht wirklich glücklich geworden. Klar, ein paar gute Trades wären drin gewesen (z.B. 2006 bis Ende 2007), aber unterm Strich sähe das Ergebnis wohl eher karg aus.
Mittelfristig contra langfristig
Angenommen sowohl der mittelfristige Anleger, als auch der langfristige Investor hätten sich vor 10 Jahren (am 12. Oktober 2000) dazu entschlossen, die Coca-Cola-Aktie zu kaufen (siehe roter Punkt im Chart). Damals stand die Aktie bei etwa 58 US-Dollar.
Kurz danach stieg die Aktie auf 62,75 US-Dollar; immerhin ein Gewinn von über 8 Prozent. Für den mittelfristigen Anleger wäre dies ein Zeichen gewesen, Gewinne mitzunehmen oder seinen Trailing Stopp (= nachlaufender Stopp) nachzuziehen... sagen wir großzügig auf etwa 54 Dollar (unter das letzte Tief) oder eben etwas weniger großzügig genau auf Einstandkurs (somit käme der mittelfristige Anleger also plus / minus Null raus).
Der langfristige Anleger hat sich um diese kurzfristigen Bewegungen nicht gekümmert und kaufte jedes Jahr zum selben Zeitpunkt einfach die Coca-Cola-Aktie. Unterm Strich hätte er nach 10 Jahren auf diese Weise einen Mittelkurs von etwa 48,40 Dollar erzielt. Heute steht die Aktie bei etwa 60 US-Dollar. Das entspricht einem Gesamtgewinn von etwa 23%.
Das ist jetzt nicht der Mega-Brüller. Aber daneben hat der Coca-Cola-Investor in den letzten 6 Jahren immerhin eine Dividendenrendite von durchschnittlich etwa 2,5 Prozent realisiert (alleine dies ist besser als das Sparbuch und viele andere sichere Anlage-Möglichkeiten...).
Das ist also der Punkt: Die Aktienauswahl und die vor allem die Überlegung: Wird es das Unternehmen in 10 Jahren noch geben?
Der zweite Punkt, also das „Stopp-Setzen" wird das morgige Thema im Investors daily sein.
Viel Erfolg an der Börse
Ihr
Tom Firley
PS: Wissen Sie noch, was ich in den letzten Wochen gepredigt habe? Richtig. Im Oktober werden die Börsen-Weichen gestellt. Natürlich, es ist gut möglich, dass wir in den nächsten Tagen einen Rücksetzer erleben, aber die Zeichen stehen auf „Aufwärtstrend". Beachten Sie bitte Ihre Kaufsignale. Ich denke, jetzt wäre nicht der schlechteste Zeitpunkt, sich zum Beispiel ein breit gestreutes Dax-Portfolio zu überlegen. Auch hierzu erfahren Sie morgen mehr.
PPS: Ob ich mir heute eine Coca-Cola-Aktie kaufen würde? Why not? Immerhin wurde gerade ein wichtiges Zwischenhoch überboten. Hier ein kurzfristiger Chart mit den letzten „Firley-Signalen" meines Indikators.
Chart Coca-Cola mit Firley kurz
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