Lagebericht
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 25. Mai 2010, 08:30 Uhr
ENL5454
ich hoffe, Sie hatten ein paar erholsame Feiertage und konnten das teilweise angenehm warme Wetter genießen. Die ganz unermüdlichen Anleger unter Ihnen hatten gestern die Möglichkeit zum Feiertagshandel an den Börsen, aber man muss es ja nicht immer übertreiben. Ich konnte es auch nicht ganz lassen, aber die gestrigen Kursmuster waren zumindest nicht sehr einladend.
Eine kleine Anekdote möchte ich Ihnen nicht vorenthalten. Eine befreundete Familie verbrachte die Pfingstfeiertage in Spanien. Sie hatten Erstaunliches zu berichten. Im öffentlichen Dienst sollen dort aufgrund der extrem angespannten Haushaltslage seit Jahresbeginn keine Löhne mehr ausgezahlt worden sein. Die Angestellten wissen kaum noch, wie sie über die Runden kommen sollen. Ich konnte das bisher mangels anderer Quellen nicht nachprüfen, aber solche Informationen aus erster Hand sind in der Regel zutreffend. Sie wissen ja: Spanien ist ähnlich wie Griechenland überschuldet und steht auf der EU-Rettungsliste ganz oben. Das Land muss eine geplatzte Immobilienblase verdauen und mit einer offiziellen Arbeitslosenrate von 17 Prozent fertig werden. Die Haushaltsprobleme scheinen eklatant zu sein. Und wie immer trifft es auch dort die Mittelschicht am härtesten. Politiker, die engere Gürtel fordern, meinen leider nie ihren eigenen.
Am Wochenende kam die Meldung, dass die spanische Sparkasse CajaSur, die rund 0,6% der gesamten spanischen Bankeneinlagen hält, nur noch durch eine Verstaatlichung vor dem Zusammenbruch gerettet werden konnte. Nach einer Rekapitalisierung soll entschieden werden, ob das Institut versteigert, aufgespalten oder liquidiert werden wird. Gestern kamen daraufhin die Aktienkurse und insbesondere der Eurokurs unter Druck. Der Euro scheint damit seine kräftige Gegenbewegung von 1,21 auf 1,27 beendet zu haben. Möglicherweise stehen dort in Kürze neue Verlaufstiefs an.
Meldungen und Berichte wie die aus Spanien sind meiner Ansicht nach sehr beunruhigend und zeichnen ein Bild, dass die Lage in einigen EU-Ländern allmählich außer Kontrolle gerät. Von einer geglückten Rettungsaktion kann man hier höchstens sprechen, wenn man Tomaten auf den Augen hat. Noch vor wenigen Monaten wären Zustände wie die in Spanien oder Griechenland (faktische Staatspleite, bürgerkriegsähnliche Zustände, schwere Rezession) absolut undenkbar gewesen. Dennoch hält sich hartnäckig die Hoffnung, dass die Zentralbanken weltweit die Situation unter Kontrolle haben und die Finanzmärkte mit Liquidität und außergewöhnlichen Maßnahmen (in der Regel noch mehr Schulden und Ankauf von Schrottanleihen) retten können. Ich gehe davon aus, dass durch die jüngsten Ereignisse bewiesen ist, dass dem nicht so ist. Am Devisenmarkt wird dieses Versagen der Notenbanken und Politiker seit dem Jahreswechsel eingepreist. An den Aktienmärkten scheinbar erst seit wenigen Wochen. Da helfen auch wüste Beschimpfungen der bösen Spekulanten nicht mehr.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Spanien Deutsche (25.05. 2010 11:09 Uhr):
Ja, Spanien ist meiner Ansicht nach tatsächlich viel gefährlicher für die Stabilität der Euro-Zone als Griechenland. Die Fusionen der Sparkassen werden hier seit Monaten aufgeschoben, trotz internationalem Druck von seiten der EU und sogar des IWF kommen sie einfach zu keinem Abschluss. Das wird wohl auch an den riesigen Löchern liegen, die bis dato von der einen oder anderen Kasse unter den Teppich gekehrt wurde. CajaSur wird meiner Meinung nicht die einzige spanische Bank bleiben, bei der der Staat intervenieren wird. Erst gestern wurde jegliche Neuverschuldung bei Kommunen untersagt !! Da werden wohl tatsächlich sogar Lohnzahlungsschwierigkeiten auftreten und vor allem aber weitere Zahlungsausfälle bei Spaniens mittelständischen Zulieferunternehmen..Positiv werte ich die intensive Einmischung der EU in die nationale Politik. Auch wenn hier schon von Spanien als einem deutschen Protektorat geredet wird, ist dies meiner Meinung nach die einize Methode die unfähige Regierung, die seit 3 Jahren (!!!!) nichts anderes tut als den Kopf in den Sand zu stecken und weiter auf Hilfen zu hoffen, endlich zm handeln zu bringen. Die Arbeitsmoral der Südländer hat eben nicht mit den "Nordländern" zu tun...da müssen sie in diesen globalisierten Zeiten noch lernen, dass der der nichts leistet nichts hat...
Antworten - Kommentar von Hartmut Fischer (25.05. 2010 11:57 Uhr):
Was heißt hier "wird"...? Ist !!! Wenn die CajaSur nur 0,6% der Einlagen repräsentiert und bereits mit einer halben Milliarde EURO "gerettet" werden musste, kann man sich vorstellen, was bei 3 Millionen leerstehenden Neubauwohnungen noch so alles im Busch ist. (Die notleidende Hypothekensumme lässt sich da leicht auf über 300 Milliarden hochrechnen.) Im übrigen ist der anfängliche Eu-ro über den Teuro und den Erpresso zum Bankrotto geworden!
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