Lage ist ruhig

in DAX Daily
vom


die Nachrichten über und aus Griechenland nehmen in letzter Zeit beunruhigende Züge an. Bei der nächsten Wahl Mitte Juni haben die Linksradikalen gute Chancen, diese zu gewinnen. Ob die erzielten Quoten dann allerdings für eine stabile Mehrheit ausreichen, ist völlig offen. Im schlimmsten Fall bleibt das Land weiter unregierbar. Unterdessen verdichten sich die Gerüchte, dass Griechenland aus den mit den Geldgebern der EU vereinbarten Sparmaßnahmen nach der Wahl aussteigen wird. Gleichzeitig erhöhen griechische Politiker den Druck auf die EU, indem sie vor den immensen Kosten eines EU-Austrittes warnen. Taktische Spielchen, die mit der „Ansteckungsgefahr" auf andere, größere Euroländer kokettieren. Die Kosten einer weiteren Alimentierung dürften für die EU allerdings weit höher sein.


                                                         

Die Griechen treffen inzwischen ihre eigenen Vorbereitungen. Seit Jahresbeginn wurden etwa 20 Prozent der Einlagen bei den Banken abgehoben. Zum Vergleich: In anderen Krisenländern wie Spanien und Irland waren es etwa 3 Prozent, in Deutschland erhöhten sich die Bankeinlagen hingegen um fast 5 Prozent, in Frankreich gar um über 10 Prozent. Man kann also durchaus von einem griechischen Banken-Run sprechen, von einem spanischen allerdings noch lange nicht.

 

Die Pharmaindustrie bereitet inzwischen nach Medienberichten eine Notversorgung mit Medikamenten vor, für den Fall, dass das Land aus der Eurozone ausscheidet und in Zahlungsnot gerät. Auch die EZB richtet offenbar einen Krisenstab zu Griechenland ein. Nach Informationen der "Zeit" wurde eine Arbeitsgruppe eingerichtet, um gegen eine mögliche Eskalation der Lage in Griechenland gerüstet zu sein. Auch in der Bundesbank gebe es einen Krisenstab.

 

Unterdessen bleiben dem Land die Touristen weg. Reiseveranstalter melden einen deutlichen Einbruch der Nachfrage nach Griechenland-Reisen. Alltours bezeichnet die Lage sogar als „dramatisch". Liebe Leser: Ich war letzte Woche erst in Griechenland. Von einer Krise war nichts zu spüren, alles geht seinen gewohnten Gang. Die Menschen sind freundlich, man versucht angesichts der hohen Arbeitslosigkeit irgendwie über die Runden zu kommen. Die Versorgung klappt reibungslos, nur die Preise sind etwas teuer (Sprit zum Beispiel fast 2 Euro der Liter), aber auch nicht dramatisch. Daran wird sich vor der Wahl wohl nichts mehr ändern, und direkt nach der Wahl wohl auch nicht. Das Land ist wunderschön und ich würde jederzeit wieder hinfahren. Lassen Sie sich nicht von der ganzen Panik anstecken.

 

Um das griechische Volk tut es mir wirklich leid. Fünf Jahre schrumpfende Wirtschaft, Jahrzehnte Misswirtschaft durch eine korrupte Regierung, hohe Arbeitslosigkeit und jetzt womöglich noch die offizielle Staatspleite verbunden mit einem zeitweisen Zahlungsausfall von Gehältern im öffentlichen Dienst und an Lieferanten des Staates. Aber das Leben wird dort trotzdem weitergehen. Staatspleiten sind ja nichts Neues. Sorgen bereiten mir höchstens größere Wackelkandidaten wie Spanien, aber soweit ist es noch nicht. Und in größerem Maße die Freigiebigkeit unserer eigenen Regierung, die nicht verstanden hat, dass aus Bürgschaften sehr schnell Zahlungspflichten werden können.

 

von
Henrik Voigt
Henrik Voigt

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Kommentar von Hermann Tönsmeise

Auf Dauer hat jedes Volk die Regierung,die es verdient

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Kommentar von Kranen

Der Griechen-Kommentar kommt mir vor wie "Sauerbier". Denn wie ZDF-Reporterin Antje Pieper, Studio Rom, in einem Bericht vor 2 1/2 Jahren - als die Griechenkrise evident wurde - wird in diesem Kommentar gejammert: Die armen Menschen! Ebenso wie Frau Pieper damals, es wird nicht gesagt, daß Griechenland's Wirtschaft, insbesondere die Landwirtschaft, seit 2006/07 nicht mehr wettbewerbsfähig ist. Zwei Jahre später war auch die Tourismusbranche meilenweit hinter der Türkei, deren Währung von Jahr zu Jahr abwertet. Dummerweise sind die Griechen 2001 der Eurozone beigetreten. Und das, obwohl das Land bis heute keine funktionierenden Verwaltungsstrukturen besitzt. Das gibt es eigentlich nur eine Lösung: Zurück auf Los !!! In diesem Sinne ... G.J. Kranen

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