Kurzfristige Chartanalyse sinnlos?
Sven Weisenhaus in Wave Daily
vom 25. Juni 2010, 13:00 Uhr
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ich möchte mich zunächst für die vielen Hinweise von den Lesern über den Erhalt der letzten Ausgaben bedanken. Offenbar betraf der Fehler beim Versand der Beiträge per E-Mail nur einen Teil der Leser.
Nach meinen Informationen sind die Probleme jedoch inzwischen vollständig behoben, so dass nun alle Leser wieder den WAVE Daily und die anderen kostenlosen Newsletter per E-Mail wie gewohnt erhalten müssten.
Wer die letzten Ausgaben nicht im Posteingang vorgefunden hat, kann diese unter folgenden Links nachlesen:
(Die Freitag-Ausgabe vom 18. Juni wurde wegen der Probleme auf den Montag verschoben)
Ausgabe vom Montag, 21. Juni 2010
Ausgabe vom Mittwoch, 23. Juni 2010
Der ein oder andere unter Ihnen hat vielleicht bereits gemerkt, dass ich bei meinen Analysen nur sehr ungern auf sehr niedrige Zeiteinheiten gehe. Ich werde Ihnen im heutigen Beitrag einen Grund hierfür liefern.
Prinzip der Selbstähnlichkeit
Die Elliott-Wellen-Theorie geht von dem aus der Natur entnommenen Prinzip der Selbstähnlichkeit aus. Häufig wird zur Erklärung dieses Prinzips der Blumenkohl herangezogen, dessen kleinstes Röschen einem größeren ähnelt oder gar dem gesamten Kohlkopf.
Für die Elliott-Wellen-Theorie bedeutet dies, dass sich innerhalb einer übergeordneten Welle, die gleiche Grundstruktur auch in den untergeordneten Wellen befindet. Die folgende Grafik soll dies verdeutlichen:
Hier wird sichtbar, dass sich kleinere Wellen zu größeren zusammenfassen lassen. Welle 1 des obersten Charts unterteilt sich in 5 Wellen im mittleren und in 21 Wellen im unteren Chart. Genauso lassen sich die ersten 21 Wellen im unteren Chart zu 5 Wellen im mittleren Chart und zu einer Welle im obersten Chart zusammenfassen.
Fraktale
Elliott entdeckte damit die fraktale" Natur von Wellenbewegungen.
Fraktale sind mathematische Strukturen, die sich auf einer immer kleiner werdenden Skala unendlich wiederholen.
Obwohl die Fraktale offiziell erst viel später in den 80er Jahren von dem Wissenschaftler Mandelbrot in allen Arten von Objekten und Lebensformen entdeckt wurden, erkannte Elliott diese bereits in den 30er Jahren bei seinen Aktienmarktanalysen.
Elliott-Wellen-Regeln - Analyse JA, Prognose NEIN?
Grundsätzlich bin ich absolut der Ansicht, dass man mit Hilfe der Elliott-Wellen-Regeln alle vergangenen Kursbewegungen erklären kann. Bei der Prognose von zukünftigen Kursbewegungen auf sehr niedrigen Zeitebenen hingegen bin ich eher skeptisch, insbesondere weil die Regeln gerade in Korrekturphasen zu viele mögliche Bewegungen zulassen.
Random-Walk-Theorie
Unterstützung für meine Ansicht erhalte ich von der sogenannten Random-Walk-Theorie. Diese Theorie geht grundsätzlich zwar von völlig zufälligen Marktbewegungen aus und deckt sich damit nicht mit meinen Erfahrungen und Erwartungen, jedoch gerade in sehr kurzfristigen Zeiträumen glaube ich tatsächlich eher an zufällige Bewegungen aufgrund der sehr unterschiedlichen Handelsmotive einzelner Marktteilnehmer.
So kann ein Verkäufer beispielsweise allein aufgrund von Liquiditätsmotiven seine Aktien-Position auflösen. Sprich, er verkauft Anteile eines Unternehmens nur aus dem Grund, weil er Geld benötigt, nicht jedoch wegen eines charttechnischen Signals oder wegen einer neuen fundamentalen Information über dieses Unternehmen.
Eine rein zufällige Kursbewegung ist das Ergebnis.
Gehören Sie zu den Fanatikern?
Und glauben Sie ernsthaft, diese Bewegungen ließen sich mit der Elliott-Wellen-Theorie erklären? Wenn Sie diese Frage mit Ja beantworten, gehören Sie zu den Fanatikern und wir werden uns eh nie einig.
Ansonsten habe ich kürzlich einen sehr interessanten Artikel gelesen, der meine Meinung unterlegt und für Sie ebenso interessant sein könnte. Hierzu mehr im zweiten Teil des heutigen Beitrags.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Thomas Schwarz (25.06. 2010 15:10 Uhr):
Sehr geehrter Herr Weisenhaus. Ich habe heute wie immer Ihren Newsletter gelesen. Leider muss ich ihnen bzw. ihrer Ansicht der Marktstruktur komplett widersprechen. Auch die großen Zeitfenster bauen auf den kleineren auf. Im großen kann keine "Einheit" herrschen wenn das kleine von "Chaos" bestimmt wird. Sie haben das Prinzip der „Matroschka“, der Fraktale im oberen Bild gut erfasst und treten im unterem Teil der Mail an das Gegenteil zu behaupten. Auch wenn Strukturen nicht immer klar erkennbar sind bin ich davon überzeugt das bis ins kleinste Perfektion herrscht. Es gibt genügend Beispiele in der Natur bei der die geringste Abweichung nicht mehr zum endgültigen ergebnis führen würde. Bitte denken sie einmal darüber nach. Mit freundlichen Grüßen Schwarz, Thomas
Antworten- Antwort von Sven Weisenhaus (28.06. 2010 12:56 Uhr):
Guten Tag Herr Schwarz! ----- Ich freue mich, dass Sie sich mit Ihrem Kommentar aktiv an der Diskussion beteiligen. Natürlich gibt es sehr unterschiedliche Theorien über die Funktionsweise der Märkte. Ich denke nicht, dass es die einzig Richtige gibt. Jeder hat seine eigenen Vorstellungen. Ihre weicht zumindest in Teilen von meiner ab. Ich bleibe dennoch bei der Annahme, dass es einen Random-Walk-Anteil gibt. Alle nötigen Erklärungen, warum ich dies tue, habe ich in dem Beitrag geliefert. Zu Ihrem Beispiel mit der Natur kann ich nur entgegnen, dass der Aktienmarkt kein Beispiel der Natur ist, da nicht von der Natur geschaffen, und somit einem Vergleich von Äpfeln mit Birnen gleich kommt. Der Aktienmarkt ist auch nicht Perfekt, schließlich passieren dort täglich, minütlich, sogar sekundlich Fehlentscheidungen. Ich möchte aber noch einmal betonen, dass ich nur in den sehr kleinen Zeiteinheiten von einem Random Walk ausgehe, so dass sich aus den chaotischen Bewegungen charttechnisch motivierte Handelsaktivitäten ergeben. ----- Mit freundlichen Grüßen ----- Sven Weisenhaus
- Antwort von Thomas Schwarz (28.06. 2010 23:11 Uhr):
Sehr geehrter Herr Weisenhaus, erst einmal vielen Dank für ihre Antwort. Ich mache es kurz denn wir sind sicher einer Meinung wenn ich sage das dies zu nichts führt und wir diese Diskussion wohl ewig weiterführen könnten. Wie sie schon richtig sagten hat jeder seine eigene Vorstellung davon wie Marktbewegungen entstehen. Für mich gibt es genügend Natur konstanten im Markt die man verwenden kann. Wenn der Markt nicht durch die Natur... durch natürliche Entscheidungen jeder beteiligten Person entsteht wodurch denn dann? Es gibt genügend Ansätze den Markt so zu definieren z.b. Fibonacci. Auch Gann hat sehr beeindruckend gezeigt wie man Markt sowie Natur verknüpfen kann und ich bin mir sicher das auch Elliottwave einem Ansatz aus der Natur folgt. Mit freundlichen Grüßen Schwarz
- Antwort von Sven Weisenhaus (28.06. 2010 12:56 Uhr):
