Kurz vor einer Rallye?
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 07. März 2003 18:00 Uhr
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Wie erwartet, war die kleine Zwischenerholung nur eine kleine Zwischenerholung. Der Dax macht sich also nun gen 2300 Punkte auf. Im Moment kämpft er mit der 2400er Marke. Nein es sieht nicht gut aus ... Wirklich?
Ich bin ganz kurz davor "long zu gehen" ("Long gehen" heißt auf steigende Aktien zu setzen, im Gegensatz zu "short gehen": Auf fallende Aktien setzen.) Ja, sie haben richtig gehört, ich warte im Moment auf Einstiegskurse. Warum? Ganz einfach: Erstens haben wir bald die Kursziele erreicht (2300–2000 Punkte). Zweitens steht der Irakkrieg vor der Tür. Drittens ist die "Stimmung" in der Wirtschaft so schlecht wie selten.
Eine gute Zeit um (kurzfristig) Aktien zu kaufen. Aber nicht so hastig. Warten Sie mindestens noch den Montag ab. Ein kleines Einstiegsignal ergäbe sich, wenn die europäischen wie amerikanischen Indizes in Nähe der Tageshöchstkurse schließen würden. Sollte es dann am Montag zu weiteren Kursteigerungen kommen, könnten Sie eine kleine Position wagen, die Sie später weiter ausbauen könnten. Dabei nie den dichten Stopp vergessen. Sollte die Indizes wesentlich tiefer notieren – weiter abwarten.
Zunächst rutschte der Dax heute morgen deutlich in Minus. Er sank sogar unter die 2400er Marke. Im Tief notierte er auf 2393 Punkte.
Trotz schlechter Konjunkturdaten aus Amerika, konnte er dann im Vorfeld der Blix-Rede vor dem Weltsicherheitsrat wieder fast ins Plus laufen. Hintergrund war die Meldung, dass im Südosten Afghanistans zwei Söhne von Osama Bin Laden gefasst worden seien. Die kleine Short-Squeeze hielt nicht lange an, zeigte aber wie nervös die Shorties bereits sind. Ein weiteres Indiz für eine nahende Rallye.
Eigentlich will ich aber immer noch die 2300 Punkte sehen. In dem Bereich zwischen 2300 und 2000 hat der Dax eine hohe Wahrscheinlichkeit zu drehen – alles andere würde mich zumindest erstaunen. Er sollte dann wieder bis in den Bereich der 3000–3400 Punkte laufen.
Dabei bin ich beruhigt, denn nun kommen auch die ersten Nachrichten, die Zweifel an einer Kriegsrallye bekunden. Zudem scheinen doch genug Marktteilnehmer aufgrund der Wirtschaftsdaten und anderer Faktoren sehr bearish zu sein. Sie wissen, wenn zu viele Markteilnehmer der gleichen Meinung sind, wird bestimmt das Gegenteil geschehen. Da vor kurzem noch alle mit einer Kriegsrallye rechneten, hatte ich leise Zweifel daran. Diese Zweifel zerstreuen sich mehr und mehr.
Schauen Sie sich die Charts von 1991 an. In den Wochen vor dem ersten Irakkrieg fielen die Kurse steil nach unten. Erst kurz nach Kriegsbeginn konnten sich die Börsen fangen. Deswegen bin ich noch immer etwas vorsichtig. Aber ich meine, die ersten deutlichen Anzeichen für eine Rallye zu erkennen.
Natürlich müsste ein solcher Krieg aus Sicht der Amerikaner "planmäßig" verlaufen und schnelle Erfolge erzielen. Sollten sich unerwartete Schwierigkeiten ergeben, könnte sich eine Rallye schnell in Luft auflösen.
*** Der Euro Stoxx fiel heute unter die wichtige 2000er Marke, das ist ein Sechs-Jahrestief. Der Dax hält sich irgendwo im Bereich eines Sieben-Jahrestiefs auf.
Die Medien entdecken nun tatsächlich den Zusammenhang zwischen der Nordkorea-Krise und den Börsen. So konnte man heute in Spiegel-Online lesen: "Weitere Probleme zeichnen sich bereits ab. Politisch macht dem Markt die Nordkora-Krise erheblich Sorgen." Genau! Ein Koreakrieg wäre eine Katastrophe. Doch noch schaut natürlich alles nur auf den Irakkrieg.
Der Euro hat die 1,10 $ nach oben gebrochen. Ein wenig ärgert mich das schon. Aber ich denke, angesichts einer Kriegsrallye wird er unter die Räder kommen – kurzfristig. Hier halte ich es wie immer: Die Gefahr jetzt wieder einzusteigen, ist zu groß. Also lass ich es. Sollte der Euro weiter hoch laufen, muss ich halt zusehen. Aber lieber zusehen und nicht partizipieren, als einzusteigen und auf Hoch gekauft zu haben. Neue Chancen kommen immer.
Bush hat in seiner gestrigen Pressekonferenz in Washington eines klargestellt: Der Krieg wird kommen. Alle anderen Szenarien stellen seiner Ansicht nach ein inakzeptables Risiko für sein Land dar. Gleichzeitig machte er deutlich, dass die Entscheidung des Sicherheitsrates letztlich unerheblich sei: Wenn es um die Sicherheit Amerikas gehe, brauche Amerika von niemanden eine Erlaubnis. Klare Worte.
Viel interessanter fand ich jedoch die versöhnlichen Worte die Bush in Richtung Frankreich und Deutschland äußerte. So sagte er, dass Deutschland und Frankreich trotz der Differenzen weiterhin Freunde Amerikas seien und dass sie viele gemeinsame Interessen verbinden. Na, also ... Die Demokratie hat uns wieder.
Kurz noch einmal zur Börse: Denken Sie daran: Montag veröffentlicht die Deutsche Telekom ihre Eckdaten zu 2002. Es wird spannend für die Telekom-Branche.