Kurz vor dem Crash oder interessanter Kaufzeitpunkt?
Daniela Knauer in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 25. Mai 2010, 17:00 Uhr
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wie ist Ihnen das lange Pfingst-Wochenende bekommen? Konnten Sie bei einem Ausflug entspannen? Oder haben Sie auch den Montag vor dem Bildschirm verbracht? Die neue Woche beginnt mit mindestens ebenso viel Nervosität, wie die alte geendet hat. Die Angst ist groß, aber sie ist auch berechtigt - das haben wir gleich zum Start am Montag mit der nächsten Bankenpleite in Spanien erfahren. Die Sorgen steigen, dass es nicht bei dieser kleinen Episode bleibt, sondern der Brand sich nun unter europäischen und insbesondere spanischen Banken ausweiten könnte.
Wiederholung der Geschichte?
Die aktuelle Situation zeigt verheerende Ähnlichkeit mit derjenigen vor der Lehman-Pleite. Interne Stressindikatoren der Märkte zeigen seit Ende April steil nach oben. Die Profis sehen diese wohl und reagieren deutlich darauf. Die Währungsmärkte handeln seit Wochen im Ausnahmezustand.
Was bekamen wir 2008 nicht alles zu hören, wie die Politik in Zukunft Probleme der Kapitalmärkte durch Eingriffe von oben verhindern wolle. Und was ist seither in immerhin anderthalb Jahren passiert? So gut wie nichts. Das kurzsichtige Schielen der Politiker gilt erneut wie immer überwiegend den Wählerstimmen (die Rechnung dafür in NRW war deutlich - mündige Bürger lassen sich nicht ewig für dumm verkaufen).
In diesem Zusammenhang möchte ich noch einmal auf meinen Artikel vom vergangenen Freitag zurückkommen. Kritische Töne vermerkt Herr HJK dazu: "Diesem Artikel liegt eine darwinistische Haltung zu grunde,die jeder humanistischen Ethik widerspricht. Haben Sie sich einmal die letzte Konsequenz Ihrer Philosophie überlegt? Der Löwe hört auf zu fressen, wenn er satt ist. Bei den Spekulanten vermute ich, gibt es dieses Sattheitsgefühl nicht. Frohe Pfingsten! MfG HJK".
Dass ich humanistische Ethik aktiv lebe, habe ich hier schon des öfteren bewiesen und muss diesen Vorwurf daher nicht kommentieren. Diese lässt sich durchaus auch mit dem Beruf eines Börsianers (oder auch "Spekulanten") vereinbaren. Mir ging es bei dem Artikel vor allem darum, dass hier generell ein Berufsstand an den Pranger gestellt wird, der in meinen Augen nicht die Ursache des Problems ist, sondern nur als Buhmann für die Fehler anderer missbraucht wird.
Diskutieren Sie mit!
Interessieren würde mich aber gleichwohl die Meinung weiterer Leserinnen und Leser zu dem Thema: Werden die Spekulanten zu Recht verteufelt? Sollte die Politik deren Arbeit beschränken? Sind die neuen Maßnahmen in Ihren Augen sinnvoll bzw. zielführend? Eine rege Diskussion zum Thema werde ich gern hier weiter vertiefen. Was halten Sie davon? Nutzen Sie die Kommentarfunktion am Ende des Artikels bzw. antworten Sie dem Leser oben. Mails dazu erreichen mich ebenfalls unter der bekannten Adresse info@investor-verlag.de.
Spekulanten haben kein Interesse daran, jemandem zu schaden
Meine Meinung: Spekulanten bzw. Hedgefonds haben kein Interesse daran, vorsätzlich anderen zu schaden. Sie tun nur ihren Job: Geld verdienen für ihre Anteilseigner, indem sie Ungleichgewichte nutzen. Sobald diese nicht mehr existieren, wenden sie sich der nächsten Ineffizienz des Marktes zu. So kaufen sie z.B. auch gern unter-, aber verkaufen ebenso überbewertete Anlagen und schaffen damit ein gewisses Gleichgewicht.
Dass sie in den Medien derzeit so verteufelt werden, zeigt nur das Unverständnis sehr vieler Journalisten, wenn es um die Wirtschaft oder gar um Interna der Börse geht. Die Fehler, die jetzt von Spekulationen der Fonds genutzt werden, wurden über lange Zeit hinweg von der Politik (inklusive der Notenbanken) begangen. Namhafte Analysten haben seit Jahren gewarnt, dass diese Krise kommen wird. Jetzt ist sie da und allein die Hedgefonds sollen schuld daran sein!? Seltsame, verkehrte Welt!
Was weiß die Politik mehr als wir?
Der jüngste Aktionismus von Angies Führungsriege erscheint unüberlegt und zeugt von mangelnder Fachkenntnis. Den Finanzmärkten wurde damit weltweit vor allem deutlich gemacht, dass hinter den Kulissen panische Angst vor einer Eskalation der Lage in den Südstaaten die Entscheidungen diktiert. So lasten nach der Herabstufung der Bonitäten auch mehr die Verkäufe der richtig großen Adressen wie Pensionsfonds, Versicherungen und Banken auf den Staatsanleihen der betroffenen Länder als die Nadelspitzen, mit denen Hedgefonds auf die Schwachstellen zielen. Diesen Verkäufen ist natürlich mit einem Verbot nackterLeerverkäufe (das ich im Übrigen nicht verteufele) nicht beizukommen, denn es handelt sich ja gerade um die Besitzer dieser Anlagen.
Die Frage bleibt: Geht es jetzt in Spanien richtig los? Die Märkte spüren die panische Ratlosigkeit der Akteure auf der politischen Bühne. Ein Anleger nach dem anderen drückt auf den Verkaufsknopf. Deren riesiges Volumen treibt die Märkte nach unten, nicht das Shorten durch wenige Hedgefonds, die zudem kaum in Deutschland handeln, über die neuen Regelungen also nur müde lächeln.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Wolfgang Springfeld (25.05. 2010 21:09 Uhr):
Spekulanten produzieren aber keine Waren, sie sind eigentlich überflüssig und sollten mal für 2000 € malochen, damit sie wissen was Arbeit bedeutet!! W. Springfeld
Antworten - Kommentar von Jan Meedendorp (25.05. 2010 22:41 Uhr):
Spekulanten sind nicht das Hauptproblem, auch nicht (zu hohe) Boni. Das Problem ist fehlende Haftung auf allen Ebenen. Z.B. sollte das Risiko zusammen mit den Boni steigen. Wenn Ackermann 10 Mio im Jahr verdienen kann, soll er auch das Risiko haben "alles" zu verlieren, wenn er seine Ziele nicht erreicht. Boni sollten erst nach 7 Jahren ausbezahlt werden, wenn diese dann noch berechtigt sind.
Antworten - Kommentar von Wachauge (26.05. 2010 13:32 Uhr):
Richtig geschrieben. Schliesse mich Ihren Gedanken an. Es sind nicht die Spekulanten, vielmehr die korrupten Politiker, die das ganze Schlamassel über Jahrzehnte eingefädelt haben. Aber die haben noch nie die Schuld bei sich selbst gesucht oder zugegeben. Wer hat denn eigentlich die ganzen Schuldenberge angehäuft? Sicher nicht die Spekulanten. Es waren die kurzsichtigen und die nur stets auf Stimmenfang ausgerichteten Politiker, niemand anders. Und jetzt wollen sie das ganze Problem in dieser "undurchsichtigen" Verpackung dem Volk verkaufen. Man sucht wieder einen Sündenbock, wie immer. Wann wacht ihr endlich auf, ihr einsamen Bürger und Wähler???^Wie lange lässt ihr Euch noch an der Nase herumführen? Der stets steigende Goldpreis jedenfalls lässt nichts Gutes ahnen....
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