Kursverhalten Dax-Einzelwerte nach Crashphasen
Tom Firley in Investors Daily zum Thema Dax 30
vom 24. November 2008, 10:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
heute und in den nächsten Tagen schauen wir uns das Verhalten von Dax-Einzelwerten vor einem Crash, in einem Crash und nach einem Crash an. Möglicherweise können Sie so einige „Erkenntnisse" für das aktuelle Vorgehen an den Aktienmärkten gewinnen.
Schauen wir uns zunächst das langfristige Dax-Bild an:
Wie Sie im Chart erkennen ist der Dax in den letzten 13 Jahren geprägt von heftigen Auf- und Abwärtsbewegungen. Die markantesten Abwärtsbewegungen wurden im Chart rot umrandet. Heute betrachten wir den Crash 1998 (ausgelöst durch den Zusammenbruch des Hedge-Fonds LTCM und die Währungskrise in Russland). Hierfür zoomen wir den Chart etwas näher (Zeitraum 1996 bis Anfang 2000).
Rot eingekreist erkennen Sie das damalige Allzeithoch bei 6.171 Punkten (am 20. Juli 1998), bevor der Absturz bis auf 3896 Punkte (8. Oktober 1998) erfolgte. Wenn Sie die dicke, schwarze Linie auf Allzeithoch-Niveau verfolgen, erkennen Sie, dass der Dax diesen Punktestand wieder etwa 1,5 Jahre später (im Dezember 1999) erreichte.
Was uns interessiert: Wie haben sich die Dax-Einzelwerte in den entsprechenden Phasen verhalten? Hierfür habe ich die Zeiträume in drei Phasen unterteilt.
Die erste Phase beginnt (grün eingekreist) Anfang Dezember - nach der Telekom-Neuemission, als Deutschland aus seinem Aktien-Dornröschenschlaf erwachte - und endet beim Hoch beim dargestellten, damaligen Allzeithoch. Der Dax gewann in dieser Zeit etwa 115% (von 2858 auf 6171 Punkte).
Die zweite Phase ist die Abwärtsphase zwischen den 20. Juli und 8. Oktober 1998, in der der Dax einen Verlust von etwa 37% verbuchen musste.
Die dritte Phase ist die Bewegung nach dem Tief vom 8. Oktober und dem 14.12. 1999, als der Dax wieder das „alte" Allzeithoch erreichte.
Wie sich die Dax-Einzelwerte in diesen drei Phasen verhalten haben, sehen Sie in der folgenden Tabelle (die damals noch nicht emittierten Infineon, Deutsche Postbank, Deutsche Post, Deutsche Börse, Hypo Real Estate fehlen in der Liste).
| 2.12.1996 bis 20.7.1998 |
| 20.07.98 bis 8.10.1998 |
| 8.10.98 bis 14.12.1999 | |||
| Name | Ergebnis |
| Name | Ergebnis |
| Name | Ergebnis |
| SAP | 410,21% |
| Metro | -4,67% |
| Fresenius Medical | 186,04% |
| Volkswagen | 203,80% |
| RWE | -15,34% |
| Siemens | 185,00% |
| Lufthansa | 177,52% |
| Deutsche Telekom | -15,61% |
| Deutsche Telekom | 149,41% |
| Münchener Rück | 156,56% |
| Merck KGaA | -25,75% |
| Thyssen-Krupp | 127,39% |
| Allianz SE | 145,85% |
| E.ON AG | -27,27% |
| Deutsche Bank | 68,43% |
| BMW | 138,13% |
| K+S | -30,83% |
| BASF | 67,35% |
| Continental | 129,70% |
| Henkel AG & Co. | -32,21% |
| Commerzbank | 65,75% |
| adidas AG | 117,23% |
| MAN | -32,52% |
| SAP | 57,00% |
| Deutsche Bank | 115,76% |
| Münchener Rück | -32,80% |
| BMW | 51,56% |
| Henkel AG & Co. | 106,53% |
| Bayer | -34,00% |
| Lufthansa | 50,92% |
| Metro | 99,05% |
| Allianz SE | -36,45% |
| K+S | 46,41% |
| MAN | 98,90% |
| BASF | -37,02% |
| Bayer | 36,41% |
| Commerzbank | 92,36% |
| adidas AG | -38,45% |
| Linde | 34,12% |
| Siemens | 80,16% |
| Daimler | -38,49% |
| Allianz SE | 32,13% |
| Daimler | 74,35% |
| Linde | -38,57% |
| MAN | 29,05% |
| Thyssen-Krupp | 69,69% |
| Siemens | -40,11% |
| Münchener Rück | 26,28% |
| Deutsche Telekom | 64,72% |
| Commerzbank | -42,40% |
| Daimler | 25,52% |
| BASF | 60,48% |
| Deutsche Bank | -46,60% |
| Continental | 14,29% |
| K+S | 57,14% |
| Thyssen-Krupp | -46,79% |
| Metro | 2,60% |
| RWE | 51,47% |
| Volkswagen | -47,02% |
| E.ON AG | -2,91% |
| Merck KGaA | 46,88% |
| Lufthansa | -47,41% |
| Volkswagen | -3,22% |
| Bayer | 45,66% |
| Continental | -47,63% |
| Henkel AG & Co. | -5,93% |
| Linde | 41,86% |
| SAP | -48,79% |
| Merck KGaA | -6,31% |
| E.ON AG | 28,40% |
| Fresenius Medical | -49,58% |
| RWE | -17,91% |
| Fresenius Medical | -14,82% |
| BMW | -52,26% |
| adidas AG | -24,73% |
Auf den ersten Blick mag diese Liste nicht megaspannend aussehen... Aber welchen „Glauben" haben sehr viele Anleger in oder kurz nach einem Crash?
Zum Beispiel, dass die Aktien, die vor dem Absturz stark angestiegen sind, auch in der Rally wieder stark ansteigen.
Gucken wir kurz auf die Gewinner „vor dem Crash 1998": Die SAP-Aktie gewann Ende 1996 bis Juli 1998 unglaubliche 410 % (erste Tabelle) und verlor in der allg. Abwärtsbewegung (zweite Tabelle) fast die Hälfte an Werte. Die darauf folgende Aufwärtsbewegung (dritte Tabelle) von 57% ist sicherlich beachtlich, aber hiermit war die SAP-Aktie im Vergleich zu den anderen Highflyern eher im Mittelfeld angesiedelt.
Dann haben wir noch Volkswagen. Die Aktie gewann in der ersten Phase 203%, verliert im Crash auch etwa die Hälfte an Wert und in der dritten Phase verliert die VW-Aktie weitere 3%! Noch einmal zum Vergleich: Der Dax gewinnt in der dritten Phase etwa 115%.
Der Rückschluss, dass alles nach einem Crash steigt, was auch vorher schon angestiegen ist, kann also nicht gelten.
Sicherlich, diese Darstellung ist nur ein grober Vergleich (und vielleicht etwas starker Tobak für Monatabend). Aber sie sensibilisiert für eines: Eine starke Aufwärtsbewegung vor einem Crash ist kein Garant für weiter steigende Kurse nach der Abwärtsbewegung.
So weit so gut. Morgen schauen wir uns das Ganze auf aktuellem Niveau an. Ich hoffe, Sie fanden den kleine - aber für die morgige Darstellung notwendigen - Ausflug in die Vergangenheit genauso interessant wie ich, als ich diese Liste für Sie erstellte. Sicherlich finden Sie bei weiterer Analyse dieser Tabelle noch weitere Zusammenhänge.
Viel Erfolg an der Börse
Tom Firley
PS: Wow. Der Dax liegt dank Citigroup-Rettung zur Stunde über zehn Prozent im Plus, der Dow Jones bringt es auf knapp vier Prozent! Anschlusskäufe sorgen derzeit dafür, dass ALLE Dow-Jones-Werte im Plus liegen. Jetzt bin ich natürlich brennend auf die letzten Handelsstunden gespannt. „Hoffentlich" rächt sich die heutige Dax-Outperformance gegenüber dem Dow Jones morgen nicht... Mehr hierzu morgen im Investors Daily Update.

