Kursrutsch nach Feierabend
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 12. Juni 2008, 17:00 Uhr
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Hier im Nebenwerte Daily will ich Sie keinesfalls mit knochentrockener Theorie der Chart- und Markttechnik bombardieren und Ihnen dabei Linien aufzeichnen, unterhalb derer die Welt untergeht, oder mindestens eine Spekulation in die Hose...!
Ich werde Ihnen vielmehr einige wichtige Investitionsregeln näher bringen und diese anhand der Charts der Nebenwerte-Indizes illustrieren. In den kommenden Wochen werden wir schrittweise tiefer in die Materie eintauchen, ohne dabei zu viel theoretischen Ballast aufzunehmen. Vielmehr stelle ich den Menschen und seine Gewohnheiten in der Charttechnik gerne in den Vordergrund.
Mit ein wenig Übung erkennt man rasch das charttechnisch negative Überdeckungsmuster, welches der schlechte US-Arbeitsmarktbericht im TECDAX vergangenen Freitag verursacht hat. Als Folge erhöhte sich die Abwärtsdynamik nochmals, die auch nicht vom kurzfristigen Aufwärtstrend gebremst werden konnte. Dieser verlief bei etwa 830 Punkten und kann nun getrost zu den Akten gelegt werden. Jetzt geht es einzig um die Frage, ob der Kursverfall im Bereich der unterstützenden Bodenbildungsformation bei 750 bis 770 Punkten gestoppt werden kann.
Der dominierende Abwärtstrend bleibt vorerst intakt
Im Chart des TECDAX der vergangenen sechs Monate erkennt man den mittelfristigen Abwärtstrend, der sich seit Januar etabliert, aber Anfang April von einem kurzfristigen Aufwärtstrend abgelöst wurde. Das ALLERWICHTIGSTE was Sie aber immer zuerst prüfen müssen ist, in welche Richtung der übergeordnete Trend verläuft. Eigentlich ist der von mir gewählte Zeitraum viel zu kurz um dies zu beurteilen, aber ich wollte Ihnen ebenfalls die Entwicklung der vergangenen Wochen verdeutlichen.
Die einfachste Methode um den übergeordneten Trend zu überprüfen, ist die Interpretation des gleitenden 200-Tage-Durchschnitts. Diese hier rot gezeichnete Linie verläuft derzeit leicht nach unten geneigt und signalisiert einen sich abschwächenden Bärenmarkt. Hier erkennt auch der geübte Laie auf einen Blick, dass er mit seinen Long-Positionen gegen den primären Trend handelt und damit gegen die wichtigste Regel der Charttechnik verstößt. Nämlich nie entgegen dem Trend zu handeln.
Dieses Thema werde ich bestimmt noch häufig hier in diesem Newsletter aufgreifen.
Die untergeordneten Trends sind nun wieder negativ
Natürlich hat es einen gewissen Charme, wenn man sich des Risikos bewusst ist und etwas Übung hat, auch einmal einen kurzfristigen Trend zu spielen". Dafür würde sich für die ganz hartgesottenen unter Ihnen die 20-Tage-Linie anbieten. Wem ein Zeithorizont von etwa einem Quartal genehm ist, der sollte die hier blau gezeichnete 50-Tage-Linie im Auge behalten. An dieser orientieren sich übrigens auch sehr viele Vermögensverwalter und Fondsmanager, weshalb der 50-Tage-Linie für Investoren dieselbe Bedeutung zukommt wie die 20-Tage-Linie für Trader.
Am vergangenen Freitag hat sich der Index an nach der Veröffentlichung des negativen US-Arbeitsmarktberichts an einer prominenten Stelle den Kopf gestoßen, nämlich an der sehr wichtigen 200-Tage-Linie. Dies verstärkt die Bedeutung des ohnehin negativen Kerzenmusters im Chart und macht mindestens einen Test der steigenden 50-Tage-Linie oder eher der unteren Begrenzung des Aufwärtstrendkanals wahrscheinlich. Über den Ausgang dieses Tests kann man heute aus verschiedenen Gründen nur spekulieren. Aber der Investor sollte auf alle Fälle gewarnt sein, vor allem wegen des fallenden übergeordneten Trends! (fallende 200-Tage-Linie)
Ausgereifte Bodenbildung wirkt unterstützend
Um den Sachverhalt hier zu vereinfachen, will ich Sie noch auf die fast abgeschlossene Bodenbildungsformation hinweisen, und auf zwei Unterstützungen, die Sie in den kommenden Tagen im Auge behalten sollten. Da ist zum einen die Oberkante des hier nicht sehr gut ersichtlichen Seitwärtstrends bei ca. 800 Punkten und die obere Begrenzung des fallenden Abwärtstrends, die heute bei etwa 750 verläuft.
Wie gesagt, ich bin kein Analyst, der sklavisch auf irgendwelche Linien und Geraden starrt.
Aber unterhalb des Niveaus 720 bis 750 Punkte ist der TECDAX mehr als angeschlagen und die Gefahr neuer Bewegungstiefs wächst ganz erheblich.
Seien Sie also wachsam, in den nächsten Tagen wird die Gangart der Märkte viel rauer als in den vergangenen Wochen sein.
Aber trotzdem sollten Sie nun nicht den Fehler machen, voller Panik und komplett bei den Nebenwerten auszusteigen. Ich will vielmehr ihre Wachsamkeit schärfen und zur Geduld mahnen. Denn noch hat der TECDAX die Chance, seine im Frühjahr gebildete Bodenbildung zu testen, nur um dann zum Zeitpunkt des größten Pessimismus eine Gegenbewegung einzuläuten.
Genießen Sie die Sommertage und die Kickerei in unseren alpenländischen Nachbarländern!
Mit sommerlichen Grüßen
Ihr Klaus Buhl