Kursmanipulationen bei Nebenwerten
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 3. Juli 2008, 17:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leserinnen und Leser,
nach wie vor macht es in diesen Tagen keinerlei Freude, Aktionär zu sein! Wie von einem Magneten angezogen und praktisch ohne Gegenwehr zieht es die Kurse nach unten! An einem Tag erwischt es mal die großen Werte etwas stärker als die Nebenwerte, die dann am kommenden Handelstag das Versäumte nachholen und umso dynamischer nach unten rauschen.
Kleine Erholungen verlaufen nur innerhalb eines Handelstages, was die nicht nachlassende Verkaufsbereitschaft des Publikums unterstreicht. Alle wollen das rutschige Parkett zur gleichen Zeit verlassen und das sogar um jeden Preis!
An der Nachrichtenlage hat sich nicht viel geändert, die Themen Inflationsangst, Ölpreis, drohender Iran-Konflikt und Finanzkrise beherrschen die Schlagzeilen.
Und doch ist mir in der jüngsten Vergangenheit eine Handelssystematik aufgefallen, die zwar nicht neu ist, aber nur in emotional sehr aufgeheizten Marktphasen funktioniert.
Manipulation und mangelndes Vertrauen
Kürzlich habe ich hier in einem Beitrag den Zusammenhang zwischen Vertrauen und Aktienkursen erklärt. Kurse steigen nur, wenn die Investoren Vertrauen in den Markt, bzw. das betreffende Unternehmen haben. Misstrauen die Anleger dem breiten Markt ist das schlimm genug. Verschärft wird die Situation aber noch, wenn einzelne Akteure gezielt Anschuldigungen gegen Firmen streuen, deren Aktien sie geliehen haben, um sie leer verkaufen zu können. Um eine Aktie taumeln zu lassen, benötigt man in nervösen Märkten keine großen Inhalte. Schon kleine Ungereimtheiten in einem Pressetext oder im Zahlenwerk der Firma können ausreichen, um die Marktkapitalisierung der Firma um ein Drittel zusammendampfen zu lassen. Sobald ein Gerücht gestreut ist und die Aktie etwas schwächelt, verkaufen die shorties" mit hohem Volumen ihre geliehenen Aktien. Die ersten Stopp-Loss-Aufträge von Unbeteiligten werden ausgeführt, der Verkaufsdruck und das Handelsvolumen erhöhen sich stetig. Dann verkaufen weitere Marktteilnehmer nach dem Motto wo Rauch ist muss auch Feuer sein" und lösen die nächste Stopp-Loss-Lawine" aus.
Je nervöser der Gesamtmarkt ist, desto besser funktioniert dieses böses Spiel und um so schneller nährt die Baisse die Baisse!
Krimi bei der Wirecard AG
Exakt diese tödliche Kombination aus Vertrauensverlust, schlechtem Krisenmanagement und halbherzigen Statements in einem nervösen Gesamtmarkt erleben wir zur Zeit bei der im TECDAX notierten Wirecard AG!
Problematisch für Wirecard ist zusätzlich, dass die Gerüchte, die sich vor allem um den Wachstumsprozess und die Konsistenz der Jahresplanung drehen, deren neue Banksparte betreffen. Und Gerüchte um Probleme in einer Banksparte, vor allem da viele Aktionäre die genaue Firmenstruktur gar nicht kennen, sind in Zeiten von schwelenden Finanzkrisen natürlich ein gefundenes Fressen für die Bären, die Bullen mal wieder an den Hörnern zu packen!
Die Wirecard AG bezeichnet sich als einer der führenden internationalen Anbieter elektronischer Zahlungs- und Risikomanagementlösungen. Weltweit unterstützt Wirecard über 9.000 Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen bei der Automatisierung ihrer Zahlungsprozesse und der Minimierung von Forderungsausfällen. Die Wirecard Bank AG bietet Konten- und Kreditkarten-Dienstleistungen sowohl für Geschäfts- als auch Privatkunden und bietet sicheres Bezahlen bei zahlreichen Akzeptanzstellen von MasterCard.
Aber da ein Chart bekanntlich mehr aussagt als tausend Worte und nur selten lügt, sehen Sie hier bitte den Halbjahreschart der Wirecard AG!
Copyright: Tradesignalonline.com
