Kurslücken und das Wembley-Tor
Till Kleinlein in CFX Trader Kolumne
vom 28. Juni 2010, 08:30 Uhr
nach dem grandiosen Sieg der deutschen Nationalelf bei der Fußball-Weltmeisterschaft gegen England fällt es mir heute schwer, über die Börse zu schreiben. Schließlich hat es ganze 44 Jahre gedauert, bis es endlich die Gegenreaktion auf das Wembley-Tor gab. Nun ist es so, wie bei Kurslücken auch - die Differenz zwischen Eröffnungs- und Schlusskurs des Vortages: Irgendwann werden Gaps immer geschlossen. Meist sehr rasch, was beim Fußball häufig durch Konzessionsentscheidungen des einsichtigen Schiedsrichters passiert, manchmal dauert es aber viele Jahre. Auch über das gestrige Nicht-Tor, welches doch ein korrekt erzieltes war, wird man noch sehr lange reden.
Was für Fußball-Deutschland Özil und Müller sind, ist der Softwarekonzern Oracle für die Wall Street. Am Freitag gab es sonst kaum positive Nachrichten zu vermelden, doch Oracle hat mit seinen Quartalszahlen wieder Mut gemacht. Ein Hoffnungsträger!
Der Kurzüberblick:
Dax: -0,73%
Dow Jones: -0,09%
S&P 500: +0,29%
Nasdaq: -0,33
EUR/USD: -0,04%
Gold: +1,07%
Silber: +2,08%
Öl (Sorte Brent): +2,89%
Trading-Chancen des Tages
Wie jeden Morgen habe ich auch diesmal ein paar Werte genauer für Sie unter die Lupe genommen. Dies ist meine ganz private Watchlist mit potenziellen Trades, welche kurzfristig ausgerichtet sind. Trading-Ideen anderer Handelsinstrumente werden im CFX Broker Blog vorgestellt.
Dax (DAX.I): die magische Anziehungskraft
Am frühen Morgen scheiterte der Dax bei seinem Versuch, die abwärts gerichtete Trendlinie (rote Linie) zu überwinden. Für mich war dies der Auslöser, um eine Short-Position zu eröffnen. Eine Teil-Gewinnmitnahme nahm ich dann vor, als die Unterstützung bei 6.094 Punkten erreicht wurde. Den Rest, nach deutlich tieferen Notierungen bei 6.079 Punkten, nachdem sich die Bullen wieder mehr zutrauten.
Die logische Konsequenz auf die Entwicklung der letzten Handelstage wäre ein Besuch der 6.000er-Marke. Schließlich entwickeln diese magischen Kurs-Marken häufig auch magische Anziehungskräfte.
Gegenwärtig wirken die Kräfte aber noch nicht besonders stark. Vorbörslich hält sich der Dax knapp unterhalb des Dopple-Widerstands - 6.094 und 6.100 Punkte - auf. Kann der deutsche Leitindex diese Hürden überspringen, und dann auch noch die rote Trendlinie, kaufe ich den Dax. Bereits bei 6.140/45 Zählern stößt er dann aber schon wieder auf Widerstand. Hier sind daher Gewinnmitnahmen (oder Teil-Gewinnmitnahmen) wahrscheinlich. Ausnahme: Er stört sich nicht an der Barriere und lässt diese locker hinter sich. Dann kommen bei 6.175 und letztlich bei 6.200 Punkten die nächsten Hürden auf ihn zu. Sie merken: Der Dax hat es nach oben recht schwer. Etwa alle 25 Dax-Punkte türmt sich schon der nächste Widerstand, bei seinem Weg nach oben, vor ihm auf. Ein wachsames Auge - die Beobachtung der Candles sowie der Indikatoren - und bei Neueinstiegen auch Anpassungen beim Stopp-Management sind daher von Nöten. Gegebenfalls muss dann auch der sonst verwendete 25 Dax-Punkte-Stopp minimiert werden, damit aus Gründen eines vertretbaren Chancen-/Risikoverhältnisses im Bereich zwischen 6.100 und 6.200 Punkten überhaupt getradet werden kann.
Alle genannten Kurs-Marken stellen auch Short-Marken dar, die bei Schwächephasen des Dax auch zu Short-Einstiegen führen könnten. Doch ich beschränke mich aufgrund der genannten Gründe nur auf wenige Einstiege. Bei einer Erholungsbewegung, wenn die Bullen mit der dünner werdenden Luft bei 6.200 Punkten ihre Schwierigkeiten bekommen sollten. Außerdem, wenn der Dax nach einem Anstieg wieder die Kurs-Zone um 6.100/6.094 Punkte an die Bären abgeben muss. Und schließlich sobald das Freitagstief, knapp unterhalb von 6.050 Punkten, unterschritten wird.
Bei einem Abdrehen an der 6.000er-Marke gehe ich long, sowie bei einer Kurs-Stabilisierung am Freitagstief.
Ergebnis v. Freitag: Gewinn 47 Dax-Punkte
Dax - 30-Minuten-Chart
Dax (DAX.I): Die Anziehungskraft der 6.000er-Marke wirkt noch nicht, doch weit ist es bis dort auch nicht mehr.
Weiterhin gilt:
Bei allen Dax-Trades ist zu beachten, dass diese möglichst eng abgesichert werden. Für mich bedeutet das ein maximaler Verlust von 25 Punkten pro Trade, den ich bereit bin zu erleiden.
