Kupfer: Produktion fällt, Streiks in Chile
Daniela Knauer in Nebenwerte Daily zum Thema Kupfer als Geldanlage
vom 22. Juli 2011, 17:00 Uhr
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obwohl die Berichtssaison inzwischen auf Hochtouren läuft, zeigten sich die Märkte in den vergangenen Tagen noch mehr beeinflusst von den jeweiligen Neuigkeiten der Staatsschuldenkrisen als von den Zahlen der Unternehmen. Nun ist also zumindest vorläufig in Europa ein Rettungsplan verabschiedet, auch wenn er wieder nur die Probleme in die Zukunft verschiebt, statt sie zu lösen. Die Transferunion ist damit in Kraft, ohne dass bei den "Geberländern" der Protest ähnliche Ausmaße annimmt wie die Sparbemühungen in den "Nehmerländern" sie verursachen. Das neue Allzeithoch beim Goldpreis sowohl in US-Dollar als auch in Euro sagt alles - das Problem des Abwertungswettlaufs der Schuldner-Währungen wird uns noch geraume Zeit begleiten, wie auch immer die Lösung aussehen wird, die in den USA in der kommenden Woche fällig wird.
Da kommen wir doch lieber zu etwas erfreulichen Nachrichten, nämlich den Quartalszahlen. Wer geglaubt hatte (und das sind nicht wenige!), bei Apple könne das nicht so weitergehen mit den immer wieder die Markterwartungen übertrumpfenden Zahlen, der sah sich eines besseren belehrt. Es geht so weiter, vor allem die Nachfrage nach den I-Pads kann kaum befriedigt werden. Sie fragen sich, was das bei meinen Nachrichten aus dem Rohstoffsektor zu tun hat? Viel, denn diese kleinen Tabletts sind nur mit vielen seltenen Nebenmetallen herstellbar. Und bei denen kommt die Produktion kaum noch hinterher, denn meist können sie nur als Beiprodukt aus der Förderung von Industriemetallen wie Kupfer oder Zink gewonnen werden. Und diese kann nicht mal eben wegen der immer wertvolleren Beiprodukte erhöht werden.
Gerade bei den großen Kupferproduzenten sahen die Produktionszahlen nicht berauschend aus. So meldete Rio Tinto, dass der Kupferabbau im zweiten Quartal um 24% gefallen sei gegenüber dem gleichen Vorjahresquartal. Auch bei BHP Billiton ist sie um sechs Prozent auf 272.300 Tonnen gesunken, in deren chilenischer Mine Escondida sogar um acht Prozent. Kein Wunder, dass sich das rote Metall weiter recht fest präsentiert trotz sich eintrübender weltweiter Wirtschaftsaussichten, die sich in den Ausblicken vieler Industrieunternehmen manifestieren.
Dazu trägt auch bei, dass es in Chile als wichtigstem Erzeugerland immer wieder zu kurzen Streiks und damit Produktionsunterbrechungen kommt. Die Arbeiter wollen mehr von dem sprudelnden Gewinn sehen, den die internationalen Konzerne aus dem Reichtum ihres Landes ziehen. Vor allem die Zahlungen von Bonusbestandteilen am Gehalt ärgern sie, denn diese sind an die (sinkende) Kupferproduktion gebunden. Zu langen Streiks kann es zwar nicht kommen, denn dazu sind die chilenischen Arbeitsgesetze zu sehr arbeitgeberfreundlich ausgestaltet. Aber bei dem eh schon relativ angespannten Markt führen sie eben immer wieder zu kurzfristigen Preiszuckungen durch nervöse Rohstoffhändler.