Kupfer bleibt in Konsolidierungslaune
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Kupfer als Geldanlage
vom 30. März 2011, 20:30 Uhr
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Eigentlich hat sich nicht viel verändert gegenüber meiner letzten Einschätzung zum Kupfermarkt vom 16.März. Noch immer ist Abwarten angesagt, während sich der Kupferpreis in Konsolidierungslaune befindet. Bullische Argumente wechseln sich mit sorgenvollen Argumenten ab und dennoch, oder gerade deshalb, könnte der Kupfermarkt bald sehr interessant werden.
Die positive fundamentale Ausgangslage
Gestern hat das britische Research-Haus Brook Hunt noch einmal klar gestellt, dass es nach wie vor ein deutliches Defizit im Kupfermarkt erwartet.
Brook Hunt geht für dieses Jahr von einem erwarteten Defizit in Höhe von 570.000 Tonnen Kupfer aus und einem chinesischen Nachfragewachstum in Höhe von 6% aus. Das erwartete Defizit fällt somit sogar noch höher aus, als die Erwartungen der International Copper Study Group, bei einem Defizit von 435.000 Tonnen, von denen ich Ihnen bereits berichtet hatte. Und andere gehen sogar noch weiter: Barclays Capital erwartet beispielsweise ein fast doppelt so hohes Defizit.
Grundsätzlich dürfte, wie ich ebenfalls schon berichtet hatte, auch nach Meinung von Brook Hunt der aktuelle chinesische 5-Jahres-Plan unterstützend für die Nachfrage wirken. Sozialer Wohnungsbau und ein zu erwartendes Automobilabsatzwachstum in Höhe von 10-15% für dieses Jahr, als Auswirkungen des 5-Jahres-Plans, wirken ihrerseits unterstützend.
Insofern hat sich eigentlich nicht viel geändert im Hinblick auf meine Überlegungen der letzten und vorletzten Woche. Defiziterwartungen, Erwartungen hinsichtlich einer weiter wachsenden chinesischen Nachfrage, eine angespannte Angebotsseite - das alles bestätigt meine mittelfristigen Aussichten auf weiterhin hohe und wieder steigende Preise für das Metall. Und eine Entspannung der Lage von der Angebotsseite her, mit der frühestens in 2 Jahren zu rechnen ist...Brook Hunts geht zwar davon aus, dass sich die Lage im Kupfermarkt erst in 2015 entspannen wird...aber na ja, wer von uns kann schon tatsächlich in die Zukunft blicken?!
Und dennoch...die Argumente, welche aktuell fürs Abwarten sprechen
...ein Gefühl lässt mich nicht los und das hat zum einen mit Japan zu tun. Erstens sind die Probleme um Fukushima noch immer nicht gelöst, zum anderen hat der Markt zwar zwischenzeitlich bereits damit versucht die späteren Erwartungen aus dem Wiederaufbau vorweg zu nehmen, dennoch bleibt die Frage, wie sich die Phase dazwischen, also bis der Wiederaufbau beginnen kann, auf das Nachfragewachstum auswirken wird. Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass Japans Nachfrage bis zum Ende des 3.Quartals natürlich einbrechen wird und sich erst ab dann wieder ein Nachfragewachstum aufbaut.
Natürlich ist Chinas Nachfragewachstum ungleich wichtiger für den Kupfermarkt, dennoch, Japan steht immerhin für rund 5% des globalen Kupferverbrauchs, also circa 1,1 Millionen Tonnen Kupfer.
Und wo wir gerade bei China sind....
Wir alle wissen, dass China, als weltweit größter und wachstumsstärkster Kupferverbraucher besonders wichtig für den Kupfermarkt ist. Nun rechne ich zwar auch für dieses Jahr nicht mit einem massiven Nachfrageeinbruch von Seiten der Chinesen, dennoch bleibt im Markt die Frage zurück, wie hoch denn das Verbrauchswachstum der Chinesen in diesem Jahr tatsächlich ausfallen wird. Keine unbegründeten Überlegungen, angesichts, wie ich schon schrieb, aktuell hoher Lagerbestände und zurückhaltender chinesischer Käufer. Deren Preissensitivität macht sich derzeit durchaus bemerkbar und natürlich sind die fortlaufenden Straffungsbemühungen seitens der chinesischen Offiziellen nicht gerade dazu angetan, den Optimismus zu schüren.
Europa und die USA
Ebenfalls darf man natürlich auch nicht den Einfluss von Europa und den USA unterschätzen, zwei Märkte, die sich derzeit erholen und im vergangenen Jahr ganz gut zum Nachfragewachstum beigetragen haben. Die Probleme und Unsicherheiten in Bezug auf Europa muss ich nicht extra aufwärmen, doch auch die neuesten Kommentare einiger FED-Offizieller führen zu unterschiedlichen Interpretationsspielräumen.
Nun gelten zwar die FED-Mitglieder Hoenig und Lacker beispielsweise generell als eher hawkish. Aber nachdem nun auch der, eher als sagen wir mal ausgeglichen zu bezeichnende, James Bullard, von der FED St.Louis gestern zu Protokoll gab, dass es möglicherweise bald Zeit sei für die FED, die ultra-lockere Geldpolitik zu überdenken, (Zumindest, so Bullard, wenn sich die US-Wirtschaft in diesem Jahr als so stark erweisen sollte, wie er es erwartet.), überlagern, neben den globalen Wachstumssorgen, nun auch stärker aufkeimende Erwartungen an Zinsanhebungen in den USA, die Aussichten für die Industriemetalle. Zwar sind diese Überlegungen noch reichlich früh, zumal die FED-Hawks nach wie vor einer starken Opposition an dovishen FED-Mitgliedern, wie Bernanke, der sich nach wie vor Sorgen um die Entwicklung des Arbeitsmarktes macht, gegenüberstehen. Und natürlich kommt es auch immer auf die Interpretation und die damit verbundenen Erwartungen an..und dennoch...
Konsolidierungsphase
...so treffen also die mittelfristig preisunterstützenden Aussichten, auf die kurzfristig eher preisdrückenden Überlegungen, gewürzt mit einem guten Schuss an Unsicherheit, was aktuell eher für eine Fortsetzung der Konsolidierungsphase spricht. Sie wissen ja, vor ein paar Wochen hatte ich mir noch ein tieferes Preislevel gewünscht, bei unter 4 USD, allerdings dürften wir das wohl doch nicht so schnell sehen, so lange die Unterstützung bei 4,18 USD pro Pfund hält.
Und obgleich ich also das Gefühl habe, dass die Nervosität noch lange nicht verschwunden ist, der Markt für Schwankungen und Rücksetzer also durchaus anfällig bleibt...mittelfristig bleiben die Aussichten vom aktuellen Standpunkt aus betrachtet gut, was Kupfer vielleicht ab etwa Mitte des 2.Quartals, wenn die chinesische Nachfrage hoffentlich wieder verstärkt einsetzt, eben wieder durchaus interessant werden lässt. Im besten Falle trifft die chinesische Nachfrage dann auch auf ein entsprechend günstigeres Preislevel, von dem ausgehend, die weitere Kupferpreisentwicklung dann noch wesentlich interessanter werden könnte. Na ja, also mal schauen was noch kommt...
Sehen wir uns zum Abschluss noch die Kupferpreisentwicklung seit September letzten Jahres an, mit der aktuellen Konsolidierungsphase seit dem Hoch im Februar:
Kupfer in USD/Pfund Comex
Quelle: CFX-Trader
Im 2.Teil habe ich heute für Sie noch den Beginn einer neuen Reihe vorbereitet...einer Reihe zu allem Wissenswerten und Interessanten was es zum Kupfer und schließlich zum Kupfermarkt zu erzählen gibt. Beginnen möchte ich dabei heute mit einem historischen Überblick. Und im 3.Teil möchte ich heute nun die am Montag begonnene Energiedebatte weiterführen....
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