Kunst als Investment
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 29. November 2002 18:00 Uhr
ENL5454
"Schulden + kein Job = Pleite". Eine Zeitung hat diese Gleichung aufgestellt. Einige Amerikaner haben so hohe Schulden, dass sie "nur" keinen außerplanmäßigen Urlaub einlegen können. Andere erhalten ihren Lohn, der die Ausgaben der Woche finanzieren muss, erst am Montag oder Dienstag. Andere erst eine Woche nachdem die Ausgaben angefallen sind. Und bei anderen – und diese Gruppe wird immer größer – kommen diese Einnahmen überhaupt nicht an. Sie sind arbeitslos und haben Probleme, einen neuen Job zu finden. In der Zwischenzeit muss die laufende Hypothek, die sie gerade erhöht hatten, weiter bedient werden – zusammen mit anderen Notwendigkeiten des Lebens.
*** Ich habe etwas Interessantes für Sie gefunden. "Kunst ist wieder in", so zitierte das Barron's Magazin einen Londoner Banker. Aber, glauben Sie, dass man mit Kunst die Performance von Aktien übertreffen kann? Nicht notwendigerweise. Leute, die Kunst als Investment sehen, erhalten – genau wie jeder, der investiert – das, was sie verdienen. Als der ehemalige Tyco-Boss Dennis Kozlowski noch nicht im Gefängnis saß, kaufte er Bilder von Künstlern mit großem Namen. Die Monets und Renoirs sollten der Welt zeigen, dass Kozlowski nicht nur Geld, sondern auch Kultur habe. Aber ich sage immer, Geld ist nicht der Schlüssel zu Kultur, und es qualifiziert auch keine Kunst. Und ein Dummkopf, der einfach nur "Kunst" als Investment kaufen will, verliert sein Geld genauso schnell wie jemand, der Technologieaktien kauft.
Wenn jetzt die Bildern von Kozlowski zwangsversteigert werden, um seine Steuerschulden bezahlen zu können, "dann denken einige Experten, dass sie ein Schnäppchen machen, wenn sie nur die Hälfte von dem bezahlen müssen, was Kozlowski für die Bilder bezahlt hat", so Barron's.
Der britische Eisenbahner Pensionsfonds investierte zwischen 1975 und 1980 60 Millionen Dollar in Kunst, und es stellte sich heraus, dass der Ertrag bei 4 % pro Jahr lag – deutlich weniger als das, was mit anderen Investments im gleichen Zeitraum möglich gewesen wäre. Kunst ist auch nicht immun gegenüber dem Booms und Krisen, die es auf den anderen Märkten gibt. "Nymphéas" von Monet wurde zum Beispiel am 8. November 1999 für 22,6 Millionen vom Auktionshaus Christie's verkauft. Drei Jahre später wurde es für "nur" 16,83 Millionen Dollar verkauft. Und "moderne Kunst" liefert noch schlechtere Ergebnisse als alte Meister – außer man hat wirklich Glück. "Konzeptionelle Kunst ist eine der größten Marketing-Erfolgsstories aller Zeiten", so mein Freund Michel beim Mittagessen. Man hängt eine Gabel vor einen weißen Hintergrund und nennt das dann "Zerstörung des Ego" oder so, und kann dieses Kunstwerk dann für Millionen Dollar verkaufen – oder für gar nichts. "Und dann können die Professoren der Kunstgeschichte in den Universitäten nicht mehr konzeptionelle Kunst von wirklicher Kunst unterscheiden. Deshalb achten sie darauf, für wie viel Geld die Kunstwerke verkauft werden können – als ob das ein Kriterium für Kunst wäre. Deshalb hat auf einmal die konzeptionelle Kunst Einzug in die Akademien und Galerien gehalten. Nach einiger Zeit scheint die ganze Welt davon überzeugt zu sein, dass dieser Schrott etwas wert ist. Die Künstler werden auf ein Niveau mit Rembrandt gestellt, obwohl viele von ihnen noch nicht einmal einen Pinsel von einer Klobürste unterscheiden könnten."
Nachdem mir Michel seine Meinung klargemacht hatte, machte ich mich auf den Weg zu einem Auktionshaus (Drouot), wo ich so kaufen werde, wie ich es mit Aktien mache: Billig. Ich werde niedrige Gebote für unbekannte Bilder von zweit- und drittklassigen französische Landschaftsmaler des 19. Jahrhunderts abgeben. Mit ein bisschen Glück werden diese Bilder – gut platziert in meinem Haus – meinen Gästen gefallen ... und meine Erben werden zumindest das, was ich dafür bezahlt habe, beim Verkauf wieder reinbekommen.