Bill Bonner ist einer der anerkanntesten Finanzexperten der USA und Bestseller-Autor. Bei uns schreibt er regelmäßig im Börsen-Newsletter Kapitalschutz Akte.
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Weitere Börsenthemen
vom
“Auch wir sollten kürzer treten”, begann ich eine Unterhaltung mit meiner Frau Elizabeth.
„Wir geben zu viel Geld aus. Unsere Leben ist zu kompliziert. Wir besitzen zu viel… wir haben zu viele Häuser… und zu viel, um das wir uns kümmern müssen.“
„Ja, du hast Recht… wir müssen es einfacher machen.“
“Vielleicht sollten wir uns von der Wohnung in Paris trennen. Ich bin sowieso nach London gezogen.“
“Oh nein… ich liebe diese Wohnung. Und es ist der Ort, an dem ich lebe, wenn ich in der Stadt bin. Und wenn wir umziehen, dann werde ich die Wohnung vermieten.“
“Nun, dann könnten wir vielleicht das Haus auf dem Land loswerden.”
“Ach nein… das können wir nicht… das ist unser Zuhause. Und da haben wir all unsere Sachen… und wir verbringen dort die Weihnachtstage… und haben Freunde dort… und dort ist auch deine Tante beerdigt.“
“… und davon abgesehen… wo würde ich mein Pferde halten?”
“Nun, vielleicht solltest du die Pferde loswerden. Sie sind sehr teuer… ganz besonders das Pferd, das du in Paris hast.“
“Sei nicht albern. Ich reite gern. Kürzertreten ist eine Sache, aber du trittst auch nicht kürzer bei all dem, was du so gerne magst. Was hätte man davon? Man tritt doch kürzer, damit man sich auf das konzentrieren kann, was man wirklich gern mag… um die Unordnung aus dem Weg zu räumen. Und reiten ist mir wirklich wichtig.“
“Nun, dann könnten wir zumindest den Gärtner und die Putzfrau im Landhaus loswerden… wir sind fast nie dort…“
„Das können wir nicht machen… wer würde sich um die Pferde kümmern. Und die Putzfrau kommt nur für ein oder zwei Stunden… und nur um nach dem Rechten zu sehen.“
„.. aber es klingt so, als wolltest du nur da kürzer treten, wo es mich betrifft… warum verkleinerst du dich nicht bei dieser Ranch in Argentinien? Es braucht Tage, dorthin zu fahren… und jedes Mal verletzt du dich oder es passiert etwas Schlimmes.“
„Mir gefällt die Ranch aber… und sie wird sich vielleicht noch als eine gute Investition erweisen. Zumindest zahlt sie sich aus.“
„Das sagst du, und trotzdem steckst du letzten Endes jedes Jahr mehr Geld hinein… in die neuen Brunnen… in das Haus… in den Anbau weiterer Weinreben…“
„Doch hier haben wir einen Ort, den man wirklich verkleinern kann. Warum willst du in das Weingeschäft einsteigen? Du weißt doch, dass du davon nichts verstehst… und du wirst ein Vermögen reinstecken und am Ende nichts dafür bekommen. Im vergangenen Jahr haben sie sogar vergessen, die Trauben zu ernten… aber was erwartest du? Du hast Cowboys, die sich um deinen Wein kümmern sollen.“
„Einen Augenblick… das ist nur ein Experiment… keine ernsthafte Investition… ich will nur einige Flaschen daraus ziehen und herausfinden, wie der Wein schmeckt…“
„Es wird der teuerste Wein in der Geschichte… und ich will auch über das elektrische System sprechen, das du dort installiert hast. Es sollte einfach sein. Es sollte billig sein. Aber es sieht aus wie eines der Kraftwerke im nördlichen New Jersey, mit Rohren, die über das ganze Grundstück laufen. Es funktioniert nie wirklich… und das Wasser war kalt, als wir dort waren und du musstest einen Techniker holen, der fünf Stunden brauchte, um dorthin zu kommen, ehe das Wasser wieder lief…“
„Und da wir gerade vom Kürzertreten sprechen, warum trennst du dich nicht von dieser Wohnung in London?“
„Du weißt doch, dass das nicht geht. Die Mädchen müssen doch irgendwo wohnen.“
„Dann sollen sie ihre eigene Wohnung mieten. Sie sind beide erwachsen … sie sind nicht mehr deine kleinen Mädchen.“
„Nun, ich muss auch irgendwo in London wohnen. Und ich arbeite in London. Abgesehen davon, ist es nur eine gemietete Wohnung und noch dazu winzig. Wenn wir uns hier verkleinern, dann muss ich bald stehend schlafen…“
„Aber warum fährst du überhaupt dorthin… weil du arbeiten musst. Aber warum musst du so viel arbeiten? Warum trittst du hier nicht kürzer? Du arbeitest 12 Stunden am Tag und das seit mindestens 35 Jahren… und jetzt reist du durch die ganze Welt und versuchst bei deinem Verlagsunternehmen auf dem Laufenden zu bleiben.
Es gerät außer Kontrolle. Du leitest es nicht mehr, du hast dich dem Unternehmen gegenüber versklavt.
Ist es hier nicht an der Zeit, kürzer zu treten?“
„Das kann ich nicht.
Es ist mein Leben.
Und mehr noch, ich kann es mir nicht leisten… wir brauchen das Geld, um all diese Häuser… die Reisen… deine Pferde… unterhalten zu können.”
„Ach nein… jetzt sind wir also wieder bei den Pferden angekommen.”
„Nun, du scheinst nicht die Absicht zu haben, irgendwo kürzer zu treten… und das ist der Grund, warum ich gezwungen bin, so hart zu arbeiten. Während meines ganzen Lebens habe ich nur versucht, deinen Ausgaben hinterherzukommen.“
„Ach, jetzt gerät es vollständig aus der Hand…”
„In Ordnung… ich mache dir keinen Vorwurf… “
„Doch, das tust du. Und du kannst auch gleich wieder damit aufhören. Ich bin nicht diejenige, die uns nach Europa verfrachtet hat, die ein Haus in Frankreich gekauft hat… oder eine Ranch in Argentinien. Ich bin hier im Haus nicht die Verschwenderin. Ich habe ganz einfach auf unserer Farm in Maryland gelebt und du hast entschieden, dass wir globalisieren.“
“Nun, ich bin ganz gewiss nicht verschwenderisch. Ich lebe ganz einfach. Ich habe noch nicht einmal ein Handy.”
“Ach ja… du bist so sparsam… nicht wahr? Ein Beispiel der Einfachheit und Sparsamkeit. Eine echte Inspiration für all diejenigen, die im Leben kürzer treten wollen. Und du hast zwei Häuser und zwei Wohnungen – natürlich auf unterschiedlichen Kontinenten. Und du hast überall auf der Welt deine Büros – und reist ständig dorthin. Du arbeitest 12 Stunden am Tag… und du bist nie zuhause.“
„… aber du hast kein Handy. Ist das Einfachheit? Trittst du so kürzer?”
“Ja…”