Kuba – ein Land zwischen stumpfer Hinnahme und Aufbruch
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Global Anlegen
vom 5. August 2010, 14:30 Uhr
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es könnte so schön sein in Kuba - dem naturgewaltigen "krokodilförmigen" Inselstaat in der Karibik. Touristen, die einmal dort waren, schwärmen in den höchsten Tönen über Land und Leute, das kubanische Lebensgefühl. Doch das ist auch das andere Gesicht - ein Kuba, das geprägt ist von jahrzehntelangem Kommunismus und sozialistischer Staatswirtschaft. Und davon scheinen die rund 11 Mio. Menschen des Landes nun endgültig die Nase voll zu haben. Die Wirtschaft Kubas steht angeblich am Rande des Zusammenbruchs. Obendrein plagt sich das Land mit schweren Unwetterkatastrophen und Korruption herum.
Kuba liegt im Einzugsgebiet von Tropischen Wirbelstürmen, die sich jährlich von Juni bis November über dem Atlantik und in der Karibik bilden. Nicht selten trifft dabei ein schwerer Hurrikan kubanisches Festland und richtet schwere Verwüstungen an, welche das wirtschaftlich schwache Kuba besonders hart treffen. Insbesondere die meist in Leichtbauweise errichteten Privathäuser sind den starken Winden schutzlos ausgeliefert.
Ein anderes Problem ist die gedeihliche Korruption. Präsident Raúl Castro, Bruder des ehemaligen Staatsoberhauptes Fidel Castro - versucht schon seit geraumer Zeit dieser Entwicklung durch mehr Kontrolle Herr zu werden. Eine von ihm initiierte Behörde sollte die Korruption in den großen Staatsbetrieben unterbinden und die seiner Ansicht damit einhergehenden wirtschaftlichen Probleme abfedern. Doch viele sind sich sicher, dass die Schwierigkeiten des Landes in Wahrheit wohl doch eher in der Unzufriedenheit der Menschen mit dem politischen System ihre Wurzeln haben.
Und was macht Raúl Castro? Er schimpft auf die mangelnde Arbeitslust seiner Landsmänner. Die Kubaner müssten aufhören so zu tun, als sei Kuba ein Land, in dem man gut leben könne, ohne zu arbeiten. So soll er sich in einer Ansprache in der Nationalversammlung geäußert haben. Das erinnert mich doch sehr an die Zustände in der ehemaligen DDR. Planwirtschaft hieß das System, das Produktion klein und Innovation fern von den staatlichen Betrieben hielt. Das brachte statt gerechter Verteilung der produzierten Güter vielmehr einen Lebensstandard, der in keiner Weise dem der westlichen Welt entsprach und die Menschen zunehmend unzufriedener machte. Es mangelte schließlich an so ziemlich allem, schließlich sogar oft am notwendigsten.
1 Mrd. Euro für Lebensmittelimporte
Auch Kuba ist längst nicht mehr in der Lage, seine Menschen ausreichend mit Lebensmitteln zu versorgen. Einem aktuellen Pressebericht zufolge muss das Land mittlerweile 1 Mrd. Euro für Lebensmittelimporte aufbringen. Das steht in völligem Gegensatz zu der Tatsache, dass unter Fidel Castro innerhalb eines halben Jahrzehnts beispielsweise die Kaffee-Produktion von 60.000 auf 6.000 Tonnen zurückging, einfach nur deshalb, weil nicht mehr modernisiert wurde, Fabriken veralteten, Felder verwilderten.
Was helfen würde, wären grundsätzliche politische Reformen. Doch diesen erteilte schon Fidel eine Absage und auch sein Bruder Raúl wagt nur vorsichtige Reformations-Schritte. Ein Ende der US-Blockade scheint nicht in Sicht. Zwar soll Raúl Castro sich Hilfe suchend an Europa gewandt haben, doch auch das hilft wohl kaum den Niedergang von Kubas Wirtschaft zu verhindern. Das haben selbst die Oberhäupter von Kubas Kirche erkannt und nutzen den Abgang des "uneinsichtigen Castrobruders", um nun auch offiziell für Reformen zu kämpfen.
Der Kampf trägt erste zaghafte Früchte: Angesichts der anhaltenden Wirtschaftsmisere kündigte Präsident Raúl Castro am Sonntag bei der Plenarsitzung der Nationalversammlung in Havanna an, dass die Kubaner künftig kleine Geschäfte betreiben und Arbeitskräfte beschäftigen dürfen. Zu diesem Schritt wurde Castro vielmehr gezwungen, weil er den "enormen Personalbestand" im Staatssektor dringend reduzieren muss. Von einer Million Entlassungen im Staatssektor war die Rede. "Der Ministerrat ist übereingekommen, Arbeit auf eigene Rechnung auszuweiten, als weitere Alternative für überzählige Arbeiter", erklärte der Präsident. Gleichzeitig erteilte er eine deutlich Absage in Richtung grundsätzlicher Reformen hin zu freier Marktwirtschaft. Sozialismus und Staatswirtschaft blieben in Kuba unangetastet.
Erste kleine Schritte in Richtung Privatwirtschaft
Dennoch ist dieser kleine Schritt in Richtung Privatwirtschaft ein wichtiger. Der "Erstversuch" Anfang der 1990er Jahre war an bürokratischen Hürden gescheitert. Damals durften "Selbständige" noch keine Mitarbeiter auf eigene Rechnung beschäftigen. Das soll nun anders werden.
Tatsächlich könnte dieser Schritt aber schon zu spät kommen, denn für Kuba tickt die Uhr, das sagt auch Politologe und Kuba-Spezialist Uwe Optenhögel. In einem Interview mit der Schweizer "NZZ" sagt er: Wenn die kubanische Führung die ökonomische Lage des Landes in den nächsten Jahren nicht nachhaltig verbessert, dann wird es wirklich schwierig. Dann könnte es mit der Loyalität der Bevölkerung zur kubanischen Führung bald vorbei sein."
Noch würde das Volk still halten. Da es kein Internet gibt, seien die Kubaner so gut wie blind für den Fortschritt, der sich in den Ländern rund um sie aufbaut. Sie sehen nicht, wie sehr sie von ihrer Führung klein gehalten und benachteiligt werden. Diese Wissenslücke lässt sie schweigend erdulden, was ihnen auferlegt wird. Optenhögel beschreibt es wie folgt: "Bewegt man sich dort, bekommt man den Eindruck, dass das ganze Land gleichsam unter einer Decke von Mehltau liegt."
Eine Hoffnung wäre die Jugend. Sie könnte mit neuem Mut gegen den "Mehltau", der auf ihrem Land liegt ankämpfen, all jene die stumm erdulden, ermutigen anzukämpfen gegen das Unrecht. Doch viele junge Menschen gehen fort, weil sie in ihrem Land weder eine berufliche Perspektive haben, noch ihre Konsum-Bedürfnisse befriedigen können. Kuba bleibt also bis auf einige kleine Reformen seinem Schicksal noch eine Weile ergeben.
Ihnen allen eine gute Zeit.
Ihre
Cindy Bach
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von OT (05.08. 2010 14:52 Uhr):
Ich möchte mal wissen, wo die Jugend hingeht, wenn sie die Insel nicht verlassen dürfen ... In Wahrheit wird die Bevölkerung meiner Meinung nach einfach noch stark unterdrückt. Das sieht man auch daran, dass der größte Teil des Staatsapparates aus Soldaten und Polizisten besteht und die Partei über das ganze Land sehr stark verteten ist. Abgesehen davon heißt der gute Bruder vom Fidel Castro Raul ... ;o)
Antworten - Kommentar von friedrich heimann (05.08. 2010 15:15 Uhr):
Alles ganz schön und gut. Doch werden die armen Kubaner auch dann noch vor dem Fortschritt ihren Kotau machen, wenn sie all der kruden Segnungen der US-amerikanischen Zivilisation (siehe Ölkatastrophe) teilhaftig werden und frohen Sinnes für Hungerlöhne arbeiten sollen? Kommandiert und abgezockt von den feinen Amis. Viel Glück dabei!
Antworten - Kommentar von Herbert Somner (05.08. 2010 16:20 Uhr):
Hallo Frau Bach, der Mann heisst Raúl Castro....unter anderem:-) MfG HS
Antworten - Kommentar von Rummel (05.08. 2010 17:41 Uhr):
Es mag schon sein dass in Kuba durch das Jahrzehnte lange Castro-Regime Probleme bestehen. Dabei wird nur ganz am Rande erwähnt, dass die USA ein politisch nicht genehmes Regime mit einer Blockade bestrafen, so wie andere sogenannte "Schurkenstaaten" auch. Und bei allen Unterschieden: die west-liche "Wertegesellschaft" hat selbst erhebliche Probleme, wie die weltweite Finanz- u. Wirtschaftskrise zeigt. Aber diese wird inzwischen ja bereits wieder schöngeredet. Der Dumme ist dabei wieder einmal der "kleine Bürger", während man den Verursachern Milliarden in den gierigen Rachen stopft.
Antworten - Kommentar von Charles Goodfelow (06.08. 2010 09:42 Uhr):
Interesting article. What you forgot to mention are the relatively large (estimated reserves of 20bn barrels) amounts of oil that exist offshore Cuba. Repsol and StatOil are now beginning to drill about 150km from the Florida keys. Other companies include Petrobras. Petro Vietnam, Zarubezneft, etc. No US companies though for obvious reasons. Oi will potentially be a big earner in future for Cuba. One note: Offshore Cuba is not offshore Gulf of Mexico - much shalower and geology much older and therefore less prone to high pressure problems that arfe typical of deep water Gulf of Mexico. Mfg, Charles
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