"Krisenende", USD, JPY
Alexander Hahn in Investoren Wissen zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 21. September 2010, 16:00 Uhr
ENL5454
gestern schrieb ich Ihnen u.a. darüber, dass die EZB letzten Freitag eingreifen musste, um den irischen Anleihenmarkt zu retten.
Dennoch sind die realitätsverweigernden Stimmen, die von "tragendem Aufschwung" und dem vorläufigen "Ende der Krise" sprechen teilweise immer noch in den Medien zu hören.
Wie gut es der EU bzw. in diesem Fall Griechenland geht, was ja nun vorbildlich "spart", zeigt sich dabei übrigens an einer aktuellen Entscheidung aus Athen, die dort angesetzten vierteljährlichen "Stresstests" für die Banken nicht wie geplant durchzuführen.
Offiziell erklärt man das natürlich damit, dass die griechischen "Stresstests" terminlich sehr nahe an den letzten EU-Tests gelegen hätten, bei denen man ja seine Zahlungsfähigkeit nachgewiesen habe. Dass diese EU-Tests jedoch nicht einmal den Charakter einer schlechten Farce hatten, war bereits Gegenstand hier bei Investoren Wissen. Es kann somit weiterhin davon ausgegangen werden, dass Griechenland alles andere als über den Berg ist.
Doch nicht nur in Europa kommt die Krise wie erwartet wieder hervor, sondern auch in den USA, was den US-Dollar auch wieder kräftig unter Druck bringt.
Abb.: Aktueller Chart des US-Dollar-Index
Zieht man etwa den US-Dollar-Index heran, um die Stärke der Währung gegen einen Korb wichtiger weiterer internationaler Währungen zu messen, so zeigt sich klar, dass der Index weiterhin im Abstieg ist. Zwar gab es im August eine kleine Zwischenerholung, doch verläuft natürlich auch kein Trend stets linear.
Wie Sie sehen können, gelang es dem Index nicht, über seinen EMA(20) bzw. die 50-Tage-Linie zu steigen.
Diese Entwicklung machte offenbar einigen Leuten in Japan Sorgen, so dass man sich entschloss, zu Ungunsten der eigenen Bevölkerung massiv gegen die eigene Währung zu schießen und wild um sich schlagend die Kaufkraft des Yens zu drücken (siehe roter Kreis im nächsten Chart).
Abb.: Aktueller Chart JPY/USD
Dass solch ein Schritt natürlich sehr kurzsichtig und lediglich ein Geschenk an die eigene Exportindustrie ist, dürfte recht schnell klar sein: Mit einem Beschuss der eigenen Währung reduziert sich die Kaufkraft jedes einzelnen Japaners. Stattdessen versucht man einem fast schon aus finanzieller Sicht klinisch toten Patienten nochmal einen verzweifelten Stromstoß zu geben und ihn mit Waren zu füttern, die er mit Kredit bezahlt, dem man ihm selbst gegeben hat und den er niemals wieder wird begleichen können.
Das Kartenhaus wird damit sicherlich auch nicht vor dem Einsturz bewahrt, sondern das Unvermeidliche lediglich wieder ein Stückchen zu einem teuren Preis hinausgeschoben.
Insgesamt gehe ich weiterhin davon aus, dass sämtliche Papierwährungen in einem Abwertungswettlauf miteinander bleiben werden. Vergleicht man zwei Währungen, wird dabei rein zahlenmäßig nicht viel auffallen, außer eben eine bestimmte Handelsspanne. Vergleicht man das Konfetti mit der ältesten und beständigsten Währung der Menschheit, Gold, dürfte trotz Goldpreisdrückung der Effekt mit jedem vergehenden Monat weiterhin deutlich positiv für das gelbe Metall bleiben.
Beste Grüße
P.S.:
Wenn ein Verbündeter der USA die eigene Währung drückt bzw. immer wieder versucht, deren Anstieg zu bremsen, und damit dem grünen Toilettenpapier kurzfristig helfend zur Seite steht, wird das natürlich in Washington gerne gesehen und in den Medien brav übergangen. Was jedoch beim Einen legitim ist, ist es beim Anderen noch lange nicht: So legte Obama wieder einmal medienwirksam kritisierend gegen China nach, dass man dort ja die Währung "künstlich tief" halte...

