Krise in Argentinien
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 10. April 2008 07:30 Uhr
ENL5454
Und zu guter Letzt will ich noch über Lateinamerika schreiben. Ich erhielt vor dem Wochenende ein Update von meinem Kollegen Horacio Pozzo über das, was gerade in Argentinien los ist (ich war gerade auf dem Weg dorthin.)
“In Argentinien ist heute ein Feiertag, der Jahrestag des Anfangs des Malvinas Kriegs (in England bekannt unter dem Namen „Falkland-Kriege). Aber gestern dachte ich einen Moment lang, dass man den Feiertag vorverlegt haben muss.
Denn sowohl der Bäcker als auch der Metzger in meiner Gegend hatten beide geschlossen. Die Krise auf dem Land ist jetzt auch in den Städten angekommen… und die Engpässe fangen an, auch hier aufzutauchen…“
„Die Krise dieses Landes ist ganz einfach zu erklären: Als Reaktion auf Rekord-Getreidepreise, hatten die Bauern Argentiniens davon so viel wie möglich angebaut. Jetzt ist es Herbst in Südamerika… und die Ernten werden verkauft. Doch jetzt kommt die Regierung mit einer Steuer auf Getreideexporte, die fast die Hälfte der Einkünfte ausmachen.
Natürlich waren die Bauern darüber sehr aufgebracht. Und dann hielt die Präsidentin, Cristina Fernandez de Kirchner eine aggressive Rede, mit der sie die Bauern noch stärker in Rage versetzte. Bald hatten sie gegen Buenos Aires eine Belagerungssituation auf die Beine gestellt, und 400 Straßen in die Hauptstadt blockiert, in der Hoffnung, die Stadt so lange aushungern zu können, bis sie sich geschlagen gibt.“
Es war ein Showdown, der Gewalt und Zusammenbruch anzudrohen schien. Zu schlimm für die Argentinier, die sich einer wirtschaftlichen Wachstumsrate erfreuen konnten, die nur wenig hinter der Chinas zurückblieb. Aber es gibt keine Tage, die so sonnig sind, dass die Politiker nicht einen Weg finden würden, es doch regnen zu lassen.
Ich habe das überall auf der Welt schon erleben können… und zu allen Zeiten im Laufe der Geschichte. Heute erlebt man es in Argentinien. Ich habe am vergangenen Freitag meinen Sohn in Buenos Aires angerufen.
“Was ist los bei euch… was sind die neuesten Nachrichten… wenn ich am Wochenende komme, werde ich dann in der Lage sein, etwas zu Essen zu bekommen?“
“Dad, mach dir darüber keine Sorgen. Das ist Argentinien. Die Argentinier sind ein bisschen theatralisch. Aber das Leben geht weiter – zumindest in diesem Teil der Stadt. Abgesehen davon haben sie die Blockaden wieder rückgängig gemacht und beide Seiten haben sich auf eine dreißigtägige Phase der Abkühlung geeinigt. Das sollte ihnen genug Zeit geben, eine Möglichkeit zu finden, aus diesem Schlammassel wieder herauszukommen, ohne das Gesicht zu verlieren.“
Und so bin ich dann abgefahren… habe mir ein Taxi gerufen… und dann ein Flugzeug bestiegen… und auch Züge und Autos.