Kriegskoalition gegen den Irak
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 29. November 2002 18:00 Uhr
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Von den UN Waffeninspektoren hört man, dass sie bisher keinen Anlass zur Beanstandung haben. Trotzdem ist heute in der Financial Times Deutschland (FTD) zu lesen, dass die USA versuchen, eine Kriegskoalition gegen den Irak zu schmieden. Sie kennen vielleicht meine Meinung: Ich erwarte nächstes Jahr einen Irakkrieg. Hauptgründe sind zwei verschiedene Faktoren, die ineinander greifen. Zum einen scheinen mehrere Strategen in den USA zu meinen, die amerikanische Wirtschaft brauche einen Krieg. Kriege waren fast immer gute Zeiten für die Börsen und die Wirtschaft. Zum anderen müsse die Regierung im Irak wegen der Unterstützung des Terrors gestürzt werden.
Obwohl, manchmal kommt es mir so vor, als suche Amerika einfach nur einen Gegner. Denn der Terrorismus ist für die amerikanische Kriegsmaschinerie nicht fassbar. Es gibt kein "Ziel". Nichts, wohin oder wogegen man einfach mal einen Flugzeugträger hinschicken kann, der das dann schon "richtet". Das muss für die amerikanischen Militärs ein furchtbares Gefühl der Ohnmacht sein. Ihre Überlegenheit ist mittlerweile so deutlich, dass sie kaum noch gegen einen vermeintlich so "schwachen" Gegner ankommen. Dieses Gefühl der Hilflosigkeit wird über die Vorbereitungen zu einem Irakkrieg kanalisiert. Hier gibt es einen klaren Gegner, ein Ziel und das Gefühl der Überlegenheit besänftigt die Ängste. Aufgrund dieser beiden Faktoren halte ich diesen Irakkrieg für unausweichlich. Mal ganz abgesehen davon, dass die ganze Politik von Bush auf Antiterror, Rache und Sicherheit ausgerichtet ist.
Amerika will laut der FTD nun ranghohe Vertreter aus dem weißen Haus, dem Verteidigungs- und dem Außenministerium nach Europa, Asien und in die Nahost-Region entsenden, um eine Kriegskoalition zu schmieden. So wird unter anderem am Montag Vizeverteidigungsminister Paul Wolowitz in London und bei der Nato in Brüssel erwartet. Am Dienstag reist er dann weiter in die Türkei. Zudem plant das weiße Haus, einen Koordinator für die Irak Politik zu ernennen.
Gerade wenn die Waffeninspekteure nicht auf größeren Widerstand bei ihren Untersuchungen stoßen sollten, wird es schwer für die USA, Rückendeckung von anderen Ländern zu erhalten. Es könnte zu einer schlimmen Zerreißprobe in der Antiterror-Koalition kommen.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass sich das Verhältnis zu Saudi Arabien abkühlt. Das dürfte zwei Gründe haben. Amerika steht in offenen Verhandlungen mit Russland wegen des russischen Öls. Je "unabhängiger" aber Amerika vom saudischen Öl wird, desto schärfer dürfte auch der Ton gegen die Saudis werden. Diese Tendenz ist schon seit längerem spürbar. Für die Börsen besteht da eine besondere Gefahr. Es gibt Gerüchte darüber, dass, wenn sich das Verhältnis weiter abkühlen sollte, einige saudiarabische Investoren ihr Kapital aus den amerikanischen Börsen ziehen werden. Je nach Situation kann dies auch panikartig geschehen.
Schwierig ist dabei zu beurteilen, welche Auswirkungen das auf die Börsen haben würde. Denn es ist letztlich eine Frage, wie viel saudiarabisches Kapital in den amerikanischen Börsen steckt. Darüber gibt es die wildesten Spekulationen.
Dass ich das erzähle, hat einen Grund: Heute morgen habe ich eine Analyse zum Dow angefertigt und gesehen, dass mein vor Wochen genanntes Kursziel im Dow mit 9077 Pkt ja bereits fast erreicht wurde. Vielleicht erinnern Sie sich noch, ich hatte damals vermutet, dass der Kurs bis hin zum Bereich zwischen 9077 Pkt und 9439 Pkt ansteigt und danach konsolidiert. Allerdings hatte ich damals auch den Dax zu diesem Zeitpunkt bei 3700–3900 gesehen und nicht erst bei 3400 Pkt. Der Dax hat die letzte Aufwärtsbewegung des Dows nicht so recht mitgemacht. Es besteht nun die Gefahr, dass der Dow sich auf dem aktuellen Niveau einige Zeit aufhält, um dann wieder zusammenzubrechen. Kurse im Dow bis 7800 wären wieder denkbar. Sollte er dann wieder drehen entstünde eine große Bodenformation, die das Ende der Baisse bedeuten könnte. Aber das ist noch zu weit in die Zukunft geschaut. Festzuhalten bleibt: Es besteht die Gefahr, dass die Märkte Mitte Dezember in eine Abwärtsbewegung übergehen, um dann Anfang Januar wegzubrechen. Vielleicht verursacht durch einen herannahenden Irakkrieg? Ich werde Sie aber weiter auf dem laufenden halten. Noch sind die Aufwärtstrends im Markt intakt und besonders der Nasdaq100 noch sehr bullish.