Kredit können im großen Stil nicht bedient werden
Profit Radar
vom 08. März 2007 19:00 Uhr
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Nun zeigt sich allerdings, dass immer mehr dieser Subprime-Kreditnehmer ihre Schulden nicht bedienen können. Und das ist gefährlich. Der Prozentsatz der Kreditnehmer, die mehr als 60 Tage hinter der letzten Zahlung zurück liegen, ist auf 20% angestiegen. Das klingt nicht viel, aber seit 2002 lag der historische Schnitt immer um 10%. In 2005 waren es sogar nur ca. 8%. Das heißt: In 2 Jahren ist die Zahl der Kunden, die nicht pünktlich bezahlen (und das ist ein erster Hinweis für einen Gesamtausfall) im Subprime-Segment um 150% angestiegen.
Am Freitag platzte dann an der Wall Street eine echte Bombe. Das Subprime-Kreditinstitut New Century Financial (NCF) war nicht in der Lage, seine Verluste für das Geschäftsjahr 2006 vorzulegen. Daraufhin kamen die Investmentbanken Morgan Stanley und J.P. Morgan am Montag mit Studien heraus, laut derer bei NCF die Chance einer Insolvenz bestehe.
Das wäre nicht so schlimm, wenn es irgendein Subprime-Lender gewesen wäre. Aber NCF ist die Nr.2 in der gesamten Branche! Jetzt geht im gesamten Subprime-Sektor die Angst um, dass noch mehr Kredithäuser davon betroffen werden könnten.
Und hier wird die ganze Sache nun gefährlich. Denn an sich ist der Subprime-Sektor ja nur das spekulative Randsegment des Kredit-Sektors. Das es hier zu Ausfällen kommt bringt das Geschäft mit sich. Aber: Die Subprime-Lender verschulden sich ja bei regulären Banken und Investmentbanken. Und durch den Immobilienboom haben die etablierten Banken vor lauter Geldgier die Subprime-Geschäfte immer weiter ausgebaut. Das ist logisch: Bei der Oberschicht und der oberen Mittelschicht gab es ja in den letzten Jahren nicht mehr viel zu holen. Die waren ja alle schon am Immobilienmarkt aktiv. Wer noch nicht aktiv war, waren die Menschen, die sich eigentlich keine Häuser leisten können. Und die wollte man jetzt auch noch melken.
Das Geschäft läuft so: Die Subprime-Lender verschulden sich günstig bei den großen Banken und geben das Geld dann zu einem deutlich höheren Zinssatz an die Kunden weiter. Die Differenz (nach Abzug der Zahlungsausfälle) ist der Gewinn der Subprime-Lender.
Das bedeutet aber: Aufgrund der Kreditlinien existiert hier ein „trickle down“-Effekt, also ein Domino-Effekt. Wenn die Kunden ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen, geraten die Subprime-Lender in Zahlungsschwieirigkeiten für die eigenen Kreditlinien, was wiederum dazu führt, dass die etablierten Banken ihre Kredite nicht zurückbekommen.
Nehmen wir NCF: Die haben allein Kreditlinien über 8,5 Mrd. US$ (!) bei 4 Investmentbanken offen. Eine Studie von Bear Stearns besagt, dass beispielsweise bei dem Riesen Citigroup sage und schreibe 25% der gesamten Immobilienkredite (Gesamtsumme: 160,9 Mrd. US$) aus dem Subprime-Sektor kommt.
Diese Situation muss kein Problem werden, aber als guter Investor müssen Sie diese Entwicklung schon jetzt ganz genau im Auge behalten. Ich werde am Montag noch mal darauf eingehen. Bis dahin wünsche ich Ihnen schon mal an dieser Stelle ein schönes Wochenende.
Have a successful day,
Ihr
Daniel Wilhelmi