Kreative Zerstörung, Teil 1 von 2
Justice Litle in Baltimore in Traders Daily
vom 12. September 2008, 12:00 Uhr
ENL5454
Joseph Schumpeter, berühmt für „kreative Destruktion" stellt fest: „Der wirtschaftliche Fortschritt, in kapitalistischen Gesellschaften, bedeutet Durcheinander." Wenn man zurück blickt auf die wirtschaftliche und monetäre Geschichte der Welt, oder auch nur auf die wesentlich kürzere Geschichte der Vereinigten Staaten, dann können wir feststellen, dass Schumpeter mit seiner Annahme nur allzu sehr Recht hat. Im Laufe der Geschichte bilden lange Phasen der friedlichen Entwicklung eher die Ausnahme, Durcheinander und Aufruhr sind die Regel.
Finanzielle Krisen sind wesentlich normaler, als die Meisten erwarten würden, und die Grundlagen der internationalen Finanzen sind wesentlich älter, als vielen klar ist. Die Technologie hat sich verändert, aber es ist immer noch das gleiche alte Spiel - so wie Kleinkinder anfangen zu laufen, so reifen auch die Länder und die Kapitalmärkte. Z.B. haben die Vereinigten Staaten im 19. Jh. mehrere Male fast Pleite gemacht. Die Supermacht konnte sich als Grünschnabel mehrmals nur durch schlechtes Wetter in Europa frei kaufen, wenn amerikanische Bauern in der Lage waren, ihre Ernte gegen Goldreserven einzutauschen.
Die 1860er Jahre brachten die Freuden der ungedeckten Währung, wobei die Inflation den Wert der grünen Scheine bis zum Ende des Bürgerkriegs um fast 60 Prozent reduzierte. In den 1890ern entfaltete sich eine Katastrophe am entstehenden Markt in Argentinien, drohte die Barings Bank mit sich zu reißen, die Bank von England zu zerstören und ganz Amerika so ziemlich in die Pleite zu treiben. (Die Yanks schafften es, aber es war ziemlich knapp.)
Diese Krise zeigte alle Elemente, die uns auch heute so gut bekannt sind: einen spekulativen Boom, internationale Bürgschaften und weltweite Gegenbewegungen. Es ist ein Fall von Ironie, dass die Hauptspieler in dieser Kreise es schafften, ihre Krise ein Jahrhundert später zu wiederholen - die Barings Bank wurde 1995 von Nick Leeson zur Strecke gebracht, Argentinien 2001 von Schulden.
Was die kalkulierten Währungsbewegungen und die merkantilistischen Vorschriften für den Außenhandel betrifft, hat Europa dieses Spiel schon seit Jahrhunderten gespielt, als das 20. Jahrhundert kam. Der Unterschied? Die Zahlen werden heute mit elektronischen Lämpchen auf Computermonitoren erfasst und nicht mehr in Gold- und Silberreserven. Und doch bleiben uns die Goldreserven immer noch für den Fall der Fälle.
Was die Geldpolitik anbelangt, war das letzte Jahrhundert ein riesiges und andauerndes Experiment (und es dauert noch immer an).
Vor und nach dem Ersten Weltkrieg herrschte der Glaube an den Goldstandard souverän. Mehr dazu am Montag, hier im Trader´s Daily.