„Krawalle angucken“…oder Gold ETF kaufen?
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Gold als Geldanlage
vom 30. April 2007 12:00 Uhr
ENL5454
*** Von Zeit zu Zeit fragt mich ein Trader´s Daily-Leser, ob es denn sinnvoll sei, auf physisches Gold (Goldmünzen, Goldbarren) zu setzen.
Das tue ich nicht; ich setze ausschließlich auf Gold-Zertifikate. So mag ich z.B. 1:1 Gold-Zertifikate mit Währungssicherung. Die vollziehen den Goldpreis einfach nach, und blenden den Effekt der Dollarveränderung vollständig aus. Letzterer Punkt ist sehr wichtig, wird dennoch von vielen Kleinanlegern übersehen. (Doch bedenken Sie, dass der Dollar gegenüber dem Euro gerade auf ein Allzeit-Tief gefallen ist.)
Ein Nachteil der Gold-Zertifikate ist allerdings: Es handelt sich um Schuldverschreibungen des jeweiligen Emittenten. Mit anderen Worten: Wenn dieser Emittent pleite geht, dann ist so ein Gold-Zertifikat nur eine von vielen Forderungen gegenüber diesem Emittenten. Ob so ein Zertifikat dann voll ausbezahlt wird, steht in den Sternen.
Nun ist es natürlich sehr unwahrscheinlich, dass einer der großen Emittenten pleite geht. Aber ausgeschlossen ist es nicht! Und die Anleger, die Gold kaufen, wollen es manchmal gerade als Absicherung gegen eine neue Weltwirtschaftskrise kaufen. Und in so einer könnte es durchaus sein, dass der eine oder andere Emittent pleite geht.
Für diese Anleger gibt es nun eine Lösung:
Kaufen Sie einen in Deutschland handelbaren Gold-ETF!
Da gibt es mittlerweile einen. Komplett (d.h. zu 100%) durch Gold besichert. Jeder dieser Gold-ETFs ist durch ein Zehntel einer Feinunze Gold gedeckt. Und der Kurs dieses ETFs entwickelt sich nahezu parallel zum Preis einer Feinunze Gold.
So einfach ist das.
Es handelt sich bei diesem ETF um ein Sondervermögen, d.h. selbst wenn der Emittent pleite gehen sollte, ist dieses Vermögen sicher und kann vollständig ausbezahlt werden (das deshalb, weil der ETF eben zu 100% durch physisches Gold gedeckt ist).
Also, so ein Gold ETF ist ab sofort in Deutschland ganz normal handelbar!
(Bitte um Verständnis dafür, dass ich die ISIN des Scheins hier nicht nennen darf:
Ich habe diesen ETF in meinem Börsenbrief Derivate Strategie empfohlen, und es ist strikte Vorgabe des Verlags, solche Scheine nicht kostenlos zu nennen.)
Doch dieser Gold ETF ist einem 1:1 Goldzertifikat mit Währungssicherung keineswegs in allen Punkten überlegen. Es bleibt der Punkt „Währungssicherung“. Die fehlt nämlich bei einem Gold ETF. Klar, denn er ist durch physisches Gold gedeckt, und das notiert nun einmal in Dollar.
Und der ETF notiert in Euro. Durch die Umrechnung von Dollar in Euro kann also ein Währungsverlust entstehen (anders als beim Goldzertifikat mit Währungssicherung).
Fazit: Ein Gold ETF hat den Vorteil, dass er auch bei einer Pleite des Emittenten gesichert ist. Das ist bei einem Gold-Zertifikat mit Währungssicherung nicht der Fall, dafür bietet so ein Schein genau das: „mit Währungssicherung“.
Was Ihnen wichtiger ist, weiß ich nicht. Mein Rat: Es muss kein „entweder – oder“ sein, sondern ein „sowohl als auch“. Wenn Sie Gold kaufen möchten, dann teilen Sie den Betrag doch zwischen den beiden Alternativen auf. (Und achten Sie bei Gold-Zertifikaten unbedingt auf eine sehr gute Bonität des Emittenten, das sollte selbstverständlich sein.)
Den Kauf von physischem Gold können Sie sich aufgrund des neuen Gold-ETFs jedenfalls sparen.
*** Sehr schön, morgen ist Feiertag – 1. Mai. Egal, ob Sie „Tanz in den Mai“, Walpurgisnacht oder „gemütlichen Abend zu Hause“ feiern: Wünsche Ihnen viel Vergnügen dabei!
Vielleicht mal wieder ein gemütlicher Abend zu Hause?
Einen Korb gebe ich allerdings Herrn B., einem guten Bekannten von mir aus Berlin-Kreuzberg. Dieser sehr agile 89jährige (!) schlug vor, sich – wie jedes Jahr – mal „die Krawalle anzugucken“.
Also, bis Mittwoch!
Ihr
Michael Vaupel
