Korrekturen müssen sein
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 16. November 2010, 20:00 Uhr
ENL5454
So, nun sind wir also im Korrekturmodus! Die Rohstoffpreise geben in der Breite ab, angeführt von Gold und Silber. Na und? Ganz ehrlich, nach der Rallye der letzten Monate und insbesondere dem steilen Anstieg der Preise in diesem Monat, nachdem die FED so freundlich den Geldhahn weiter aufdreht, sei es den Preisen doch auch einmal gegönnt zu verschnaufen.
USD legt rasant zu und wie sich die Geschichte doch immer wiederholen kann
Ach ja, verzeihen Sie mir, aber kommt Ihnen das aktuelle Geschehen nicht auch irgendwie bekannt vor? Neuerdings scheint der November ein Marktmonat mit Verwerfungen und deutlichen Stimmungsänderungen zu werden. Wovon ich spreche? Vom November letzten Jahres.
Bis November letzten Jahres war EUR/USD, nachdem er Ende 2008 dank der Krise tief eingebrochen war, bis auf ein Hoch bei über 1,51 gestiegen. Daraufhin ging's wieder abwärts. Mitte dieses Jahres erreichte EUR/USD dann ein Tief bei 1,18, woraufhin das Währungspaar wieder stieg um jetzt im November ein Hoch bei 1,4281 zu erreichen. Und seitdem geht's wieder steil abwärts. Aktuell notiert EUR/USD bei 1,3477.
Sehen Sie sich den entsprechenden Chart an:
EUR/USD seit 2008
Quelle: CFX-Trader
Ich erzähle Ihnen das aber nicht, um Ihnen nur vom ewigen Auf und Ab an den Märkten zu berichten, sondern weil mich die Gesamtsituation in diesem November, so sehr an jene vom letzten November erinnert. Im letzten November (OK, es war ein bisschen später, eher Ende November) krachte der Euro ein (oder der USD begann seine Rallye) und auch damals waren die Begründungen schon genauso lustlos wie jetzt.
Damals war es das kleine Emirat Dubai, das seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen konnte und heute sind es die Euro-Peripherie-Staaten, deren Schuldensituation wieder neu diskutiert wird. Das kleine Dubai erhielt Hilfe von Abu Dhabi und das kleine Irland, dessen Zinsen nun wieder in die Höhe getrieben werden, weil das Thema nach ein paar Monaten nun wieder "in" ist, soll nun unter den EU-Schutzschirm. Oder auch nicht...wird ja noch drüber diskutiert...(Die Iren selbst wollen scheinbar ja gar nicht unter den Schutzschirm, weil sie bis Mitte 2011 noch durch finanziert sind. Und auch einige Rettungsländer wollen nicht unbedingt sofort zu Hilfe eilen. Nichts desto trotz haben die Iren Probleme mit ihren Banken. Na ja, ist ja auch nichts Neues, wer hätte die nicht?! Und vergessen wir bitteschön nicht, wie wir überhaupt alle in die Krise(n) geraten sind. Aber lassen wir das...) Und weil das Europa-Problem-Thema alleine vielleicht zu langweilig wäre, wird auch noch weiter darüber spekuliert, ob, wann und wie die Chinesen vielleicht ihre Geldpolitik weiter straffen. Du meine Güte, wir sprechen immerhin über die wachstumsstärkste Volkswirtschaft der Welt. Wenn China wegen steigender Inflation und massiver Zuflüsse ein wenig abbremst geht die Welt sicher noch nicht unter. Schließlich gehen doch alle Prognosen sowieso von einem geringeren Weltwirtschaftswachstum im kommenden Jahr aus.
Aber besonders lustig ist, was im November nun neuerdings immer in den USA passiert. Wie im November letzten Jahres, so gibt es auch jetzt schon wieder Stimmen, die angesichts einiger besserer US-Daten verkünden: Ui, der US-Wirtschaft geht's ja schon wieder viel besser!
Nun ja, wenn sich die Geschichte wiederholt, dann wird das aber nicht lange anhalten...
Meiner Meinung nach, ist die US-Wirtschaft nach wie vor noch weit entfernt davon, sich richtig wohl zu fühlen. Und ich glaube auch nicht, dass die FED zu Beginn des Monats einfach in übertriebener Panik gehandelt hat. Nicht, dass ich das Vorgehen der FED gut heiße, aber ich gehe davon aus, dass die FED nicht grundlos Angst vor einer wirtschaftlichen Schwäche hat. Und, nein, ich denke auch nicht, dass sich die US-Wirtschaft urplötzlich und innerhalb von zwei Wochen grundlegend geändert oder verbessert hat.
Na ja, sei's drum! Kommen wir zum Punkt zurück...
Wie schon im letzten Jahr sackt EUR/USD aktuell also zusammen und nimmt (wie im letzten Jahr), sowohl die Rohstoffpreise, als auch die Aktienmärkte erst einmal mit sich.
Wo das enden wird? Tja, da wo Korrekturen eben enden...im Falle von substanziellen Werten an einem Punkt, an dem man günstig wieder einsteigen kann, denn der langfristige Aufwärtstrend bleibt intakt.
