Korrektur beim Goldpreis vorbei?
unserem Korrespondenten Eric Fry an der Wall Street in Investors Daily zum Thema Goldpreisentwicklung
vom 25. Februar 2004 18:00 Uhr
ENL5454
"Die Toten können nicht reden", darüber lamentiert Bill Bonner oft. Deshalb suchen die meisten Investoren den Rat der Lebenden. Allerdings suchen die Investoren zu oft den Rat von den Lebenden, die ihren Lebensunterhalt an der Wall Street mit falschem Rat für die Investoren verdienen.
Allerdings sucht eine obskure Minderheit von Investoren den Rat der Verstorbenen – von Männern wie Benjamin Graham oder Leonardo Pisano Fibonacci. Fibonacci lebte vor ungefähr 800 Jahren. Aber seine eindrucksvollen mathematischen Beobachtungen haben eine Art von Unsterblichkeit unter den "technischen" Investoren erhalten ... wenn ich gezwungen würde, mich zu entscheiden, dann würde ich lieber auf diesen toten italienischen Mathematiker als auf die lebenden Analysten der Wall Street hören.
Fibonacci meinte, dass das Leben sich oft nach vorhersehbaren numerischen Mustern entwickelt. Er hatte auch eine Vorliebe dafür, profunde mathematische Prinzipien mit allgemeinverständlichen Metaphern zu illustrieren. Er schrieb zum Beispiel: "Ein Mann steckt ein Paar Hasen in einen Platz, der von allen Seiten von einer Mauer umgeben ist. Wie viele Paare von Hasen hat man nach einem Jahr, wenn man annimmt, dass ein Hasenpärchen sich jeden Monat um ein neues Hasenpaar vermehrt, und dass ein solches Hasenpärchen ab dem zweiten Monat selbst produktiv wird?"
Ich kenne die Antwort auf diese hypothetische Frage von Fibonacci nicht. Biologie ist nicht meine Leidenschaft. Aber ich habe das folgende vorhersehbare Muster bemerkt: "Ein Mann steckt ein Paar von Wall Street Analysten in einen Raum, zusammen mit einem Paar Kunden. Nach einigen Monaten und zahlreichen Versuchen der Investmentbanker, sich mit den Kunden fortzupflanzen, haben die Kunden sich um kein einziges Paar fortgepflanzt. Aber sie verlieren alles Geld, das sie hatten, als sie den Raum betreten hatten."
Die heutigen Analysten haben die Arbeit von Fibonacci für sich in Anspruch genommen, um – wie sie glauben – irgendwie prognostizierbare Muster für die Richtung der Finanzmärkte zu finden. Allgemein gesprochen, sind die Finanzmärkte natürlich extrem prognostizierbar ... sie steigen, dann fallen sie, und dann steigen sie wieder.
Aber die genauen Wechselpunkte zu bestimmen, das ist schon ein bisschen problematischer ... selbst für Anhänger von Fibonacci. Aber viele technische Analysten widmen ihre Aufmerksamkeit den speziellen Zahlen dieses toten Mannes.
Basierend auf ein paar "klassischen" Fibonacci-Zahlen wird der S&P 500 laut Elliotwave.com genau heute (oder mit wenigen Tagen Abstand) ein wichtiges Topp erreichen. "Das Allzeithoch beim S&P 500 wurde am 23. März 2000 erreicht", erklärt Jay Shartsis. "Wenn man dann die Fibonacci-Zahl von 987 hinzuaddiert, dann kommt man auf den 25. Februar 2004. Und wenn man sich dann das Tief ansieht, das am 21. September 2001 – kurz nach den Terroranschlägen des 11. September – erreicht wurde, und dann die Fibbonaci-Zahl von 610 addiert, dann kommt man auch auf den 25. Februar 2004, als Ziel für ein Topp beim S&P 500."
Sind Sie noch da?
Shartsis betont ein paar Zahlen, die er selbst herausgefunden hat: "Am 1. Dezember stand der Dow Jones bei 9.899 Zählern, und an diesem Tag erreichten 627 Aktien an der New Yorker Börse (NYSE) neue Tageshochs. Diesen Montag erreichte der Dow Jones 10.688 Punkte, aber es gab nur 233 neue Tageshochs bei Aktien. Das ist eine auffällige negative Divergenz, bei einem Dow Jones-Zuwachs von 740 Punkten."
Fibonacci hat laut Greg Weldon (Herausgeber von "Weldon's Metal Monitor") auch etwas Wichtiges über den Goldmarkt zu sagen. "Also wie weit kann das Gold laufen? Die langfristigen, wöchentlichen Charts zeigen zahlreiche mögliche ABWÄRTS-Kursziele." Weldon verweist auf einige "Fibonacci-Retracements", um die Marken von 387, 362 und 342 Dollar als Abwärtsziele zu nennen.
Ganz bestimmt schien es für den Goldpreis in den letzten Tagen am leichtesten sein, etwas nachzugeben. Aber das hat sich heute ja auch schon wieder geändert, der Goldpreis steht ja schon wieder über 400 Dollar. Und man sollte nicht vergessen, dass sich in einer Welt mit gehebelten Finanzmärkten und einem US-Leistungsbilanzdefizit von einer halben Billion Dollar die Wege des geringsten Widerstands sehr abrupt ändern können. Basierend auf meiner Analyse – und auf den Fibonacci-Zahlen, die ICH benutze – wird der Goldpreis entweder fallen oder steigen. Wenn er steigt, dann wird mich das freuen. Und wenn er fällt, dann werde ich ein paar mehr meiner Dollarscheine in Feinunzen Gold eintauschen.