Koordinator im Kampf gegen die Vogelgrippe ernannt
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 30. September 2005 18:00 Uhr
ENL5462
Ich hatte letzte Woche Freitag schon auf die Gefahr durch die Vogelgrippe hingewiesen. Heute kam die Meldung über die Ticker, dass Doktor David Nabarro vom Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, zum Chef-Koordinator der UN im Kampf gegen die Vogelgrippe ernannt wurde.
Er gilt als einer der führende Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Seiner Aussage nach könnten durch die Vogelgrippe 150 Millionen Menschen ums Leben kommen, sofern der Erreger mutiert. Die Zahlen, die ich kenne, sind eindeutig höher. Aber okay, es soll keine Panik gemacht werden, Panik macht wenig Sinn.
Mittlerweile sind schon 63 Menschen an der Krankheit gestorben, diese hatten sich allerdings direkt an Geflügel infiziert. Denn bisher ist der Erreger noch nicht mutiert und so vergleichsweise ungefährlich. Obwohl das Auswärtige Amt empfiehlt, sich in den betroffenen Ländern von Geflügel, Geflügel-Märkten, Metzgereien etc. fernzuhalten. Derweil breitet sich der Vogelgrippevirus weiter aus und je größer die Verbreitung, desto größere die Gefahr einer Mutation.
Die Ernennung von Nabarro zeigt mir, dass die entscheidenden Stellen die Gefahr erkennen und an Maßnahmen arbeiten. Aber es zeigt auch, dass die Gefahr höher ist, als die Menschen hier wahrnehmen. Ich glaube immer noch, das liegt an dem vergleichsweise harmlos klingenden Wort "Grippe" in Vogelgrippe, das führt zu einer massiven Fehleinschätzung.
Für die Börse bedeutet das: Wenn die Nachricht kommen sollte, dass der Virus mutiert ist und eine Pandemie droht, dann werden die internationalen Märkte stark einbrechen. In diesem Fall kann ich Ihnen nur raten, die Positionen deutlich zu verringern, da kaum abzusehen ist, welche dramatischen Folgen uns dann erwarten.
Im Moment jedoch wäre ein Handeln verfrüht. Wenn ausreichende Maßnahmen im Vorfeld getroffen werden, kann uns dieses Schicksal erspart bleiben, die Ernennung von Nabarro ist ein Schritt in diese richtige Richtung.
Kommt nun die Rally?
Das ist heute die Frage des Tages, die sich viele Analysten gestellt haben.
Was hat die Käufe gestern ausgelöst? Eine Nachricht ist sicherlich mitverantwortlich gewesen, nämlich, dass der Benzinverbrauch in den USA rückläufig ist. Das wird auf die neue Sparsamkeit aufgrund der höheren Benzinpreise zurückgeführt. Ein Kunde mailte mir dazu seine interessante Idee: Der Benzinverbrauch in den USA werde doch allein aufgrund der Tatsache zurückgehen, dass in den Hurrikan-Regionen nicht mehr so viel Auto gefahren werden könne.
Es ist natürlich schwer herauszufinden, wie stark sich dieser Faktor auf den Verbrauch in den USA auswirkt. Aber sicher ist, dass sich langfristig die teuren Preise auswirken werden. Und damit passiert etwas, auf dass ich schon länger warte:
Während der Ölkrisen der 70er Jahre war zu beobachten, dass die Verbraucher auf einmal ein ganz neues Bewusstsein zum Thema Öl und Benzin erlangten. Eine neue Sparsamkeit setzte sich durch, die bis heute anhält. Der gleiche Effekt scheint nun in den USA, die immerhin weltweit mit Abstand den größten Verbrauch pro Kopf haben, einzutreten. Nun muss nur beobachtet werden, wie stark und nachhaltig sich die teuren Benzin- und Energiepreise auf das Verbraucherverhalten auswirken.
Hohe Ölpreise nur noch für kurze Zeit
Nimmt man nun jedoch die verschärften Investitionen im Bereich Erdölexploration, das steigende Sparsamkeitsbewusstsein der Bürger weltweit, der massive Versuch, auf alternative Energien umzustellen, zusammen, dann kann es sein, dass bald der weltweite Verbrauch sinkt, während das Angebot steigt. Nach dem Engpass käme es zu einer Ölschwemme, die Kurse würden vielleicht sogar dramatisch sinken.
Das entspräche dem übliche Auf und Ab in der Wirtschaft, an der Börse: Auf ein Nachfrageüberhang wird das Angebot gesteigert, da die Preise steigen und damit die Gewinne sprudeln. Darauf kann es zu einem Angebotsüberhang kommen, welcher die Preise wieder einbrechen lässt.
Nun geht es natürlich nicht so schnell, neue Erdölquellen zu erschließen oder neue Raffinerien zu bauen. Das macht es sehr schwer, eine genaue Prognose abzugeben, wann dieser Erdölpreiseinbruch stattfindet. Aber auf der Longseite wird es spätestens im Winter, wenn die Spekulanten sich auf den Frühling vorbereiten, sehr eng im Ölbereich.
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