Kontrollverluste und zu viele neue Häuser
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 21. Februar 2006 18:00 Uhr
ENL5454
Ben Bernanke scheint alles mitzubringen, was man braucht, um ein guter Funktionär in hoher Stellung zu sein: Es macht ihm nichts aus, Zeit zu verschwenden.
Bis Donnerstag hatte er zwei Tage damit zugebracht, vor dem Kongress zu schwätzen und diesen Typen genau das zu erzählen, was sie hören wollten: Ja, die amerikanische Wirtschaft ist robust ... sie blüht ... sie wird mit jeder Minute gesünder. Ja, das letzte Quartal war eine Enttäuschung, aber die Erholung zu stärkeren Zinssätzen sollte zügig und sicher über die Bühne gehen. Und ja, weitere Zinsanhebungen könnten notwendig werden. Der neue Vorsitzende der Fed ging sogar so weit, die Chinesen zu ermahnen: Sie sollten ein bisschen lockerer werden.
Und das sollten sie wirklich besser, fügte Senator Charles Schumer drohend hinzu. Denn wenn sie ihre Währung im Vergleich zum Dollar nicht anheben, dann müssten wir Handelsbeschränkungen, Sanktionen und Strafen einführen.
Das Handelsbilanzdefizit, meint der Senator, "indiziert wirtschaftlich ein langsames Verbluten an den Handgelenken der USA". Er schlägt keine Verbände oder sogar eine Druckverband vor, sondern die sofortige Operation. "Um die amerikanischen Arbeitsplätze zu sichern", sagt er, müssten wir China zwingen, die Währung nach oben hin neu zu bewerten, so dass die Exporte in die USA teuerer werden. Er muss davon ausgehen, dass die Leute ihre Stimme eher für die Rettung ihrer Stellen als für die Rettung der Dauerniedrigstpreise bei Wal-Mart abgeben. Damit könnte er richtig liegen, aber er hat definit unrecht mit seiner Vorstellung davon, wie die Welt funktioniert. Seine Vermutung ist, dass er die Amerikaner wirtschaftlich besser stellen kann, indem er einige Gesetze erlässt. Es gibt viele Menschen, die das glauben. Aber die Beispiele, in denen das tatsächlich dazu führte, dass die Leute reicher wurden, sind rar und dann funktionierten sie auch nur deshalb, weil sie andere Gesetze ablösten, die die Leute noch ärmer machten.
Politiker geben nicht gerne zu, dass es Dinge gibt, die sie nicht kontrollieren können. Sie glauben lieber, dass es Licht wurde, wegen ihrer weisen Gesetzgebung. In seiner privaten Vorstellung fragt sich ein solcher Politiker womöglich sogar, ob die Sonne vielleicht nur wegen eines Gesetzes aufgeht, dass der Kongress vor Jahren erlassen hat und das jetzt vergessen ist. Und das Allerletzte was die Wähler wirklich hören wollen, ist die Wahrheit.
"Schaut her", würde ein Politiker wohl sagen, wenn man ihm ein Wahrheitsgift spritzen würde, "es ist ja nicht unsere Schuld, dass die Chinesen für einen Dollar in der Stunde arbeiten. Es ist auch nicht unsere Schuld, dass sie die Dinge billiger und besser herstellen können als wir. Es ist nicht unsere Schuld, dass die Kapitalisten die Dinge in China herstellen lassen wollen. Und wisst Ihr was? Es gibt nichts, was wir dagegen tun können. Zumindest nichts, was die Situation nicht noch schlechter machen würde."
Das ist jedoch nicht die Sorte von Rede, die wir in der nächsten Zeit rechnen sollten. Stattdessen werden sie, je besser die viel erwähnten 'E's in der Öffentlichkeit bekannt werden, wohl immer häufiger von solchen Reden abgehalten.
Präsident Bush hat bereits einen wahnsinnigen Plan ausgeheckt, um mit den Auswirkungen der höheren Energiepreise umgehen zu können.
Die Wirtschaft scheint jedoch nicht auf ihn zu hören. Es sieht stattdessen so aus, als ginge sie auf den unvermeidlichen zyklischen Niedergang zu. Die Ertragskurve ist umgestülpt und bei den Bauunternehmen sieht es nach den ersten Tagen eines Konjunkturrückgangs aus. Am Dienstag vergangener Woche gab KBHomes bekannt, dass Stornierungen vielleicht dazu führen könnten, dass man die Schätzungen für das Jahr 2006 noch einmal korrigieren muss – selbstverständlich nach unten. Toll Brothers hatten bereits bekannt gegeben, dass die Bestellungen in diesem Jahr 29 % unter den Bestellungen des Vorjahrs liegen. Die Aktienkurse sind in diesem Jahr bislang um fast 20 % gesunken. Und die Hypothekenanträge liegen auf dem geringsten Niveau der letzten drei Jahre.
Die Presse des Tages war natürlich immer noch in Jubelstimmung. Es heißt, dass die Baustarts im Januar in die Höhe geschossen seinen – mit dem größten Zuwachs in den letzten 33 Jahren. Aber sie sagen uns nicht, warum dass eine gute Nachricht für die Immobilien ist. Denn das ist es nicht. Unverkaufte Neubauten drängen schneller an den Markt als zu irgendeinem anderen Zeitpunkt in den letzten 21 Jahren. Die Bestände steigen. Die Farbe auf den "Zu verkaufen"- Schildern blättert langsam ab. Es sieht so aus, als wären Neubauten wirklich das Allerletzte, was wir im Moment brauchen. Aber machen Sie sich keine Sorgen. In einem Versuch, das Unvermeidliche zu verhindern, ist Ben Bernanke bereit, weiteres Geld zu drucken, und es, wenn notwendig, von Hubschraubern abzuwerfen.
Und solange der Exodus von Reichtum und Macht vom Westen in den Osten nach wie vor andauert, wird Mr. Schumers nicht der einzige Pharao sein, der versucht ihn aufzuhalten.
Chinas Wirtschaft hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Sie ist heute größer als die von Großbritannien. Auch Indien boomt. Höchstwahrscheinlich wird das Wachstum in Asien auch weiterhin andauern und höchstwahrscheinlich werden die Wähler von Mr. Schumers im Vergleich dazu, wenn nicht sogar insgesamt, den Boden unter den Füßen verlieren.
Und wie sieht es mit dem amerikanischen Imperium aus? Kein Imperium hält ewig. Keine Blase platzt nie. Die einzigen Fragen sind wann, und wie. Das gleiche gilt für das Experiment mit einer reinen Papierwährung. Der Dollar fasziniert die Trader und die Spekulanten momentan. Eines Tages werden nur noch die Geschichtswissenschaftler fasziniert sein.
Aber kann man dagegen denn nichts tun? Diese Frage stellte sich zuletzt. "Und, was würden Sie denn tun, wenn Sie der Vorsitzende der Fed wären? (Er hatte nicht 'Klugscheißer' gesagt, aber ich wusste dennoch genau, was er dachte.)
Und das ist das Problem. Was kann man machen? Nichts. Wenn wir nicht Menschen wären, dann könnten wir der Versuchung widerstehen, unsere eigene Papierwährung zu zerstören. Wenn uns nicht diese Arroganz angeboren wäre oder der Instinkt, uns immer zu verausgaben, wenn wir nicht einfach immer so dumm wären, dann könnten wir vielleicht vermeiden, ein Imperium zu ruinieren. Aber wir sind, was wir sind und wir werden tun, was wir immer tun. Vom Yin zum Yang ... vom Boom zur Pleite ... vom Sieg zur Niederlage ... im besten Falle können wir nur hoffen, dass wir es mit Würde und Schönheit über die Bühne bringen und die Show genießen.