Konträres Investieren (Fortsetzung vom Dienstag)
Louis Basenese (US-Korrespondent) in Investoren Wissen
vom 21. Januar 2010, 16:00 Uhr
ENL5454
(Fortsetzung des Artikels vom Dienstag)
Konträres Investment #2: Bye-Bye Shanghai?
Ich habe wirklich unglaublich viele Leute wütend gemacht, als ich vor ca. vier Monaten einen Artikel über einen Abverkauf der chinesischen Märkte schrieb.
Dabei veröffentlichte ich lediglich meine Ansicht, dass der sich immer mehr nach oben verselbständigende Aktienmarkt in China eine kleine Abkühlungspaule gebrauchen könne - und gab 10 Gründe, warum dies m.E. auch eintreten wird.
Ein paar Leser konnten gar nicht schnell genug in die Tasten prügeln, um mir zu schreiben. Andere forderten fast schon hysterisch meinen Abtritt.
Anscheinend zählt es in der Investmentwelt als pure Blasphemie, wenn man es wagt, ein kritisches Wort über China zu verlieren.
Sehen wir uns doch lieber einmal die Gegenwart an und die Liste von "Schwergewichten", welche inzwischen eine skeptische Position gegenüber Chinas Wachstum einnehmen:
- Bill Gross von Pimco
- Der legendäre Short-Seller Jim Chanos
- Die Handelskammer der europäischen Union in China
- Fang Gang, welches das nationale Wirtschaftsforschungsinstitut leitet und Chinas Zentralbank berät
- Die chinesische Bankenregulierungskommission
- Stratfor, die weltweite Nachrichtendienstfirma, welche auch als die "Schatten-CIA" bezeichnet wird
Ich habe inzwischen sogar Marketingmaterial aus der Investmentnewsletter-Industrie gesehen, was in genau diese Kerbe schlägt.
Aber das ist nicht alles, denn die fundamentalen Fakten verschieben sich weiterhin mehr in Richtung einer Korrektur in China.
Nehmen wir doch einmal die Daten der People's Bank of China, welche einen 126.5%-igen Anstieg der überfälligen Kreditkartenkonten ausweisen. Dies sind definitiv schlechte Nachrichten für jede Wirtschaft; aber schrecklich sind diese Nachrichten sicherlich für die Chinabullen, welchen gerade auf den chinesischen Konsumenten setzen und dass dieser eben weiter sein Geld ausgibt.
Nochmals, der Ratschlag, den ich Ihnen hier gebe ist einfach und besteht aus zwei Teilen:
- Als absolutes Minimum: Verengen Sie wenigstens Ihre Trailing Stops auf sämtliche China-Aktien, welche Sie besitzen, um sicherzugehen, dass Sie aus dieser Sache als Gewinner hervorgehen.
- Wenn Sie hart genug sind und ihr Bauch es aushalten und verkraften kann konträr zu investieren: Erwägen Sie, ob Sie nicht ein paar chinesische Aktien shorten möchten oder ein paar entsprechende Puts zukaufen.
Konträres Investment #3: Erdgas (USA)
Obwohl ich diesen konträren Trade meinen amerikanischen Lesern bereits vor einer gewissen Zeit empfahl, bin ich immernoch der Meinung, dass es hier genug Potential gibt - besonders während die Masse der USA unter einem brutalen Kältefluch leidet. Der verfluchte Schnee fällt sogar im Südosten der USA. Und ein Mann aus Miami starb sogar bereits an Unterkühlung.
Je länger das hier läuft - bzw. je öfters dies auftritt - desto größer ist die Chance, dass der Versorgungsüberschuss an Erdgas verschwinden wird und die Preise für Erdgas in den USA steigen werden. Die niedrigen Temperaturen könnten sogar auch die Erdgasproduktion in Texas, Louisiana und Oklahoma stark behindern oder gar zum vorübergehenden Stillstand bringen.
Wenn Sie dazu noch die Rolle von Erdgas als eine Art "Überbrückungstreibstoff" zu einer grüneren und saubereren Welt sehen, so könnten zahlreiche Produzenten ein wirklich erfreuliches Jahr erleben (und damit auch deren Aktienkurse).
Gutes Investieren wünscht Ihnen
Louis Basenese
KOMMENTAR ZUM ARTIKEL VON HERRN BASENSE:
Ich bin kein Experte im US-Erdgasbereich, daher kann ich hier selbst nicht allzu viel beitragen, jedoch halte ich Herrn Basenese Chinagedanken für sehr beachtenswert und angebracht.
Ich teile seine Ansicht hier schon seit einiger Zeit und rate somit ebenfalls zur Vorsicht und zur Einhaltung der zwei genannten Absicherungsschritte.
Beste Grüße