Konsumland USA: Leere Malls und wenig Weihnachtsstimmung
Daniela Knauer in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 25. November 2008, 17:00 Uhr
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Liebe Leserin, lieber Leser,
derzeit bin ich in den USA unterwegs, da ich nächste Woche zur San Francisco Hard Assets Conference will, einer der großen Messen für Rohstoffaktien-Anleger. Vor dieser Konferenz jedoch wollte ich die Gelegenheit nutzen, um einige Firmenkontakte zu besuchen und mir generell ein Bild über die Stimmung in den USA zu machen.
Der Motor der Weltwirtschaft stottert mangels Treibstoff
Für uns langfristige Rohstoff-Bullen sind zwar die Emerging Markets und deren in den vergangenen Jahren rapide steigender Verbrauch an allen Ressourcen ausgesprochen wichtig, doch die USA waren bisher immer noch der zentrale Motor der Weltwirtschaft. Welche Folgen es haben kann, wenn dieser Motor stottert, da ihm der ewig nötige Treibstoff "Geld" auszugehen droht, müssen wir seit einiger Zeit leider am eigenen Leib (und vor allem Depot) erfahren. Die theoretischen Hintergründe der Krise finden Sie inzwischen nahezu überall mehr oder weniger verständlich erläutert. Selbst in der Zeitung mit den vier riesigen Buchstaben gehören diese Themen unglaublicherweise inzwischen zum fast schon normalen Themenumfang. Wie es aber wirklich aussieht beim normalen Bürger im Epizentrum des Bebens, das sehe ich mir aktuell etwas genauer an.
Weihnachtsshopping in Florida
Zur Zeit bin ich im ehemals ausgesprochen konsumfreudigen Südosten der USA, dem traditionellen Paradies der wohlsituierten Rentner und Golfer, unterwegs. Und was macht man üblicherweise an einem etwas kühleren Winter-Sonntag in Florida? Richtig, der Weg führt direkt in die nächste Shopping-Mall, um dem Einkaufen zu frönen. Gesagt, getan, ich machte mich also auf den Weg. Erst einmal lande ich (typisch, wenn drei Frauen zusammen unterwegs sind) in einer eleganten Atmosphäre, mit schicken Boutiquen, Designern, edler Kosmetik. Vier Wochen vor Weihnachten erwartete ich dort wie in früheren Jahren volle Parkplätze, gestresste Ehemänner, erschöpfte Ladies, behängt mit den üblichen kleineren und größeren bunten Einkaufstäschchen.
Die elegante Mall bietet ein erschreckendes Bild
Weit gefehlt. Parkplätze gibt es direkt vor der Tür im Überfluss. Die kreischend bunte Lichtreklame und Weihnachtsmusik früherer Jahre ist auf ein dezentes Minimum geschrumpft. Schicke Kundinnen und deren Anhängsel? Fehlanzeige. Der Laden ist lotterleer. Auf den mehreren hundert Quatdratmetern tummeln sich einer überschlägigen Rechnung zufolge, neben uns dreien, etwa acht weitere Kundinnen. Männer beim Geschenkekaufen? Weit und breit nicht zu entdecken. Der Shop ist fest in der Hand der Verkäuferinnen, die sich an den schicken Ständen langweilen. Übersät sind diese mit sensationellen Sonderangeboten, die früher zu einem heftigen Ansturm der Kaufwütigen geführt hätten. Alles in allem ein deprimierendes Abbild der Finanzlage - kein Geld für Luxus selbst im gut situierten Florida.
Gegensatz: Der Verbrauchermarkt ist bestens besucht
Nächste Station: Der regionale Verbrauchermarkt für Großkunden, ähnlich der deutschen Metro. Hier gibt es alles gleich im Zehnerpack, die Preise sind entsprechend günstig. Die Hallen sind gut besucht, die Einkaufswagen im Vergleich zu früher aber auch relativ leer. Ein Stand mit frischem, für deutsche Verhältnisse erstaunlich günstigem, Meeresgetier hat auch am Sonntag Abend noch volle Auslagen. Gekauft werden vor allem die Billigangebote im Großpack.
Kaufrausch am Wochenende vor Thanksgiving, wenn sich traditionell die Familien zum großen (Fr-)Essen versammeln? Fehlanzeige.
Die Angestellten im Supermarkt werden immer älter
Zum Schluss des Einkaufsbummels noch schnell zu einem besseren Supermarkt für die frischen Dinge des täglichen Lebens. Auch hier, wo man sich sonst am Sonntagabend mal kurz zu einem Einkaufsplausch traf, erschrecken mich die leeren Gänge. Das Angebot ist gleich wie immer: Gut, aber relativ teuer. Was mir an Veränderung auffällt, ist vor allem das Alter der Angestellten. Der Durchschnitt liegt hoch - weit über der deutschen Pensionsgrenze. Wer hier arbeitet, ist froh, sich auch im hohen Alter noch einige Dollar zur kargen Versorgung und der fehlenden Krankenversicherung hinzu verdienen zu können. Ein trauriges Abbild einer noch vor kurzem vor Lebenslust strotzenden Generation, deren finanzielle Basis (und Altersversorgung) sich in vielen Fällen mit der Finanzkrise in Luft aufgelöst hat.