Konjunkturdaten: Weitere Signale für eine Beruhigung
Von Ronald Gehrt in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 16. Mai 2006 07:30 Uhr
ENL5454
Liebe Leser, in diesem Bereich finden Sie immer Montags eine Vorschau auf diejenigen Konjunkturdaten, die wirklich für die Börsen relevant sein werden. Diese werden von mir, sobald sie auf dem Tisch liegen, ausführlich erklärt und deren Bedeutung kommentiert. An Tagen ohne bedeutsame Daten finden Sie hier jeweils eine Erläuterung interessanter Konjunkturdaten, können sich also letztlich so ein kleines "Konjunkturdaten-Lexikon" zusammenstellen.
ZEW-Konjunkturindikator deutlich schwächer
Bereits um 11:00 startete die heute dicht besetzte Serie interessanter Konjunkturzahlen mit dem deutschen ZEW-Indikator für Mai. Dieser Index misst die Konjunktur-Erwartungen institutioneller Investoren, also nicht der normalen Verbraucher, sondern der Entscheidungsträger im Finanzbereich. Hier war ein überaus überraschender Rückgang auf nur noch 50 Punkte zu vermelden. Erwartet wurden 60 Punkte nach 62,7 im April. Auch dies ist ein wichtiges Signal dafür, dass die bisherigen Zinserhöhungen der US-Notenbank und der Europäischen Zentralbank bereits die erwartete Wirkung zeigen und so weitere Zinserhöhungen eventuell gar nicht mehr erforderlich sind. Die Aktienmärkte nahmen diese Daten positiv auf und entfernten sich daraufhin sofort deutlich von ihren Tagestiefs.
Produzenten-(Erzeuger-)Preise in den USA nur um 0,1% gestiegen
Kein allzu hoher Preisdruck auf der Industrieproduktion, das ist die Aussage der um 14:30 veröffentlichten Erzeugerpreise für April. Zwar ist die Gesamtrate um 0,9 % gestiegen (und damit genau wie erwartet), dies ist aber auf den schnellen Sprung der Energiepreise in den letzten Wochen zurückzuführen, die sich aktuell zumindest zeitweise auf dem Rückmarsch befinden. Mit +0,1% blieb die Kernrate (ohne Energiekosten) ein Zehntel Prozent unter den Erwartungen. Noch wichtiger werden hinsichtlich der Inflationsentwicklung die morgigen Verbraucherpreise, da sich dort zeigt, ob die Unternehmen die gestiegenen Kosten an die Konsumenten weitergeben oder nicht.
Weniger Druck auf dem Immobilienmarkt
Ebenfalls unter den Erwartungen blieben die Hausbau-Beginne in den USA. Sie gingen im April um 7,4% auf noch 1,85 Millionen zurück (Prognose 1,98 Millionen). Die Baugenehmigungen fielen mit 1,95 Millionen ebenfalls um 100.000 niedriger als erwartet aus. Gerade hier liegt ja nicht nur Mr. Bonners besonderes Augenmerk, denn: Dieser Sektor ist aufgrund der extremen Spekulation der letzten Jahre zu einer die Volkswirtschaft massiv bedrohenden Blase geworden, die mit diesen Daten zumindest nicht so schnell anschwillt, wie befürchtet.
Klassische Industriedaten für April deutlich fester!
Die Industrieproduktion stieg im April mit +0,8% deutlich stärker als erwartet. Die Prognosen lauteten auf +0,3-0,4% nach +0,6% im März. Auch die Kapazitätsauslastung lag folgerichtig höher (bei 81,9% im April nach 81,4% im März, die Erwartungen gingen von einem nahezu unverändertem Wert aus). Dies gießt aber wenig Wasser in den Wein derer, die auf ein Ende der Zinserhöhungen hoffen. Denn so lange der Konsum und die Preise im Rahmen bleiben, können diese Werte nicht negativ durchschlagen – zumal hier auch der Exportanteil gestiegen sein könnte, was alleine aufgrund der blanken Zahlen noch nicht genau festzustellen ist.
Fazit:
Die heutigen, zahlreichen Konjunkturdaten fielen alle im Sinne einer Beruhigung des Wirtschaftswachstums aus, ohne direkt auf eine negative Gewinnentwicklung der Unternehmen hinzuweisen (siehe steigende Industrieproduktion). So präsentiert sich heute ein durchweg erfreuliches Bild, das zur Wall Street-Eröffnung steigende Kurse präsentierte. Wichtig für den DAX ist hierbei, die Unterstützungszone 5.860 bis 5.900 zu verteidigen (siehe oben), und da sieht es zur Stunde gut aus.