Konjunkturdaten: Philadelphia Fed Index problematisch
Von Ronald Gehrt in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 19. Mai 2006 07:30 Uhr
ENL5454
Philadelphia Fed Index problematisch
Der gestern um 18:00 Uhr unserer Zeit veröffentlichte Konjunkturindex der regionalen Notenbank von Philadelphia (oft einfach Philly FED genannt) stieg für den Monat Mai zum 11. Mal in Folge an. Der Index lag bei 14,4 nach 13,2 im April. Die Erwartungen lagen im Schnitt bei 13,5. Man ging also von einer nur moderaten Expansion aus, dies wurde jedoch deutlich übertroffen. Werte größer als Null indizieren Wachstum, immer bezogen auf Philadelphia, eine der wirtschaftlich aktivsten Regionen der USA.
Problematisch war bei diesem aus mehreren konjunkturrelevanten Subkomponenten zusammen gesetzten Index vor allem die Einzelbereiche Kosten, Einnahmen und wirtschaftliche Erwartungen. Während der Kostenindex (prices paid) deutlich von 29 auf 55,3 anstieg, rutschte der Einnahmeindex (prices recieved) von 15,4 auf 10,3. Dies bedeutet, dass die Unternehmen der Region zumindest aktuell nicht in der Lage zu sein scheinen, die gestiegenen Kosten (vor allem durch die Preisexplosion der Rohstoffe verursacht) an die Verbraucher weiter zu geben.
Darüber hinaus fielen die wirtschaftlichen Erwartungen von 28,2 auf 22,5 zurück. Wie bereits die letzten Daten zum Verbrauchervertrauen andeuteten, scheint sich die Stimmung in den USA sukzessive einzutrüben, bei den Konsumenten ebenso wie in der Industrie. Der steigende Kostendruck und die abgeschwächte Zuversicht bezüglich der kommenden Monate deuten aktuellen Druck auf die Unternehmensgewinne an. Und da die Unternehmen irgendwann dennoch gezwungen sein werden, diese gestiegenen Kosten in die Preise einzuarbeiten, steht letztlich auch noch Inflationsdruck vor der Tür.
Beides keine günstigen Aussichten für Aktien, zudem auch ein Argument, dass die Notenbank die Zinsen doch noch weiter anheben müsste. Und das lasen die Marktteilnehmer dann auch aus Kommentaren des Präsidenten der Notenbank von Philadelphia, William Poole, später am Abend heraus. Dieser unterstrich, dass sich die FED bezüglich ihrer Entscheidungen weniger auf Prognosen kommender Entwicklungen sondern vielmehr auf die harten Fakten aktueller Konjunkturdaten stützen müsse, um die langfristige Inflationsentwicklung auch weiterhin im Griff zu behalten.