Konjunkturdaten - Der Boom ist nicht zu leugnen
Sven Weisenhaus in Wave Daily
vom 2. Februar 2011, 13:00 Uhr
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in der Vergangenheit gab es wieder einige Zahlen von der Konjunkturfront zu melden, die ich Ihnen heute im ersten Teil gebündelt wiedergeben möchte.Soviel vorweg: Der Boom ist nicht zu leugnen. Allerdings gibt es zwei Schönheitsfehler:
- In den USA fehlen nach wie vor die Impulse am Immobilien- und Arbeitsmarkt
- In Europa und nun auch in Deutschland kommt die Inflation bei den Verbrauchern an
Wen das nicht so sehr interessiert, kann gleich zum Thema Öl im zweiten Teil wechseln.
Konjunkturdaten USA
Die in den USA veröffentlichten Daten aus dem Bausektor fielen gemischt aus. Während die Baugenehmigungen (635.000, +16,7%) im Dezember auf der Oberseite überraschten, enttäuschten die Baubeginne (529.000, -4,3%).
Die Bauausgaben sind im Dezember den zweiten Monat in Folge saisonbereinigt um 2,5% auf ein Jahresvolumen von 788 Mrd. USD gesunken, während Analysten von einem Anstieg um 0,1% ausgegangen waren.
Die Zahl der verkauften Eigenheime schnellte im Dezember überraschend um 17,5% in die Höhe. Auf das Jahr hochgerechnet wechselten 329.000 Immobilien den Besitzer, so viele wie seit acht Monaten nicht mehr. Analysten hatten lediglich mit 300.000 verkauften Eigenheimen gerechnet.
Ein nachhaltiger Trend zur Besserung im US-Immobiliensektor ist immer noch nicht zu erkennen.
Der Index des Conference Board für das Verbrauchervertrauen stieg auf 60,6 von revidiert 53,3 Punkten im Dezember, wie das Forschungsinstitut bereits am Dienstag letzter Woche mitteilte. Analysten hatten im Schnitt nur mit einem Anstieg auf 54,3 Punkte gerechnet.
Das Verbrauchervertrauen der Universität Michigan trübte sich im Januar leicht ein. Der Index sank von 74,5 Punkten auf 74,2 Punkte (nach den Ergebnissen der zweiten Umfrage). In der ersten Befragung hatte sich ein Stand von 72,7 ergeben, womit sich der Wert nun deutlich verbessert hat.
Insgesamt also sehr positive Nachrichten über die US-Konsumenten, die für 70% des US-BIPs verantwortlich sind.
Apropos US-BIP: Da wundert es auch nicht, dass die amerikanische Wirtschaft im Schlussquartal 2010 an Schwung gewonnen hat. Sie wuchs mit einem Plus von 3,2%. Haupttreiber waren die Konsumausgaben, die im vierten Quartal um 4,4% zulegten und damit so schnell wie Anfang 2006 nicht mehr. Im Gesamtjahr 2010 lag damit das BIP-Plus bei 2,9%.
Die Notenbank FED beschloss, die im Herbst begonnenen Staatsanleihenkäufe im Volumen von 600 Milliarden Dollar fortzusetzen. Zugleich wurde der Leitzins in einer Spanne von 0 bis 0,25 Prozent belassen. Alles andere hätte überrascht.
Der Chicagoer Einkaufsmanagerindex (PMI) stieg im Januar nach 66,8 auf 68,8 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit mehr als 22 Jahren. Erwartet wurde nur ein Wert von 65,0 Punkten.
Der ISM-Index des verarbeitenden Gewerbes ist nach 58,5 Punkten im Vormonat auf einen Stand von 60,8 Punkten (höchster Stand seit Mai 2004) gestiegen. Analysten hatten einen Wert von 58,0 Punkten erwartet.
Die Auftragseingänge langlebiger Güter waren im Dezember um 2,5 % gegenüber dem Vormonat rückläufig.
Bei solchen Zahlen ist es kein Wunder, dass der Dow inzwischen über 12.000 Punkten steht. Wo würde er wohl stehen, wenn auch die Zahlen des Immobiliensektors deutlich positivere Signale liefern würden?! Und wo, wenn der Arbeitsmarkt bereits nachhaltig stabilisiert wäre?!
Apropos Arbeitsmarkt. Heute und Freitag werden noch die für den Markt sehr wichtigen monatlichen Arbeitsmarktdaten veröffentlicht. Heute erscheinen die durch das Dienstleistungsunternehmen ADP ermittelten Erwerbstätigenzahlen, die im letzten Monat mit 297.000 positiv überraschten, während die offiziellen Zahlen, die am Freitag veröffentlicht werden, lediglich einen Zuwachs von 113.000 auswiesen.
Egal wie diese Zahlen ausfallen, einen nachhaltigen Einfluss auf den Aktienmarkt erwarte ich nicht. Lediglich im Zeitpunkt der Veröffentlichung selbst wird es wieder Kurskapriolen geben. Darauf sollten Sie also achten, wenn Sie kurzfristig im Markt engagiert sind.
Fazit:
Im Prinzip ist in den USA alles wie gehabt. Die Daten sind super, wenn man Immobilien- und Arbeitsmarkt außen vor lässt.
Konjunkturdaten Deutschland
Der Index der Erzeugerpreise gewerblicher Produkte lag im Dezember 2010 um 5,3% höher als im Dezember 2009. Im November 2010 hatte die Jahresveränderungsrate + 4,4% betragen. Der Index stieg gegenüber dem Vormonat November um 0,7%.
Der Index der Einfuhrpreise lag im Dezember 2010 um 12,0% über dem Vorjahresstand. Dies war nach Mitteilung des Statistischen Bundesamtes die höchste Jahresteuerungsrate seit Oktober 1981. Im November 2010 hatte die Jahresveränderungsrate + 10,0% und im Oktober 2010 + 9,2% betragen. Gegenüber November 2010 stieg der Einfuhrpreisindex um 2,3% (nach +1,2%).
Der Index der Ausfuhrpreise erhöhte sich im Dezember 2010 im Vergleich zum Dezember 2009 um 5,2%. Bezogen auf den Vormonat November 2010 stieg der Ausfuhrpreisindex um 0,8%.
Der Verbraucherpreisindex (vorläufiges Ergebnis) in Deutschland wird sich im Januar 2011 voraussichtlich um 1,9% gegenüber Januar 2010 erhöhen. Wie das Statistische Bundesamt nach bisher vorliegenden Ergebnissen weiter mitteilt, wird der Verbraucherpreisindex gegenüber Dezember 2010 saisonbedingt voraussichtlich um 0,5% sinken. Ja, richtig gelesen: sinken. Aber das ist nicht ungewöhnlich für einen Januar. Im Januar 2010 lag der Rückgang sogar bei -0,6%.
Nun ziehen also auch endlich die Verbraucherpreise an. Alles andere hätte mich auf Dauer überrascht. Natürlich ist die Inflation auf Konsumentenebene noch nicht besorgniserregend, da noch unter 2% (EZB-Ziel), aber die Tendenz macht Sorgen.
Nach durch die Finanzkrise bedingten Rückgängen konnten sowohl die Einzelhandels- (nominal 2,3% und real 1,2%) als auch die Großhandelsumsätze (nominal 11,3% und real 6,0%) in 2010 wieder zulegen.
Das ifo Geschäftsklima - eine Umfrage unter rund 7.000 Unternehmen zur Bewertung ihrer Geschäftslage und der Geschäftserwartungen - konnte im Januar einen weiteren Höchst-Stand seit der Wiedervereinigung verzeichnen. Das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer stieg von 109,8 im Vormonat auf 110,3 Punkte. Das Barometer für die Geschäftserwartungen kletterte von 106,8 auf 107,8 Punkte. Die Lage wurde mit 112,8 Zählern (zuvor 112,9) nur minimal schlechter bewertet.
Dazu merkte das Handelsblatt richtigerweise an, das zeitversetzt um drei bis zwölf Monate einem markanten Ifo-Hoch in den Jahren 1994, 2000 und 2006 stets deutlich schwächere Kurse folgten.
Solange der Ifo-Index allerdings noch zulegen kann und von Zinserhöhen nicht auszugehen ist, dürfte dies noch kein Warnsignal sein.
Allerdings gab es in der nahen Vergangenheit diverse Zinserhöhungen in verschiedenen Ländern (u. a. Ungarn, China, Indien). Und die EZB hat sich inzwischen ebenfalls besorgt über die inflationären Tendenzen geäußert und die Märkte somit auf eine zukünftige Zinserhöhung vorbereitet.
Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Januar um 331.000 auf rund 3,3 Millionen gestiegen. Der Anstieg war vor allem dem Winterwetter geschuldet. Saisonbereinigt ging die Arbeitslosenzahl um 13.000 zurück. Die Arbeitslosenquote verzeichnete mit 7,4 % ein neues zyklisches Tief.
Ein ähnliches Bild zeichnet auch die ILO-Arbeitsmarktstatistik. Im Dezember 2010 waren rund 40,8 Millionen Personen mit Wohnort in Deutschland erwerbstätig und damit 427.000 Personen oder 1,1% mehr als im Dezember 2009. Gegenüber dem Vormonat sank die Zahl der Erwerbstätigen zwar saisonal bedingt um 127.000 bzw. 0,3%, saisonbereinigt ergibt sich jedoch eine Zunahme um 50.000 Personen (+ 0,1%).
Fazit:
Auch für Deutschland ist alles wie gehabt: Die Wirtschaft boomt. Ich frage mich, wie lange wir noch auf einem derart hohen Niveau verweilen können.
Einziges Manko: Nur die Inflation kommt so langsam auch beim Verbraucher an.
Bonität Japans wegen steigender Staatsverschuldung gesenkt
Und zu guter Letzt:
Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat die Bonität Japans wegen der steigenden Staatsverschuldung von AA auf AA- gesenkt, was die vierte Stufe von oben ist. Es war die erste Herabstufung seit 2002.
Der Grund ist die enorme Schuldenlast. Die langfristigen Verbindlichkeiten werden bis Ende des Jahres auf knapp 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) anschwellen. Japan ist damit stärker verschuldet als Griechenland und Irland, die Milliardenhilfen von EU-Partnern und dem Internationalen Währungsfonds annehmen mussten.
(Für Deutschland beträgt der Wert 70 Prozent.)
Ich frage mich, wann endlich die USA herabgestuft werden. Eine Tendenz ist bereits vorhanden. Soll soll bald der Ausblick zumindest negativ bewertet werden. In der Regel fallen dann binnen 1 bis 2 Jahren die Noten.