Konjunkturängste contra Konjunkturlokomotive = Schaukelbörse
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Börse
vom 16. August 2010, 14:30 Uhr
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die Marktexperten sind hinsichtlich der Aussichten für DAX & Co. in der neuen Börsenwoche eher vorsichtig. Mit der auslaufenden Berichtssaison rückt nämlich zunehmend die globale Konjunkturentwicklung wieder ins Bild. Und hier ist es in erster Linie die weltgrößte Volkswirtschaft USA, welche den Marktexperten die ein oder andere Sorgenfalte auf die Stirn treibt. Die jüngsten US-Daten vor dem Wochenende waren vom Markt zwar positiv aufgenommen worden. Doch die grundlegende Skepsis ist damit nicht vom Tisch.
Deswegen rechnen viele Marktexperten mit einer Fortsetzung der "Schaukelbörse" an den Aktienmärkten in der Eurozone, so auch die Analysten der Landesbank Berlin. In deren Studie ist zu lesen: "Derzeit driften die konjunkturellen Daten Europas und der USA auseinander." Während es aus Europa zuletzt erfreuliche Signale gegeben habe, nähmen nach der Ankündigung der US-Notenbank (Fed), erneut amerikanische Staatsanleihen zu kaufen, die weltweiten Sorgen um die Wirtschaft zu. Am deutlichsten zeigten diese sich in den steigenden Kursen insbesondere für Papiere mit längerer Laufzeit. Zudem könnten die positiven Impulse aus den Schwellenländern zukünftig geringer ausfallen als bisher erhofft und den Export als derzeitiges Zugpferd Deutschlands bremsen.
Noch ist Deutschland bärenstark
Doch wie aus aktuellen Medienberichten hervorgeht, erweist sich Deutschland derzeit noch als die Konjunkturlokomotive Europas. Einem Bericht der "Stuttgarter Zeitung" zufolge wächst Deutschland aktuell schneller als Europa. Diese überraschend positive Entwicklung der deutschen Wirtschaft würden zahlreiche Ökonomen zum Anlass nehmen, ihre Prognosen für das gesamte Jahr kräftig nach oben zu schrauben. Die Deutsche Bank hält jetzt ein Wirtschaftswachstum von 3,5% im Gesamtjahr für möglich, genauso sieht es die Norddeutsche Landesbank.
Und somit steht fest: Deutschland kommt deutlich schneller aus der Krise als die meisten anderen europäischen Staaten. Mehr noch: Deutschland findet sich aktuell in der eher ungeliebten Rolle des Zugpferdes der wirtschaftlichen Erholung in Europa" wieder. Die deutsche Wirtschaft wachse im Vergleich der Industrieländer weit überdurchschnittlich, wird ein Ökonom der Allianz zitiert. Während hierzulande die Wirtschaft im zweiten Quartal um 4,1% gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres zulegte, lag das Plus im EU-Mittel nur bei 1,7%.
Fast zwei Drittel des Wachstums in Europa würden damit auf Deutschland zurückgehen. Andere Länder können nicht so stark vom positiven weltwirtschaftlichen Umfeld profitieren wie die hiesige exportorientierte Wirtschaft. Allerdings hatte die Rezession im Jahr 2009 Deutschland aus dem gleichen Grund schärfer erwischt als viele andere EU-Staaten. Doch Deutschland hat aufgeholt und vor allem überholt. Man hat die Nase vorn, vor starken Nationen wie Frankreich oder Großbritannien. Und natürlich liegt Deutschland mit seinem Wachstum weit abgeschlagenen vor Ländern aus Südeuropa, bedenken Sie, Griechenland wird es aller Voraussicht nach in 2010 auf ein Wachstumsminus von 3,5% bringen.
Diese unterschiedlichen Entwicklungen der einzelnen EU-Länder unter einen Hut zu kriegen werde die große Herausforderung für die Entscheidungsträger werden. "Während einzelne Ökonomen der EZB wegen des Wachstumsschubs in Deutschland zu einer baldigen Zinserhöhung raten, kann dies für Griechenland negative Auswirkungen haben. Bislang droht jedoch nicht das Schreckgespenst Inflation, unter anderem weil die Produktionskapazitäten noch nicht voll ausgelastet sind. Außerdem wird sich das Wachstum schon bald verlangsamen. Denn der positive Effekt, den aus dem vergangenen Jahr auf 2010 verschobene Anschaffungen und Investitionen auf die Entwicklung in den vergangenen Monaten hatten, lässt nach", beschließt die "Stuttgarter Zeitung" ihre Ausführungen.
Fakt ist: Das Wachstum wird sich auch in Deutschland nicht auf diesem hohen Niveau halten lassen. Das ist völlig normal und auch gerechtfertigt. Dennoch zeigt die beeindruckende aktuelle Stärke unserer Wirtschaft, wo wir in diesem ungleichen Staatenbund stehen. Und diese Stärke gilt es zu halten und auszubauen. Dafür werden gerade die Weichen gestellt.
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die neue Börsenwoche.
Ihre
Cindy Bach
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