Konjunktur im Aufwind?
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 13. November 2003 18:00 Uhr
ENL5454
Gute Nachrichten aus Deutschland. Die EZB vermutet, dass sich die Konjunktur in diesem Jahr leicht und in den nächsten Jahren deutlich verbessern wird. Seltsam nur, Reuters und Financial Times titeln: "EZB geht von langsamer Konjunkturerholung aus", während andere Medien von "deutlichen Anzeichen einer Konjunkturerholung" reden. Was ist nun richtig?
Richtig ist, dass die Prognose für dieses Jahr erst einmal wieder von zuvor 0,7 auf 0,5 % nach unten korrigiert wurde. Ich weiß nicht, die wievielte Korrektur nach unten dies ist. Richtig ist auch, dass die EZB die Voraussagen für 2004 (1,7 %) und 2005 (2,3 %) unverändert gelassen hat. Gut unverändert bedeutet, sie wurden nicht nach unten korrigiert. Das ist ja auch schon mal ein Erfolg.
Doch, genauso wie unser lieber Old Greeny sich redlich bemüht, die US Regierung von ihrem gefährlichen Kurs der hohen Schulden wegzubringen, genauso warnt die EZB davor, den Stabilitätspakt zu "destabilisieren". Die EZB zeigt sich sehr besorgt über die hohen Haushaltsdefizite in der europäischen Gemeinschaft.
Eins noch: Dass hier in Deutschland das Wachstum nächstes Jahr aus "externen" Gründen zulegen wird, habe ich oft genug erwähnt. Doch auch der Export könnte sich positiv auswirken. Nach neusten Zahlen legte der deutsche Export im September zum Vorjahr um 5,6 % auf 58,3 Mrd. Euro Warenwert zu. Der Export in die EG stieg sogar um 10,8 %. Mit anderen Worten, die Osterweiterung und die boomende Wirtschaft in Asien, könnte das Wachstum nachhaltig unterstützen.
Aber lassen wir die Konjunktur-Prognosen erst einmal beiseite und wenden uns anderen interessanten Daten zu: den US-Arbeitsmarktdaten.
Die Zahl der US-Erstanträge stieg auf 366.000. Erwartet wurden 364.000 bis 370.000 neue Erstanträge nach zuvor 353.000 (revidiert von 348.000). Eigentlich wurde hier eine deutliche Verbesserung erwartet, sofern der positivere Trend nicht nur dem saisonalen Effekt des vierten Quartals zu verdanken ist.
Wie gesagt, die Zahlen sind im Moment nur sehr schwer einzuschätzen. Offenbar wollten die Märkte hier jedoch eine Verbesserung sehen.
Aber ich will den Wert nicht schlecht reden. Zunächst einmal ist dieser Wert generell sehr schwankungsfreudig und zudem entfernt er sich von der konjunkturkritischen Marke von 400.000, das ist nicht zu leugnen. Abwarten, wie sich der Wert im Dezember entwickelt.
Eine zweite, wenig erfreuliche Zahl hat die Märkte vielleicht noch mehr belastet: Die US- Handelsbilanz weist wieder ein gestiegenes Defizit in Höhe von 41,3 Mrd. US-Dollar aus. Erwartet wurde das Handelsbilanzdefizit lediglich bei 39,1 bis 40,5 Mrd. US-Dollar nach zuletzt 39,5 Mrd. (revidiert von 39,2 Mrd.) US-Dollar. Unschön ... Natürlich führte dieser Wert sofort zu einem kleinen Einbruch des Dollars. Damit versucht der Euro nun ein weiteres Mal einen Angriff auf die 1,19 Dollar Marke.
Harte Daten! Der Markt braucht harte Daten, um die aktuelle Rallye zu fundamentieren. Denken Sie daran, diese Rally hat besonders in Amerika viel von einer möglichen Konjunkturerholung vorweg genommen. Das ist das Problem. Selbst wenn diese Erholung nur wie erwartet (also sehr moderat) kommt, wird der Markt auf Dauer damit nicht zufrieden sein können. Der Markt will mehr. Die Gier will befriedigt werden.
Dazu das drohende Zinssteigerungsrisiko ... Da werden sicherlich die ersten institutionellen Anleger nervös. Aber! Trotz aller Unkenrufe, die Macht der Bullen erhält zwar schmerzhafte Schläge in die Magengrube, gleichzeitig aber immer noch genug Futter, um die Schläge ganz gut wegstecken zu können.
Egal was Sie auch denken, warten Sie mit größeren Short-Positionen, bis die Marken erreicht werden, die den Bullen das Genick brechen. Vorher kann diese Rallye, wie ich seit Wochen betone, weiter und weiter gehen. Mich wundert jedoch die Stärke des Goldes. Gold ist heute mit 397 Dollar knapp an der 400er Marke vorbeigekratzt. Irgendetwas stimmt hier nicht ... Und wir werden recht bald wissen was ...