Konjunktur: ifo und BIP-Daten dominieren diese Woche
Von Ronald Gehrt in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 22. Mai 2006 07:30 Uhr
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Liebe Leser, in diesem Bereich finden Sie immer Montags eine Vorschau auf diejenigen Konjunkturdaten, die wirklich für die Börsen relevant sein werden. Diese werden von mir, sobald sie auf dem Tisch liegen, ausführlich erklärt und deren Bedeutung kommentiert. An Tagen ohne bedeutsame Daten finden Sie hier jeweils eine Erläuterung interessanter Konjunkturdaten, können sich also letztlich so ein kleines "Konjunkturdaten-Lexikon" zusammenstellen.
In dieser Woche starten die wichtigen Konjunkturdaten erst am Mittwoch, aber die haben es in sich. Für Deutschland werden vor allem der viel beachtete ifo-Index, für die USA das am Donnerstag anstehende Bruttoinlandsprodukt für das erste Quartal 2006 zu Highlights werden, die großen Einfluss auf die Aktien- und Anleihemärkte haben werden!
Mittwoch, 22. Mai 2006
10:00, Deutschland: Ifo-Geschäftsklimaindex für Mai
Veröffentlichung der Zahlen zum deutschen ifo Geschäftsklimaindex für Mai 2006. Diese Daten sind für die deutschen Aktienmärkte sehr wichtig. Vergleichbar mit dem in der Vorwoche veröffentlichten ZEW-Konjunkturindikator werden hier nicht die Verbraucher, sondern die Unternehmen zu ihrer Einschätzung der Lage befragt. Dabei geben ca. 7.000 Unternehmen aller Branchen und Größen ihre Noten zur aktuellen Lage und ihren Erwartungen für die kommenden sechs Monate ab.
Im April lag der Index bei 105,9. Erstmals seit 2000 konnte sich der Index in diesem Jahr (und das seit Januar durchgehend) wieder über 100 steigern und zeigte damit eine deutliche und vor allem kontinuierliche Verbessung der Unternehmenslage und -erwartungen in den letzten Jahren. Nun würde den Märkten aber am Mittwoch wohl eher eine dezente Abschwächung gut tun, denn mit Blick auf die im Moment dominate Furcht vor weiter steigenden Zinsen würde ein weiterer Anstieg des Indikators neue Zinserhöhungen sehr wahrscheinlich werden lassen und so den Druck auf Aktien- und Anleihemärkte verstärken.
14:30: US-Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter für April
Veröffentlichung der Zahlen zu den US-amerikanischen Auftragseingängen für langlebige Wirtschaftsgüter (Durable Goods Orders) für April 2006. Dies sind klassische Konjukturdaten aus dem Industriesektor, besonders interessant, weil es hier nicht um bereits vollzogene Umsätze, sondern den Eingang neuer Aufträge geht. Das erlaubt einen Blick auf die Entwicklung der Wirtschaft in den kommenden Monaten und wird daher von der Notenbank besonders unter die Lupe genommen werden. Erwartet wird ein Wert zwischen unverändert und -0,5%, nachdem der März ein markantes Plus von 6,4% gebracht hatte.
14:30: US-Neubauverkäufe für April
Wie für die Baugenehmigungen und Baubeginne aus der Vorwoche gilt auch hier: Gerade in diesem Bereich geriet die Konjunktur in den letzten Jahren besonders außer Kontrolle. Bill Bonner beschreibt ja regelmäßig die Sorglosigkeit, mit der die US-Bürger hier eine riesige Spekulationsblase mit geliehenem Geld in Richtung des großen Knalls aufblasen. Erwartet werden für April gut 1,1 Millionen Neubauverkäufe nach 1,2 Millionen im März.
Donnerstag, 25. Mai 2006
14:30: US-Bruttoinlandsprodukt (BIP) für das 1. Quartal 2006
Normalerweise gilt: Die Börse handelt die Zukunft, Vergangenes sind Fakten, die bereits in den Kursen enthalten sind. Eine Ausnahme sind hier aber die Daten zum Bruttoinlandsprodukt (BIP). Denn nach zahllosen Einzeldaten kommt hier die Gesamtheit auf den Tisch, quasi also die Quintessenz aus Einzelinformationen plus die letztlich durch die Maschen der Daten gerutschten Aspekte der wirtschaftlichen Entwicklung. Hier sind auch kleine und kleinste Elemente eingearbeitet, die zuvor als "unbekannte Größen" eingeordnet werden mussten. Dies ist der Grund, weshalb es so lange dauert, bis dieser Wert feststeht und dann in vierwöcheigen Abständen noch zwei Korrekturen folgen werden. Damit ist aber auch die Bedeutung klar: Wenn sich die Investoren in der Beurteilung der gbisherigen Lage verschätzt haben sollten, wird es hier deutlich. Daraus folgt:
Sollte der erwartete, ohnehin hohe Wert von +5,8% nach +4,8 im 4. Quartal 2005 noch übertroffen werden, dürften die Börsen deutlich negativ reagieren. Besonders beachtet wird dabei die Inflationskomponente (Chain Deflator Index), der die Preissteigerungen indiziert. Hier wird mit 3,3% (unverändert gegenüber Vorquartal) gerechnet. Umgekehrt gilt: Fallen BIP und Chain Deflator geringer aus, könnte die Korrektur der Aktienmärkte (so sie denn dann noch laufen sollte) hier einen vorläufigen Endpunkt finden oder doch zumindest eine Gegenreaktion nach oben gestartet werden.
16:00: Verkäufe gebrauchter Eigenheime im April
Hier gilt das selbe wie für die Neubauverkäufe: Es wird erhofft, dass sich der für die US-Wirtschaft bedrohliche Immobilien-Boom endlich abschwächt. Erwartet werden hier 6,6 bis 6,8 Millionen Verkäufe nach 6,9 Millionen im März.
Freitag, 26. Mai 2006
14:30: USA Persönliche Einkommen und Ausgaben im April
Ein Indikator für die Vermögenslage der Verbraucher und damit ein Indiz für die Kaufkraft. Diese bestimmt das Wohl und Wehe des Einzelhandels und damit die wichtigste Komponente der US-Konjunktur. Erwartet wird für das persönliche Einkommen eine Steigerung um 0,7% nach +0,5% im März. Auf der Ausgabenseite wird mit einem gegenüber Vormonat unveränderten Anstieg von +0,6% gerechnet.
15:50: Verbrauchervertrauens-Index der Uni Michigan für Mai (endgültiger Wert)
Um 15:50 werden die endgültigen Daten zum Verbrauchervertrauen für Mai, erhoben von der Universität Michigan, auf den Tisch kommen. Nach der immer zwei Wochen vorher erfolgenden, vorläufigen Schätzung liegt nun der Gesamtwert vor. Das Verbrauchervertrauen ist deshalb wichtig, weil es einen Einblick in die momentan vorherrschende Konsumbereitschaft der US-Bürger ermöglicht. Es ist daher aktueller als z.B. die Einzelhandelsumsätze, die sich auf den abgelaufenen Monat beziehen. Da die Börsen immer die Zukunft handeln, sind dergleichen brandaktuelle Stimmungsbilder besonders bedeutsam. Aktuell erwarten die Akteure keine Veränderung zur vorläufigen Zahl von 79,0, die einen markanten Rückschlag nach einem Wert von 87,4 im April bedeutet hatte.