Konjunktur: EZB-Sitzung ohne, US-Daten mit Überraschungen
Ronald Gehrt in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 09. Juni 2006 07:30 Uhr
ENL5454
Mit der Anhebung der Leitzinsen um 0,25% auf nun 2,75% folgte die Europäische Zentralbank (EZB) den Erwartungen der meisten Experten. Auch die folgende Pressekonferenz blieb ohne Überraschungen: Man prüfe sorgfältig die Inflationsentwicklung und wolle entsprechenden Tendenzen ggf. auch weiterhin vorbeugen. Das Wachstum in der Eurozone sei gut, dies würden die aktuellen Daten zeigen, so dass der Preisentwicklung entsprechende Aufmerksamkeit zu zollen sei. Kurz: Es kann noch eine weitere Erhöhung kommen ... oder auch nicht, das hängt von den weiteren Konjunkturdaten ab.
Das wissen wir – ergo reagierten weder Aktien- noch Anleihemärkte besonders darauf. Zwar stiegen die Anleihemärkte heute an, dies war aber bereits am Morgen der Fall und dürfte vor allem an Umschichtungen aus dem deutlich schwachen Aktienmarkt liegen.
Viel interessanter waren die heutigen US-Konjunkturdaten. Eigentlich waren es Daten untergeordneter Bedeutung, aber da sie doch aus dem Rahmen fielen, will ich sie Ihnen nicht vorenthalten:
Die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe der abgelaufenen Woche waren ungewöhnlich stark gesunken. Nur 302.000 US-Bürger meldeten sich für Arbeitslosenhilfe an, das waren ganze 35.000 weniger als in der Woche zuvor. Erwartet wurden 325.000-330.000. Nun gibt es hier durchaus öfter „Ausreißer“ nach oben oder unten, aber in dem momentan hypernervösen Umfeld war diese nur kurzfristig relevante Zahl doch geeignet, in manchen Marktteilnehmern schon wieder die Angst vor einem zu sehr boomenden Arbeitsmarkt zu wecken. Festzuhalten ist jedoch: ein solcher Ausreißer hat noch keinerlei Aussagekraft.
Ein Hinweis, dass die angezogene Bremse der Zinserhöhungen zu greifen beginnt, fand sich hingegen in den US-Großhandels-Lagerbeständen. Die Daten beziehen sich auf April, sind also letztlich alles andere als aktuell. Doch ein Anstieg der Lagerbestände um 0,9% nach 0,2% im März ist doch bemerkenswert. Die Erwartung lag bei +0,5-0,6%. Allerdings war diese Zahl, obwohl für Zinsoptimisten erfreulich, keineswegs wichtig genug, um dem Kursverlusten am Aktienmarkt auch nur geringfügig Einhalt zu gebieten.