Konjunktur Deutschland 2009
Tom Firley in Investors Daily
vom 15. Januar 2009, 18:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
passend zum gestern (für heute) angekündigten Thema, erhielt ich diesen Morgen eine nette, vielleicht etwas verspätete Leser-E-Mail:
Hallo Herr Tom Firley!
Ich freue mich immer wieder über Ihre nüchterne Art die Dinge rund um den Dax, etc., zu betrachten. Das wollte ich Ihnen zum Neujahr einfach einmal mitteilen: weiter solche Klarheit bewahren!
Gruss
Klaus P.
Und dann kam alles anders...
Eigentlich wollte ich Ihnen heute ein paar Chartanalysen zu verschiedenen Blue Chips aus den großen deutschen Indizes präsentieren. Aber ein „kleiner" Einschub ist jetzt doch etwas länger geworden. Bitte sehen Sie es mir nach..., dafür werde ich mich in Zukunft auch nicht allzu oft über politische Themen auslassen. Hier also der kleine Einschub:
Konjunkturpaket 1 bis X
Bitte wundern Sie sich nicht, dass ich mich momentan nicht an Grundsatz-Diskussionen zu Pro und Contra von Konjunkturpaket 1 und 2 beteilige. Dies wäre ein Thema, bei dem ich sicherlich nicht kühl und nüchtern berichten könnte und vermutlich würde ich mich hier um Kopf und Kragen schreiben. Nur kurz möchte ich anmerkeln:
Die klügsten Köpfe
Vor einigen Monaten behaupteten ja noch die klügsten Polit-Köpfe Deutschlands, die Finanzkrise würde Deutschland ja nicht soooo betreffen und die USA solle schön die eigene Suppe selbst auslöffeln... Wie Sie wissen, kam es dann ein bisschen anders. „Auf einmal" sind wir in der schlimmsten Krise, die Nachkriegsdeutschland erlebt hat.
Bleibt zu hoffen, dass beim Einsatz des deutschen 80 Milliarden-Gesamt-Konjunkturpakets noch klügere als die vormals klügsten Köpfe das Sagen haben werden - oder zumindest bei der Vergabe der Milliärdchen hinzugezogen werden.
Ansonsten könnte es ja zum Beispiel passieren, dass die Automobil-Branche in Kürze wieder auf solide Füße gestellt werden wird, allerdings kein ehemaliger Arbeitnehmer sich mehr ein neues Auto leisten kann (außer den Vorständen aus dem Mittelstand... vielleicht).
Von der Finanzbranche ganz zu schweigen; aber die werden ja wieder ganz anders gerettet, nämlich durch Bürgschaften oder Verstaatlichung, doch lassen wir das Thema an dieser Stelle...
Verwaltungsstaat Deutschland
Auf eine Zahl bin ich schon jetzt ganz besonders gespannt: Wieviel wird es im Formular- und Bürokratiestaat Deutschland wohl kosten, die oben genannten 80 Milliarden (wenn es dabei bleibt) sinnvoll zu verteilen? Es geht ja schließlich nicht nur darum, einfach so Geld auszugeben, zu investieren oder weniger Steuern zu verlangen oder ein paar Straßen zu renovieren.
Da muss oder sollte zumindest schon genau hingeguckt werden, über welche Unternehmen denn da nun der Rettungsschirm gespannt wird. Und Sie glauben doch wohl nicht, dass diese Rettungsmaßnahmen ganz ohne Verwaltungs- und Papierkram vonstatten gehen werden?
Ich kann mir gut vorstellen, dass alleine die Kosten zur Durchführung des Pakets so hoch sein werden, dass - ohne Verwaltungsaufwand - ganze Geschäftszweige, Branchen massiv und effektiv mit diesem Geld unterstützt werden könnten. Hm, vielleicht sollte ich mich bewerben als interim-Beamter...