Konjunktur: Deutlicher Rücksetzer im US-Verbrauchervertrauen
Ronald Gehrt in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 12. Mai 2006 07:30 Uhr
ENL5454
Liebe Leser, in diesem Bereich finden Sie immer Montags eine Vorschau auf diejenigen Konjunkturdaten, die wirklich für die Börsen relevant sein werden. Diese werden von mir, sobald sie auf dem Tisch liegen, ausführlich erklärt und deren Bedeutung kommentiert. An Tagen ohne bedeutsame Daten finden Sie hier jeweils eine Erläuterung interessanter Konjunkturdaten, können sich also letztlich so ein kleines "Konjunkturdaten-Lexikon" zusammenstellen.
Deutlicher Rücksetzer im US-Verbrauchervertrauen
Um 14:30 Uhr wurden heute die US-Import- und Exportpreise für April veröffentlicht. Die Importpreise stiegen – des zuletzt deutlich gefallenen Dollars wegen – um satte 0,7% gegenüber dem Vormonat, während die Exportpreise unverändert blieben. Das schürte Inflationssorgen und schickte die Aktienmärkte vorbörslich über die Futures weiter in die Tiefe. Denn die US-Notenbank hat auch die Inflation in den Griff zu bekommen. Die Daten ließen daher Ängste aufkommen, die FED müsse alleine wegen zunehmender Inflation die Zinsen weiter erhöhen, auch, wenn die Konjunkturdaten der nächsten Wochen auf ein Abkühlen der Wirtschaft hindeuten würden.
Das zugleich veröffentlichte US-Handelsbilanzdefizit (Differenz zwischen Im- und Exporten) fiel zwar mit 62 Milliarden US-Dollar unter der Prognose von 67 Milliarden aus, konnte die Marktteilnehmer aber nicht besänftigen.
Um 15:50 schließlich kam das vorläufige Verbrauchervertrauen für Mai, erhoben von der Universität Michigan, auf den Tisch. Vorläufig, da hier erst die Hälfte der insgesamt befragten Personen eingerechnet werden, die endgültige Zahl folgt in zwei Wochen.
Das Verbrauchervertrauen ist deshalb wichtig, weil es einen Einblick in die momentan vorherrschende Konsumbereitschaft der US-Bürger ermöglicht. Es ist daher aktueller als z.B. die gestern veröffentlichten Einzelhandelsumsätze, die sich auf den abgelaufenen Monat beziehen. Da die Börsen immer die Zukunft handeln, sind dergleichen brandaktuelle Stimmungsbilder besonders bedeutsam.
Heraus kam diesmal ein markanter Rücksetzer. Der Wert lag bei nur 79,0 (der Zahlenwert selbst hat keine direkte Bedeutung, nur die Veränderungen), erwartet wurde 86,0 nach 87,4 im Vormonat. Dieser deutliche Rückgang des Verbrauchervertrauens ist erneut Wasser auf die Mühlen der Optimisten, die nach dem Statement der Notenbank am Mittwoch auf ein Ende der Zinserhöhungen aufgrund einer Abschwächung der US-Wirtschaft hoffen. Die erste Reaktion der Aktienmärkte war leicht positiv, aber behalten Sie immer im Hinterkopf: Da diese Daten auch zugleich auf weniger stark steigende oder gar rückläufige Unternehmensgewinne hindeuten, kann der Aktienmarkt dies im weiteren Verlauf des Tages auch wieder negativ interpretieren!