Kommt nach der Subprime-Krise nun die Prime-Krise?
Henrik Voigt, Gastbeitrag aus Dax Profits in Investors Daily
vom 16. September 2009, 18:00 Uhr
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der neue Jahreshöchststand im DAX am letzten Freitag macht es ja möglicherweise vergessen, aber wirklich gelöst wurde die Finanzkrise mit den bisherigen Maßnahmen wohl kaum. Ich würde es lieber so formulieren: Wir haben eine neue Art von Krise erreicht. Ihren Anfang nahm diese ja, als viele der Kredite im Immobiliensektor (vor allem in den USA, aber auch in GB, Spanien und anderswo) nicht mehr zurückgezahlt werden konnten.
Da traf es naturgemäß zuerst die Schuldner mit geringer Bonität, die ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen konnten und den Banken bei den sogenannten „Subprime-Krediten" gewaltige Ausfälle bescherten. Im vergangenen Jahr betraf das 25 % aller Subprime-Kredite im US-Immobiliensektor. Dieses Phänomen scheint nun abgehakt (in der Regel wurde dann zwangsvollstreckt, um wenigstens einen Teil des Kredits zurückzubekommen).
Ausfälle bei Prime-Krediten schnellen dramatisch in die Höhe
Jetzt aber trifft es die Schuldner mit hoher Bonität (damit also die „Prime-Kredite"). Dort hat sich der Anteil der Problemkredite mit einem Anstieg von 5% auf 9% mehr als verdoppelt. Was ist so schlimm daran? Ganz einfach: Die Prime-Kredite machen immerhin rund 80% des gesamten Kreditvolumens aus. Wenn dort die Ausfallrate nur um ein paar Prozentpunkte steigt (so wie jetzt), dann sehen wir vermutlich eine Finanzkrise 2.0. Und dann ist es fraglich, ob es noch einmal billionenschwere Rettungspakete geben wird, die den Karren für die Banken erneut aus dem Dreck ziehen sollen.
Erst gestern (am Jahrestag der Lehman-Pleite) warnte US-Präsident Obama die Finanzindustrie, dass diese nicht damit rechnen könne, dass der Steuerzahler für ihr Versagen gerade stehen werde, sondern sie die Konsequenzen für ihre Handlungen selbst übernehmen müsse. Er forderte weiterhin strengere Regeln bezüglich Eigenkapital und Liquidität, und kündigte eine Agentur zum finanziellen Schutz der Bürger an. Die nächsten Monate werden zeigen, wie ernst diese Worte zu nehmen sind.
Deutschland eher indirekt betroffen
Es ist nur gut, dass wir in Deutschland von dieser Problematik nicht so unmittelbar betroffen sind wie in den USA. Bei deutschen Bausparkassen beträgt die Kreditausfallquote unter 0,1%. In den USA wie gesagt derzeit über 9%. Die Folgen werden wir in einer globalisierten Wirtschaft dennoch spüren. Besonders heftig vermutlich am deutschen Aktienmarkt, der ja nach wie vor am Tropf der Wall Street hängt.
Was sich da gerade aus charttechnischer Sicht tut, zeige ich Ihnen in der aktuellen Ausgabe von DAX-Profits.
Ihr
Henrik Voigt
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