Kommt die Korrektur?
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 21. Februar 2011, 17:00 Uhr
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ich hoffe, Sie hatten ein gutes und angenehmes Wochenende.
Wie fast jeden Sonntag unternahm ich auch gestern einen kleinen Streifzug durch die massenmediale Berichterstattung zu Politik und Wirtschaft. Hierbei fiel mir ein interessanter Artikel in der Financial Times Deutschland auf mit dem Titel "Ende der Aktienrallye in Sicht". Das Ganze läuft dort unter der Rubrik "Wochenausblick" und in dem Artikel bemühen sich die Autoren, den Verlauf der kommenden Woche an den Märkten zu prognostizieren.
Was sehen die Autoren also kommen? Der folgende Satz fasst es m.E. ganz gut zusammen:
"Während den Anlegern am Rentenmarkt wegen den ungelösten Problemen rund um die Euro-Schuldenkrise ungewisse Wochen bevorstehen, sollte die Stimmung an den Aktienmärkte weitgehend gut bleiben. Allerdings nehmen auch hier die Stimmen derer zu, die baldige Rückschläge nicht mehr ausschließen. Einen Warnhinweis gibt etwa Sören Wiedau von der Weberbank: "Zahlreiche Stimmungsindikatoren zeigen einen übertriebenen Optimismus der Anleger."
Sehen wir uns doch einmal selbst den ein oder anderen Stimmungsindikator an und beginnen mit dem sogenannten "Investors Intelligence Bull/Bear Ratio".
Jede Woche befragt der amerikanische Dienstleister Investors Intelligence rund 140 amerikanische Börsenbrief-Chefredakteure, ob diese eher eine bärische oder eine bullische Grundhaltung in ihren Publikationen gegenüber ihren Abonnenten vertreten. Die hieraus gewonnenen Daten werden durch Investors Intelligence in einen wöchentlichen Prozentsatz von Bullen vs. Bären umgerechnet bzw. zu weiteren Verhältnissen verarbeitet. Ganz gemäß dem Grundsatz, dass die Masse an der Börse in der Regel falsch liegt, wird diese Umfrage als ein konträrer Indikator betrachtet. Extremwerte in einer Richtung deuten dabei auf eine erhöhte Wahrscheinlichkeit eines Trendwechsels hin.
Der aktuelle Chart hierzu sieht übrigens wie folgt aus:
Quelle: Market-Harmonics
Wenn Sie den obigen Chart betrachten, sehen Sie, dass wir in der Tat etwas stärker auf der bullischen Seite unterwegs sind (auf einen "Bären" kommen 2.66 "Bullen"). Es wäre hier jedoch verfrüht, von wirklichen Extremständen zu sprechen. Da stand dieser Index Ende Januar schon deutlich höher. Noch extremer war der Stand gar im November 2007 bzw. im Januar 2010. Kurz und knapp: Aus meiner Sicht ist hier durchaus noch ein weiterer Anstieg möglich.
Betrachten wir einen weiteren Sentiment-Indikator...
Was sagt das Put / Call Volume Ratio?
Auch beim sogenannten Put/Call Ratio handelt es sich um einen konträren Indikator.
Das Put/Call-Ratio wird ermittelt, indem die Gesamtanzahl gekaufter (Volumen, engl. volume) Options-Putkontrakte durch die Anzahl von Options-Callkontrakten dividiert wird - jeweils bezogen auf einen Handelstag.
(An dieser Stelle ein kleiner Hinweis am Rande: Wer von Ihnen sich noch nicht mit dem Optionsmarkt auskennt, jedoch gerne ein wenig Grundwissen hierzu sich anlesen möchte, sei auf den Artikel "Keine Angst vor Optionen" meines ehemaligen Kollegens Alexander Hahn verwiesen)
Das Put/Call-Ratio misst also den Dominanzgrad der Bullen bzw. der Bären basierend auf der Anzahl an Puts und Calls, die an einem Tag umgesetzt wurden. Als Formel ausgedrückt:
Umsatz an Put-Optionen an einem Tag / Umsatz an Call-Optionen an einem Tag = Put/Call-Ratio
Diese Zahlen werden von der Chicagoer Optionsbörse (CBOE) für alle Aktien- und Indexoptionen und für jeden Handelstag berechnet sowie in den täglichen Marktstatistiken der Börse veröffentlicht.
In der Regel wird ein Put/Call-Ratio von 0.80 als ein bärisches Extrem behandelt (d.h. die Chance auf einen Trendwechsel in der nächsten Zeit zu Gunsten der Bullen ist erhöht). Werte über 1.00 während mehreren Handelstagen hingegen gelten als ein starkes Zeichen einer Bodenbildung am Markt. Ein Wert im Bereich 0.40-0.50 gilt als neutral und Werte unter 0.30 gelten als extrem bullisch (d.h. die Chance auf einen Trendwechsel in der nächsten Zeit zu Gunsten der Bären ist erhöht bzw. im Markt bildet sich gerade ein Top).
Der aktuelle Chart für den US-Aktienmarkt zeigt sich dabei wie folgt:
Quelle: Market-Harmonics
Nun, so leid es mir tut, aber auch hier kann ich keinen der beschworenen, sehr deutlichen Extremwerte sehen im Moment. Ähnliches gilt für zahlreiche weitere Sentimentindikatoren.
Korrekt, alle zeigen ein sehr bullisches Bild, aber in völlig überhitzten Zonen sind wir noch nicht.
Eine bald anstehende Korrektur hieraus ableiten zu wollen, erscheint mir daher ein wenig gewagt.
Für meinen Teil möchte ich es mehr so formulieren: Die Märkte sind schon seit einigen Wochen überkauft und früher oder später wird eine Korrektur kommen. Doch wann dies der Fall sein wird, wird letztlich der Markt uns zeigen.
Ich denke, Sie fahren besser, wenn Sie (falls Ihnen etwas unwohl sein sollte angesichts der Rallye der vergangenen Wochen) auf einige schwächere Positionen Gewinne mitnehmen und auf Ihre verbleibenden Positionen die Stopps enger setzen. Von einem reinen Markttiming nach Sentiment-Indikatoren rate ich ausdrücklich ab, denn dies funktioniert erfahrungsgemäß in den meisten Fällen nicht sehr zuverlässig.
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